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12.09.2012
RHEDA-WIEDENBRÜCK
Familienstreit bei Tönnies lähmt Schlachtkonzern
Machtkampf im Unternehmen belastet Mitarbeiter
VON THORSTEN GÖDECKER UND JÖRG RINNE

Familienstruktur | FOTO:MARIONPOKORRA-BROCKSCHMID

Rheda-Wiedenbrück. Nervosität macht sich im inneren Führungszirkel der Tönnies-Gruppe breit. Einige der "Top 40", wie sich die hartgesottenen Schlachthof-Manager selbst nennen, fürchten, dass Robert Tönnies (35) den Machtkampf mit seinem Onkel Clemens (56) für sich entscheiden könnte.

Die Angst vor einer Teilung des größten Schlachtkonzerns der Republik geht in Rheda und in den Standorten in Weißenfels und Sögel um. Die Spitzenkräfte des Unternehmens mutmaßen, dass Finanzinvestoren hinter Robert Tönnies schon parat stehen, um sich das "leckere Teilchen" zu sichern. Die Verunsicherung werde verstärkt, weil "CT", wie sie ihren Chef Clemens Tönnies nennen, gegenüber seinem aufbegehrenden Neffen eine ungeahnte Rücksicht an den Tag lege.


Das Urteil des Managements über den Filius des 1994 verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies fällt wenig schmeichelhaft für den studierten Betriebswirt aus. "Vermessen" sei es gewesen, dass er sich in einem Artikel des Internet-Lexikons Wikipedia als "erfolgreicher Sanierer" und "Geschäftsführer" habe feiern lassen. Mittlerweile ist diese Hommage an Robert Tönnies aus den Weiten des Internets wieder verschwunden.

Info

Unternehmerfamilie

  • 1971: Gründung des Unternehmens durch Bernd Tönnies.
  • 1982: Bernd Tönnies’ Bruder Clemens beteiligt sich mit 40 Prozent am Unternehmen.
  • 1990: Tönnies erwirbt einen Schlachthof in Weißenfels.
  • 1992: Start am neuen Firmensitz in Rheda, nachdem das Unternehmen kurzzeitig nach Herzebrock ausgewichen war.
  • 1994: Bernd Tönnies stirbt an den Folgen einer Nierentransplantation. Er hinterlässt zwei Söhne, Robert und Clemens.
  • Bis 2012: Bernd Tönnies’ Bruder Clemens vervielfacht in den Folgejahren den Umsatz des Konzerns.


Es sei eine "Schmierenkomödie", die Robert Tönnies mit seinem in Familienstreitigkeiten erfahrenen Rechtsbeistand Mark Binz aufführe, um Clemens Tönnies aus dem Unternehmen zu drängen, urteilt eine Führungskraft. Seine Manager mögen den unankratzbar wirkenden "ostwestfälischen Dickschädel" Clemens Tönnies (Süddeutsche Zeitung), hat die Tönnies-Gruppe doch unter seiner Führung ihren Umsatz seit 1992 auf rund 4,6 Milliarden Euro (2011) vervielfacht. Dieser Erfolg schafft Loyalität.

Das Unternehmen war in großer Gefahr


Die fehlt Clemens’ Neffen anscheinend. Der 35-Jährige habe immer alles besser gewusst und nicht lernen wollen, wie man den Laden führe. Sein Umgang mit Mitarbeitern habe absolutistische Züge, berichten Konzern-insider. Abmahnungen und Kündigungen habe der Tönnies-Erbe nach Gutdünken als Geschäftsführer unterzeichnet, obwohl er als Gesellschafter diesen Posten nie innegehabt habe. Mitarbeiter, die Robert Tönnies am Morgen gefeuert habe, seien mittags wieder eingestellt worden, weil der "sehr impulsive Mensch" wohl wisse, wie man ein Schwein zerlege, aber nicht, wie ein Milliardenkonzern zu führen sei.Ein "Fiasko", so heißt es, habe er am Produktionsstandort Weißenfels in Sachsen-Anhalt durch seine "soziale Inkompetenz" angerichtet. Zig Topleute hätten Wochen gebraucht, das zerschlagene Porzellan wieder zu kitten. Da flog schon mal ein Monitor durchs Büro oder eine Fleischkiste durch die Produktionshalle. Jähzorn sei eine Schwäche des Gesellschafters, berichten Mitarbeiter, die auch schon seinen Vater Bernd erlebt hatten. Wiederholt hätten die Spitzenkräfte den in dieser Frage nach ihrer Ansicht geduldigen Clemens Tönnies angefleht, sie von seinem Neffen zu entlasten.

