Lemgo. Es ist laut, unruhig, ja geradezu hektisch. Lachen und Stimmengewirr erfüllen den großen Raum, ein Radio dudelt. Die Wände sind mit Fotos und selbstgemalten Bildern beklebt. Männer und Frauen sitzen an Werkbänken, sortieren Schrauben und wiegen Plastikteile ab. Mittendrin: Nora Thöing. Die 32-Jährige macht eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin bei der Eben-Ezer-Stiftung in Lemgo.
"Meine Vorstellung von einem Beruf ist, Menschen zu helfen und ihnen im Alltag die Unterstützung zu geben, die sie brauchen", erzählt Nora Thöing. Seitdem sie als Auszubildende für die Eben-Ezer-Stiftung arbeitet, hat sich für sie der Wunsch nach sinnvoller Arbeit erfüllt. Auch wenn der Arbeitsalltag in der Behindertenwerkstatt oft anstrengend ist: Für Thöing liegt der Reiz in den täglichen Herausforderungen. "Kein Tag ist gleich, man kommt immer in Situationen, mit denen man nicht gerechnet hat. Dann muss ich reagieren und mich auf die neuen Umstände einstellen."
Heilerziehungspflegerin
Nora Thöing (32) absolviert eine dreijährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin.
Die Ausbildung bietet diverse Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten: Sozialarbeiter, Sozialpädagoge, Heilpädagoge, Behindertenpädagoge; Arbeitsfelder Psychomotorik, Sensomotorik, Motopädie, Früh- und Vorschulpädagogik.
Mehr Infos: www.eben-ezer. de/, www.heilerziehungspfleger. de/.
Nächste Folge am Samstag: Leon Ziegler wird Informatiker.
Mehr Infos: www.nw-news. de/Zukunftsberufe.
Thöings Aufgaben sind schon im ersten Jahr der Ausbildung klar definiert und alles andere als Anfängerkram: "Neben der Betreuung während der Arbeit und der Begleitung zu den Freizeitaktivitäten muss ich mich auch um die Pflege der Menschen kümmern. Das heißt: Ich helfe ihnen bei den Toilettengängen und kümmere mich um sie während des Mittagessens."
Ruhig und ausgeglichen gegen chaotische Situationen
Die Arbeit mit den Behinderten ist für Nora Thöing mehr als nur ein Job. "Als Heilerziehungspflegerin begegnen mir die Menschen einfach so, wie sie sind", sagt sie. "Diese ungefilterte Authentizität ist ansteckend: Ich gebe mich ihnen gegenüber auch so, wie ich bin. Auf diese Weise lerne ich viel über mich selbst, über meine Stärken und Schwächen." Thöing begann auf Anraten eines Freundes mit der Ausbildung.
"Ich wollte so nah wie möglich an den Menschen dran sein." Die Menschen, die sie betreut, haben sich schnell an "die Neue" gewöhnt. "Ich lasse mich gerne auf sie ein und fühle mich hier sehr wohl." Mit ihrem ruhigen und ausgeglichenen Charakter meistert Thöing auch chaotische Situationen locker und gewinnt das Vertrauen der Behinderten. "Ich gebe nicht nur, sondern bekomme auch ganz viel von den Menschen, sei es ein Lächeln oder eine Umarmung", schwärmt sie. "Mein Job macht einfach glücklich."