Schrift

15.09.2012
RHEDA-WIEDENBRÜCK
Robert Tönnies wehrt sich im Familienstreit
Kampf um Schlachtunternehmen eskaliert

Wehrt sich | FOTO:MARION POKORRA-BROCKSCHMIDT

Rheda-Wiedenbrück (sch). Im Familienstreit beim Schlachtkonzern Tönnies hat sich jetzt Robert Tönnies (35), Mitgesellschafter und Neffe des Vorstandsvorsitzenden Clemens Tönnies (56) zu Wort gemeldet. In der Auseinandersetzung fordert Robert Tönnies wegen "groben Undanks" die Schenkung von fünf Prozent der Firmenanteile zurück, die er 2008 an seinen Onkel überschrieben hatte.

Die gegen ihn erhobenen persönlichen Vorwürfe seien "irreführend und größtenteils falsch", versichert Robert Tönnies. Er wolle sich allerdings "nicht im Einzelnen" zu den "Verunglimpfungen" äußern.

Vehement widerspricht Tönnies junior den Einschätzungen, wonach die Tönnies-Gruppe nach dem Tod von Robert Tönnies Vater Bernd kurz vor der Insolvenz gestanden habe. "Mein Vater hat die Tönnies-Gruppe maßgeblich aufgebaut und kerngesund hinterlassen. Das bis heute erfolgreiche Geschäftsmodell ist sein Lebenswerk", betont Robert Tönnies. Die "unternehmerische Pionier-Leistung" seines Vaters sei " unstrittig und einer breiten Öffentlichkeit bekannt". Ich finde es sehr bedauerlich, dass das "Andenken an meinen Vater (...) derart beschädigt wird".

Forderung: Neutraler Abschlussprüfer

Die Auseinandersetzung zwischen Neffe und Onkel beschränke sich "auf die gerichtliche Klärung unterschiedlicher Rechtsstandpunkte". Die operativen Geschäfte und die Mitarbeiter seien davon nicht betroffen. Strittig ist aus Sicht von Robert Tönnies das Mehrheitsstimmrecht, das Clemens Tönnies für sich reklamiere. Weitere Forderungen von Robert Tönnies: die Unterlassung von Wettbewerbsverstößen und die Bestellung eines neutralen Abschlussprüfers.

Tönnies’ Juniors Ziel sei, eine Unternehmensstruktur zu schaffen, die unabhängig von einer einzelnen Person zukunftsfähig sei. "Mein Onkel vereint faktisch derzeit die operative Verantwortung (als Vorstandsvorsitzender) und die Überwachungsfunktion (als Beiratsvorsitzender) in einer Person ohne jegliche formaljuristische Bestellung – ein einmaliger Vorgang in Deutschland!" Statt eines "patriarchalischen Führungsstils" brauche die Tönnies-Gruppe ein stärker teamorientiertes Denken und Handeln.

Zugleich müssten "Interessenkonflikte" vermieden werden, die entständen, "wenn mein Onkel auf eigene Rechnung Wettbewerbsunternehmen wie die Zur Mühlen-Gruppe" erwirbt und betreibt."Alles, was Robert Tönnies wolle, die "der Sicherung künftigen Wachstums unserer Unternehmens-Gruppe im In- und Ausland". Er werde alles tun, damit der Gesellschafterkonflikt "wegen der von mir angestrebten Neustrukturierung unseres Unternehmens gerade nicht unsere Mitarbeiter verunsichert".

Er werde sich weiterhin an die mit seinem Onkel vereinbarte Absprache halten, die "unterschiedlichen Positionen nicht in die Öffentlichkeit zu tragen".

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Etwas Geschenktes fordert man nicht zurück! Da ist doch irgendwas im Busch. Der junge Tönnies hat bestimmt irgendwelche hochfliegenden Pläne die keiner braucht, da bin ich sicher. Wäre nicht das erste Mal ,dass jemand den großen Zampano an der Börse machen will oder mit Finanzinvestoren ins Bett steigt. Und dann alles gegen die Wand fährt.