Das ist aber einfacher gefordert als getan, denn Robert Tönnies besitzt 50 Prozent an dem Unternehmen. Nun fordert er den Fünf-Prozent-Anteil zurück, den er 2008 seinem Onkel geschenkt hatte. "Clemens Tönnies hat seinem Neffen die großzügige Geste nicht gedankt", hatte Robert Tönnies’ Anwalt Mark Binz den Schritt begründet. Und "grober Undank" wäre ein juristisches Argument, das Geschenk und dadurch die Mehrheit zurückzuerhalten. Gewinnt der Neffe den Machtkampf, dann sind Clemens Tönnies’ Zukunftsaussichten im Schlachtkonzern eher düster, denn an ein Miteinander von Onkel und Neffen glaubt bei Tönnies niemand mehr.

Mittlerweile herrsche absolute Funkstille zwischen Onkel und Neffe; nur noch über ihre Anwälte tauschten sie sich aus, heißt es. Robert Tönnies empört sich per Advokat über private Beteiligungen seines Onkels an dem Rivalen Zur Mühlen (Böklunder-Würstchen). Im Januar hatte er einen offenen Brief an die Mitarbeiter geschrieben, in dem er unter anderem forderte, sein Onkel solle seine Beteiligungen in die Tönnies-Holding einbringen, um künftig "handfeste Interessenskonflikte", etwa durch Gewinnverlagerungen, auszuschließen.

Dieser Brief, der an große Teile der Belegschaft ging und in dem Robert Tönnies seinen Führungsanspruch im Hause Tönnies anmeldet, habe das gesamte Unternehmen gelähmt, berichten Mitarbeiter. "Hier herrschen Existenzängste", sagt ein Manager. In den Zerlegehallen gibt es nur noch ein Thema – den Familienstreit. Zusammen mit seinem Rechtsbeistand versuche Robert Tönnies, die Arbeit seines Onkels zu diskreditieren, berichten Mitarbeiter.

Robert behaupte, sein Onkel arbeite nur ein Erfolgsprogramm ab, das Bernd Tönnies seinem Bruder quasi auf dem Sterbebett diktiert habe. Dabei sind die unternehmerischen Leistungen des verstorbenen Firmengründers nicht unumstritten. Vor allem die Eigenkapitalquote der Großschlachterei sei mehr als dünn gewesen, als Clemens Tönnies die Führung übernommen habe. Bei einem Umsatz von damals rund 480 Millionen Mark habe Bernd Tönnies Schulden in Höhe von 148 Millionen Mark angehäuft. Tönnies-Fleisch habe aber nur über rund 6 Millionen Mark an Eigenkapital verfügt, berichtet ein Insider. "Das Unternehmen war in großer Gefahr." Mittlerweile setze der Großschlachter zirka 4,6 Milliarden Euro um und beschäftige rund 9.000 Mitarbeiter (5.000 in Rheda). Die Eigenkapitalquote liege bei 61 Prozent.Man müsse Clemens Tönnies nicht mögen, heißt es in Rheda, denn der Mann betreibe seine Geschäfte mit aller Härte, die die Branche ihm abverlange. Durch ihn sei die Großschlachterei aber zu einem international agierenden Konzern aufgestiegen, und er habe für dieses kometenhafte Wachstum auch die Prügel bezogen: Vier Jahre lang, von 2007 bis 2011, habe sich Clemens Tönnies gegen 24 Vorwürfe einer anonymen Anzeige wehren müssen.

