Sonnabend, 26.05.2012
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14.01.2012
MALEDIVEN
Inselwelt im Wandel: 40 Jahre Malediven
Vier Jahrzehnte Traumkulisse für Urlauber
VON ALEXANDER RICHTER

Gut behütet | FOTOS: ARI/TUI

Die Malediven. 40 Jahre Tourismus. Locker, lässig, teures Traumziel. 100 Resort-Inseln, politische Muskelspiele und der Klimawandel.
   
Keine Schuhe. Kein Sakko. Und der Hosenanzug bleibt gleich zu Hause. In der Hitze der Malediven braucht man andere Dinge – Flipflops, Badeklamotten, T-Shirts und einen cremig hohen Schutzfaktor, das reicht. Seit genau 40 Jahren steht das Inselreich für exklusiven Tourismus. Dabei waren es Aussteiger und Hippies, die ab 1972 Goa und Indien "satt" hatten und neue Harmoniewelten suchten. Und diese 90 Flugminuten weiter südlich mitten im türkisblauen Indischen Ozean fanden.

Info

GUT ZU WISSEN

ANREISE
Von Deutschland direkt nach Male fliegen Air Berlin und Condor. Via Arabien fliegen u. a. Emirates, Oman Air und Qatar Airways.

ANGEBOT
Hotels und Resorts: Alle großen Reiseveranstalter haben diverse Malediven-Inseln im Angebot.

AUSKUNFT
www.malediven-islands.de; www.visitmaldives.com; www.malediven-resort.de

Die Malediven. Trauminseln. Luxusurlaub. Honeymoon-Ziel. Wörtlich übersetzt bedeutet Malediven so viel wie "Inselkette". Was stimmt, denn auf 26 Atollen mit teilweise prächtigen, aber bedrohten Korallenriffen sind wie an einer Kette fast 1.200 Inseln und Inselchen auf gut 800 Kilometer (Nord-Süd) aufgereiht – von kleinen und feinen bis zu langgestreckten und großen.

Zum Inbegriff für die Malediven-Welt ist die Spiegelei-Insel geworden – außen schneeweiße Korallenstrände, innen das Gelbe vom Ei. Auf zurzeit 220 Inseln leben und arbeiten rund 400.000 Malediver – hier sind Urlauber meist nur mit Sondergenehmigungen erwünscht. Umgekehrt sind die "Locals" auf den rund 100 Resort- oder Ferieninseln nur als Arbeitskräfte zugelassen.

Touristen wissen: "Billig ist es hier nicht"

Die ersten Blumenkinder landeten 1972 mit Propellermaschinen auf dem damals winzigen Insel-Airport Hulhule. Noch ziemlich bescheidene Ferienhütten waren im nahen Nord-Male-Atoll auf den Inseln Bodubandos und Vihamanaafushi die ersten Unterkünfte. 40 Jahre ist das erst her. Die beiden Aussteiger-Eilande von einst haben sich längst in Luxusresorts verwandelt, wie überhaupt auf fast allen Inseln das lässige Deluxe-Prinzip regiert. Barfuß, Bikini, Shorts! Sterne über Sterne für die Resorts, mal fünf, mal sechs, mal 10.000 am Himmel, wenn’s nachts aufklart.

Bedrohte Idylle

Europäer, die heute im Indischen Ozean "abtauchen", bleiben in der Regel zehn Tage und wissen: "Billig ist es hier nicht!" Eine auf Stelzen in die Lagune gebaute geräumige Wasservilla kostet pro Nacht schon mal schnell 500 bis 2.000 US-Dollar pro Person (natürlich mit Frühstück!). Ins Geld geht auch das Essen – in den meisten Resorts hat man die breite Auswahl.

Irgendwie clever, aber irgendwie auch stressig gehen viele junge Chinesen vor, die Mao nur noch aus Büchern kennen und reichlich Dollars ausgeben können: Sie bleiben fünf Tage und ziehen dabei dreimal innerhalb des Resorts um, weiß Ursula Schöfl, aus Österreich stammende Chefin im Sheraton Full Moon Resort. Die Malediven sind ein islamisches Land, was man auf den Urlaubsinseln eigentlich nur hört, wenn vom benachbarten Einheimischen-Eiland der Ruf des Muezzin herübertönt. Alkoholische Getränke werden für die Touristen in jeder Form, aber immer teuer angeboten. Verboten ist die Alkoholeinfuhr.

Präsident gilt als Hoffnungsträger für die junge Generation

Politisch scheint der neue Präsident Mohamed Nasheed vor allem für die junge Generation ein Hoffnungsträger zu sein, der alte verkrustete Strukturen auf den Inseln aufbrechen könnte, erzählt Stadtführer Ali Mubarak (35). Dennoch gingen die Menschen im Frühsommer 2011 in Male auf die Straße, protestierten gegen Preiserhöhungen und machten ein wenig Rambazamba.Flugs hieß es in einigen deutschen Medien: "Unruhen auf den Malediven!" Viel dran war an den Schlagzeilen nicht. Die Menschen hier leben vom Tourismus, dann kommt lange nichts, dann der Fischfang. Vor diesem Hintergrund sehen Insider auch die jüngsten Politparolen nach einem Verbot etwa aller Wellness-Spas gelassen. Geschähe dies, wären die Malediven sehr schnell raus aus dem Tourismusgeschäft, was wiederum bedeuten würde, dass zahlreiche lokale Politiker als Eigentümer diverser Resortinseln Einnahmen verlieren würden. In der Sportsprache nennt man so etwas "Eigentor".

Was macht man den lieben, langen Tag im glühend heißen Sand? Man flüchtet bei 45 Grad schnell ins 28 Grad "kühle" Meer, cremt sich ein wie ein Weltmeister (nur die Engländer sehen "Rot"), schnorchelt, erlebt die eindrucksvolle Fisch- und Korallenwelt im Wasser, nimmt einen Drink an der Beachbar, holt sich eine Abkühlung im Appartement und wiederholt dieses Spielchen drei- bis fünfmal pro Tag. Der Malediven-Rhythmus geht schnell und lässig in die Beine – Flipflop-Beat und Barfuß-Reggae.

Klimawandel wird zur Bedrohung für das Inselparadies

Abwechslung ins dösige Luxus-Faulenzen bringt ein Trip nach Male (ab 50 Euro). Drei Stunden reichen. Zu sehen gibt’s in der kleinen, aber extrem dicht besiedelten Hauptstadt – jeder 4. Malediver lebt hier – den Sultanspark mit knorrigen Banyan-Bäumen, den lebhaften Markt, die große Moschee, einen modernen SB-Markt, der nachmittags minutenweise geschlossen hat – "wegen Gebetszeit", verrät das Schild an der Sperrkette.

"Besuchen Sie die Malediven – solange es sie noch gibt!" Was wie ein makabrer Werbespruch klingt, hat durchaus einen hohen Wahrheitskern. Die weltweite Klimaerwärmung lässt unter anderem die Ozeane steigen, was für platte Inselstaaten wie die Malediven – höher als 1,50 Meter ist hier kein Landstück – bedeutet: Sie werden eines Tages, geschieht nicht noch ein Wunder, im Meer versinken. Der Tsunami von 2. Weihnachtstag 2004 hat die Apokalypse realer gemacht – mehrere Inseln und Gebäude wurden zerstört, hört man, obwohl vor Ort kein Mensch offen drüber reden will. Um auf die Klimagefahren hinzuweisen, bittet Präsident Nasheed medienwirksam sein Kabinett auch schon mal im Taucheranzug auf den Meeresboden.


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