Hier muss mit Augenmaß rangegangen werden!

Wer einmal lügt bzw. Wikipedia manipuliert bzw. hier in den Kommentaren herummanipuliert, dem glaubt man nicht, auch wenn er ausnahmsweise vielleicht irgendwann mal die Wahrheit spricht.

Hat ja schon fast was von lokalem Wirtschaftskrimi. Ich persönlich mute mir da kein Urteil an. Zum Unternehmen selber muss ich sagen: Auf der einen Seite beeindruckt mich der unternehmerische Erfolg von C. Tönnies schon sehr, auf der anderen Seite sehe ich den Massenschlachtbetrieb durchaus kritisch. Gleichwohl ist es das Ergebnis von Massenkonsum. Ich bin der Meinung, dass Fleisch bewusster und maßvoller genossen werden sollte. Na ja, dies als Randeinwurf...

@marcm Wenn Tönnies wirklich mit so vielen Leihabeitern arbeitet, wie kommt es dann, dass der Schlachthof in Weißenfels (auch Teil der Tönniesgruppe) zu den größten Arbeitgebern und Ausbildern gehört? Was ist mit den Disponenten und Fahrern der LKW? Was mit den Mitarbeitern der Verwaltungen in Sögel, Rheda und Weißenfels, in Kempten oder auch im Ausland? Wer eine Ahnung bekommen will, wer alles davon betroffen sein könnte, wenn Tönnies den Bach runtergeht, sollte mal auf Wiki schauen, wie klein der Konzern ist.

Tönnies ist also fraghaft wegen:
-Billigarbeitskräften? S.o.
-Mitarbeiterüberwachung? Tönnies hat ein Bußgeld (weit unter dem Höchstsatz) akzeptiert und at Kameras abgebaut. Selbst die Aufsichtsbehörde hat gesagt, die Firma sei über das Ziel hinausgeschossen, ohne Böswilligkeit, deswegen nicht der Höchstsatz.
-Fleischskandal? Die Ergebnisse der Ermittlungen von 2007 wurden vom Amtsgericht Essen nicht zur Klage zugelassen, da sich herausgestellt hat, dass ein Mitbewerber dahinter steckte.
Von dem mehr als ein Dutzend Anklagepunkte der Ermittlungen aus 2009 (u.a. Steuerhinterziehung, Betrug)blieb nur einer, Falschetikettierung (zuwenig Rind im gemischten Hack) übrig. Hier war der Hauptzeuge ein wegen Unterschlagung entlassener ehemaliger MA, der mittlerweile beim selben Mitbewerber (s.o.) arbeitet. Außerdem wurde (wird?) in dem Zusammenhang gegen einen Staatsanwalt wegen Dienstvergehens ermittelt.

Robert Tönnies meint, er könne es besser als sein Onkel. Als er die Gelegenheit hatte, sich im kleinen zu beweisen, machte er das Gegenteil, menschlich und betriebswirtschaftlich. (sein BWL-Abschluss wird auf der Diskussionseite zu seinem Namen deutlich in Frage gestellt). Laut Wirtschaftswoche stehen hinter ihm Investoren. Interessiert sich eine Firma (z.B. eine niederländische) für Arbeitsplätze in OWL oder Sachsenanhalt, wenn sie ihre eigenen Schlachthöfe besser auslasten kann? Anzeigen und "Ermittlungshilfe für die Staatsanwaltschaft" haben bisher nicht funktioniert. Warum also nicht einem jungen, mit sich und seiner Stellung unzufrieden Gesellschafter den Rücken stärken und ihm einen Anwalt an die Seite stellen, der früheren bei einem jetzigen Tochterunternehmen im Aufsichtsrat saß…

bevor mich hier irgendwer wegen meiner meinung zerpflückt:
ich bin weder ein pr mensch noch robert tönnies persönlich, noch stehe sonst irgendwie im zusammenhang mit dieser geschichte!
ich verfolge diese sache nur zufällig und hab mir gerade die kommentare hier durchgelesen.