Mehr als 300 Ermittler des Landeskriminalamts hätten in Rheda und anderen Standorten das Unternehmen auf den Kopf gestellt. "Damals ging es um die Existenz." Wäre einer der Tönnies-Leute verurteilt worden, hätten sich große Discounter sofort zurückgezogen, berichtet ein Mitglied des damaligen Tönnies-Krisenstabs, der sich wöchentlich, meisten sonntags, in Rheda getroffen habe. Robert Tönnies sei er in diesen Jahren nie begegnet. "Ich kenne den Mann nicht", sagte ein Berater. Andere Mitarbeiter berichten, dass Robert Tönnies nach Zustellung der Anklage das Unternehmen mit den Worten "Ich habe damit nichts zu tun" verlassen habe.

Vieles deutet darauf hin, dass der mächtige Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 vor Gericht in den Ring mit seinem Neffen steigen muss – eine Vision, die im Unternehmen die schlimmsten Befürchtungen nährt. Wenn das passiere, könne dies die Spaltung des Konzerns bedeuten, glauben einige der "Top 40".

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
mir wird so dermaßen anders gerade und mein brechreiz wird rieisg: heute steht in der neuen westfälischen, dass robert tönnies mit 400 millionen euro vermögen zu den reichsten der reichen gehört. kack die wand an - erben, null sozial, benimmt sich unter aller sau seinen angestellten gegenüber, hat die taschen voll, ohne auch nur jemals etwas geleistet zu haben und macht auf dicken max? alter, und wir wundern uns, warum wir in einer neid-gesellschaft leben. der ist das beste beispiel für ein mieses, egoistisches denken. wenn er wenigstens etwas geleistet hätte - ich gönne es ja jedem, wenn er lange, viel und hart gearbeitet hat. aber so ist das doch echt das allerallerletzte.

Heftige geschichte!! Hat Robert Tönnies eigentlich Kinder? ich wüsste nicht wie ich mit meinem Vater umgehen würde wenn ich sowas über ihn lesen würde..

wenn ich als junior von ner kleinen tischlerei oder so in den elterlichen betrieb reinwachse, dann kann man das ja bestimmt lernen, das ist sicher schon anspruchsvoll aber bestimmt bewältigbar. aber objektiv, egal ob fleisch, anlagenbau oder pharmabranche - einen konzern lenken kann man doch nicht kraft geburtsrecht erlernen. im gegenteil - der onkel mag bestimmt kein engel sein, aber er hat zuzmindest deutlich bewiesen, dass er offenbar einen multi-millionen-euro-konzern ausbauen und leiten kann. wie man hier liest, hat der junior sich eher durch negatives verhalten ausgezeichnet als durch glänzende leistung. man bekommt ja nun den eindruck, als würde er quasi über den klageweg versuchen, sich mit aller macht das zu holen, was er nicht bekommen hat, als er im unternehmen die chance dazu hatte. das könnte man als traurig bezeichnen.

Kenne beide Herren gut, kann nur mitteilen dass Robert immer fair war. CT lässt immer anderen Sachen erledigen und wäscht selber seine Hände in Unschuld. Genug Vorbilder. Nur tut Staatsanwaltschaft nichts dran.

Gleiche Massche, und CT spielt immer der gebissene Hund??????????

Glaub doch nicht alles

Ich habe mal bei Tönnies gearbeitet. Und ich ich durfte live miterleben wir dieser Herr mit seinen Mitarbeitern umgeht. Impulsiv ist da noch sehr diplomatisch ausgedrückt. Der schreit so laut, man konnte sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Wie der mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist, kaum zu glauben. Wie ein Herr mit seinen Sklaven und noch schlimmer. Aber wie heisst es so schön, wer schreit ist schwach, inkompetent und hat keine sachlichen Argumente. Ich verstehe nur nicht, wie man untern so jemanden arbeiten kann. Ich habe mich dann relativ schnell aus dem Staub gemacht. Sicher ist sicher. So wie der drauf war an manchen Tagen, ist dem fast alles zuzutrauen. Ich glaube das gerne, dass da schon mal Monitore durch die Gegend geflogen sind. Hätte er mich auch nur ein mal so angeschriehen wie andere dort, hätte ich ihn wegen Körperverletzung angezeigt. Denn so wie der brüllst ist das Körperverletzung.



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