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04.02.2012
USA
Trendsport Heli-Skiing: Mit dem Hubschrauber zu Alaskas Pisten
Wenn es in den meisten Skigebieten allmählich dem Saisonende entgegengeht, beginnt in Alaska die beste Zeit für die weiße Königsdisziplin Heliskiing
VON BRIGITTE VON IMHOF

Grandioser Ausblick | FOTO: CHUGACH POWDER GUIDES

Wie Rugbyspieler kauern wir, die Köpfe zusammengesteckt, im Schnee. Die Hände reichen nicht aus, um den aufwirbelnden Schneestaub vom Gesicht abzuwehren und die Ohren vor dem Knatterlärm zu schützen. Bis der Helikopter vom Typ Bell 206 endlich abhebt und einer wunderbaren Stille Platz macht. Der Blick schweift über ein Meer von tausenden weißen Gipfeln. Doch wir sind nicht zum Sightseeing hier. Mit den Skistöcken den Schnee von den Schuhsohlen geklopft und, klack-klack, rein in die Bindung.

"Lefthand side of my track!", ruft unser Guide und katapultiert sich in den Hang. Einer nach dem anderen folgt ihm, jeder mit dem Ehrgeiz, die eigene Spur ganz synchron neben die des Vordermanns zu legen. Fast schwerelos gleiten wir in einem wunderbaren Schwungrhythmus nach unten, als seien alle physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt. Bis sich dann doch die Physik zurückmeldet – in Form eines fiesen Ziehens in den Oberschenkeln. Und irgendwann sind wir dann doch froh, dass der Hang zu Ende ist. Schon knattert der Helikopter heran, um uns aufzupicken und auf einem Gipfel mit Meerblick wieder auszuspucken. "Lefthand side . . .!"

Info

INFOS

Heliski in Alaska bietet zum Beispiel der Skireise-Spezialist Aeroski (www.aeroski. com). Der Winterspaß ist nicht billig: sechs Übernachtungen und fünf Helitage kosten ab 5.050 US-Dollar (ca. 4.000 Euro) zzgl. Anreise/Flug.

Seit vier Tagen sind wir in den Chugach Mountains in Alaska, und seit vier Tagen schweben wir im siebten Skifahrerhimmel. Vertrieben ist der Jetlag, der einem durch zehn Stunden Zeitunterschied in den Knochen sitzt. Ignoriert wird der vom kleinen Zeh bis zum Unterkiefer reichende Muskelkater nach dem ersten Tag im federleichten Champagne-Powder. Für jeden von uns geht hier der ultimative Traum in Erfüllung: Heliskiing. Es ist der Luxus, ohne Gedrängel auf den Pisten und in der Liftschlange über unberührte Hänge zu stauben und eine Bergwelt zu erleben, die sich auf ein Wort reduzieren lässt: Wow!

Einzigartiges Tiefschneeparadies

Im Gegensatz zur Helikiing-Hochburg Kanada ist Alaska ein heiß gehandelter Geheimtipp. Die Hardcore-Powder-skier wissen um die Einzigartigkeit des Tiefschneeparadieses hoch im Norden des amerikanischen Kontinents. Das Land ist fünfmal so groß wie Deutschland mit nur 700.000 Einwohnern. Und es hat Millionen weißer Gipfel – und damit viel Platz zum Spielen. Beste Reisezeit ist von Mitte Februar bis Ende April, wenn die Tage wieder länger werden und die Sonne Tag für Tag mehr Fahrt aufnimmt.

Unser Standort ist das sympathische Skistädtchen Girdwood am Fuße des Mount Alyeska, Alaskas größtem Skigebiet mit neun Liften und 60 Abfahrten. Mount Alyeska ist berühmt für seine gewaltigen Schneemengen von durchschnittlich neun Metern pro Winter. Heliskifahrer haben so einen weiteren Vorteil: Wenn witterungsbedingt der Flugbetrieb nicht möglich ist, kann man einen Tag auf der Skipiste einlegen oder sich mit der Schneekatze zu den umliegenden Tiefschneehängen fahren lassen. Aber natürlich geht nichts über einen idealen Flugtag. Die Helikopter bringen die Skifahrer zu den Gipfeln der näheren und weiteren Umgebung.

Nicht selten hat man von Landeplatz aus einen herrlichen Blick auf das tiefblaue Wasser des Prince William Sound – allein dieser Anblick ist die weite Reise schon wert –, oder man schwingt direkt aufs Meer zu. Superbreite Freeride-Ski erleichtern das Schwingen auch im tiefsten Schnee enorm und vermitteln das Gefühl, über einen Samtteppich zu gleiten. Seit diesem Winter haben die "Chugach Powder Guides" in dem Hafenstädtchen Seward einen weiteren Heliski-Standort etabliert. Von der luxuriösen Windsong Lodge aus fliegt der Hubschrauber zu den tief verschneiten Gipfeln nahe der nördlichen Golfküste. Das "Resurrection Roadhouse Restaurant" der Lodge ist landesweit für seine hervorragenden Seafood- und Fleischspezialitäten bekannt, für den Weinkeller hagelt es Auszeichnungen so renommierter Institutionen wie des "Wine Spectator".

Bis in den Juni auf Skiern unterwegs

Noch ein Stück exklusiver geht es in der abseits gelegenen Tordrillo Lodge zu, die nur mit dem Buschflieger zu erreichen ist. Dort kann man bis weit in den Juni hinein Ski fahren. Das einzigartige Programm heißt "Kings and Corn": Vormittags und zur Mitternachtssonne wird bei bestem Firnschnee ("corn") Ski gefahren, nachmittags geht es zum Königslachse-Fischen ("kings").

Beim Dinner mit Lachs, Wild oder Steak im Hotel lassen wir den Helitag ausklingen. Der anfängliche Vorsatz, noch die eine oder andere Bar in Girdwood aufzusuchen – im "Sitzmark" soll eine tolle Band aus Kansas spielen –, versickert mit tausenden Höhenmetern in den Beinen zusehends. Beim Heliskiing gelten eben andere Prioritäten.


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