gleich wie einige hier behaupten RT würde hier persönlich schreiben, so kann es genauso sein, dass die leute, die total gegen ihn wettern, CT persönlich sind.

nüchtern betrachtet finde ich, dass generell sehr gegen RT gearbeitet wird. allein die pressemitteilung, dass er sachen durch die gegen wirft ist die klassischte aller pr gags um wen schlecht dastehen zu lassen.

nur mal zum nachdenken:
angenommen ihr hättet mit eurem onkel ne firma. das läuft sehr gut. man schenkt ihm, um besser arbeiten zu können, einen teil seiner anteile. danach beteiligt er sich privat (!) an anderen firmen, die das gleiche machen. auch wenn man schon genug geld hat - und das hat die familie tönnies sicher - dann geht es hier um das prinzip der loyalität und nicht um das geld ansich.

so sehe ich das aus den medienberichten.

ich würde an RTs stelle vermutlich gleich reagieren.



 Seite 1 von 7
weiter >
  >>



Anzeige
Weitere Nachrichten aus der regionalen Wirtschaft
Lizenz zum Zapfen
Bielefeld. Ein gehässiges Sprichwort sagt: "Wer nichts wird, wird Wirt." Doch nicht jeder, der Wirt wird, wird in der Branche auch etwas. Insgesamt 1.474 Insolvenzen gab es 2012 im Gastgewerbe in NRW... mehr

Wie man sich erfolgreich selbstständig macht
Bielefeld. Wer sich selbstständig macht, will erfolgreich sein. Doch jede Gründung birgt auch Risiken. Was man beachten sollte, wie man sichert finanziert und worauf es bei der Umsetzung der... mehr

Begegnung mit den baltischen Staaten
Bielefeld (nw). "Ostwestfalen meets Baltic Sea Region" - das ist der etwas umständliche Titel der internationalen Begegnungswoche der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen vom 10. bis 13. Juni... mehr

Bielefeld
Fahrgastzahlen 2012 auf Rekordhöhe
Bielefeld (bast). Das Bielefelder Verkehrsunternehmen MoBiel hat im Jahr 2012 Erträge von 56,2 Millionen Euro erzielt. Dem standen Gesamtkosten von 76 Millionen Euro für den Betrieb von Bussen und... mehr




Videos
Anzeige

Anzeigen

Wirtschaft
Deutsche Aktien eröffnen schwach
Frankfurt/Main - Mit Ernüchterung aufgenommene Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke haben am Donnerstag zu einem schwachen Börsenstart geführt.... mehr

Dramatischer Kurseinbruch: Nikkei stürzt über 1000 Punkte
Tokio - Dramatischer Einbruch an der Börse in Tokio: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stürzte am Donnerstag um mehr als 1000 Punkte in den... mehr

Deutsche-Bank-Führung droht ungemütliche Hauptversammlung
Frankfurt/Main - Der Führungsspitze der Deutschen Bank droht fast genau ein Jahr nach ihrem Amtsantritt eine ungemütliche Hauptversammlung. Vor dem... mehr

Ernüchterung an US-Börsen nach Aussagen des US-Notenbank-Chefs
New York - An den US-Börsen hat sich nach diversen Aussagen zur ultralockeren Geldpolitik der US-Notenbank Ernüchterung breitgemacht. Der Dow Jones... mehr

Wohnungsnot: Mieterbund wirft Bundesregierung Passivität vor
München/Bremen - Der Deutsche Mieterbund (DMB) geht angesichts der zunehmenden Wohnungsnot in deutschen Städten mit der Bundesregierung hart ins... mehr





Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format