Nur mit dem Flugzeug oder per Kanu lassen sich schönste Naturschauspiele im hohen Norden Kanadas erreichen.
Der Papst war auch schon da. Aber dazu später! Nur wenige tausend Menschen besuchen in der kurzen Sommersaison den Nahanni-Nationalpark. Die meisten kommen mit dem Wasserflugzeug, vor allem um das Naturwunder der Virginia Falls zu sehen. Eine gute Stunde dauert der Flug von Fort Simpson, einem 1.200- Seelen-Nest an der Mündung des Liard River in den mächtigen Mackenzie, den längsten Strom Kanadas. Mutige Kanuten bewältigen seine 1.900 Kilometer vom Großen Sklavensee bis zur Mündung ins Nordpolarmeer in einigen Wochen und werden mit fantastischen Natureindrücken belohnt.
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GUT ZU WISSEN
ANREISE
Flug von Deutschland über London nach Calgary und weiter nach Yellowknife und Fort Simpson. Die Zeitverschiebung beträgt acht Stunden. Reisepass ist Pflicht. Ein Visum ist nicht erforderlich. Unverzichtbar: Auslandskrankenversicherung.
60 Jahre alt und top gepflegt ist die De Havilland Beaver, mit der wir auf dem Mackenzie in Fort Simpson starten. Schon bald überfliegt die Maschine Schluchten, die an den Grand Canyon in Arizona erinnern. "Die weißen Flecken auf der Hochebene sind Dall-Schafe", klärt uns Ted Grant auf, der den knallroten Brummer mit leichter Hand steuert. Der smarte Sechziger mit dem Clark-Gable-Oberlippenbärtchen kam 1976 als Polizist der Royal Canadian Mounted Police nach Fort Simpson. 1981 begann er seine zweite Karriere als Buschflieger und erwarb die kleine Fluggesellschaft Simpson Air. Niemand setzt ein Wasserflugzeug sanfter auf als Ted Grant, der Mann für alle Fälle.
Die Victoria Falls sind doppelt so hoch wie die Niagarafälle. Jahrtausendelang haben die Dene-Indianer in dieser Wildnis gelebt und gejagt. Erste weiße Fallensteller kamen im frühen 19. Jahrhundert. Sie entdeckten heiße Quellen und eine Vielzahl von Höhlensystemen.
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Faszinierende Blicke in tiefe Schluchten
Headless Creek, Deadman Valley oder Funeral Range: Solche Ortsbezeichnungen lassen Schicksale erahnen. "Da gab es zwei Goldsucher, von denen man 1908 nur noch die kopflosen Körper in ihrer Hütte gefunden hat", erzählt Ted Grant. "Bis heute ist das Verbrechen nicht aufgeklärt, die Schädel nicht gefunden." Das wurmt den Ex-Polizisten. Der fliegt nach einem aufregenden Spaziergang an die schäumenden Victoria-Fälle noch eine Ehrenrunde. Die Sonne produziert einen prächtigen Regenbogen aus der haushohen Gischt.
Dann nimmt die Maschine Kurs auf den Little Doctor Lake. Das gleichmäßige Brummen des Sternmotors wäre einschläfernd, gäbe es nicht alle paar Minuten faszinierende Blicke in tiefe Schluchten, auf karge Hochebenen und die umgebenden Berge. Dann ziehen sich plötzlich düstere Wolken zusammen. Die Beaver schüttelt sich und strebt einer schmalen Lücke in einer Felswand zu. Sanft drückt Ted Grant den Flieger nach unten. Die Granitsäulen wirken bedrohlich nahe, doch dann setzt die Maschine schon auf dem Little Doctor Lake auf und tuckert auf einen goldgelben Sandstrand zu. Wie auf Kommando scheint wieder die Sonne."Willkommen in der Nahanni Mountain Lodge", sagt Ted Grant. Die rustikale Lodge besteht aus Blockhäusern für Selbstversorger. Zwei echte Pioniere des Nordens lebten hier bis in die 1970er Jahre: Gus und Mary Kraus, denen auch die Entwicklung des Nahannigebiets zum Nationalpark zu verdanken ist. Ted Grant erwarb die Lodge, als die beiden zu alt für die Wildnis wurden. Er fliegt Angler, Jäger und Hochzeitsreisende in diese Einsamkeit, wo die Wildnis zwei Schritte hinter der Hütte beginnt. Beim Abflug nach der Stippvisite winkt uns ein im flachen Wasser grasender Elch mit seinen mächtigen Schaufeln zu. Eine knappe Stunde später landen wir wieder auf dem Mackenzie bei Fort Simpson, dem Dorf, das 1987 Papst Johannes Paul II. besuchte.
41.000 Menschen auf einer viermal so großen Fläche wie Deutschland
Auf einer Wiese am Fluss zelebrierte das Kirchenoberhaupt damals eine Messe vor 5.000 Menschen. Den Papstbesuch, wie fast alles in den Northwest Territories, sieht man hier gelassen. Auf den Straßen kommt einem alle 20 Minuten mal ein Auto entgegen. Etwa alle 400 Kilometer gibt es eine Tankstelle. Aufpassen heißt es, wenn ein tonnenschwerer Fleischklops von Bison auf der Straße steht, den Schwanz hebt und nichts dabei herauskommt. Dann ist der Bulle auf Krawall gebürstet, und man legt sicherheitshalber schon mal den Rückwärtsgang ein.
41.000 Menschen leben in den Northwest Territories auf einer Fläche fast viermal so groß wie Deutschland. Es gibt Schwarzbären, Grizzlys und Karibuherden. Elche, Bisons und Moschusochsen durchstreifen die Wälder, Wölfe und Vielfraße sehen nach dem Rechten.
Reich gesegnet ist die Region mit Wasserfällen. Viele Besucher fahren hunderte Kilometer von Fall zu Fall, um diese Naturwunder zu sehen.
Wohnmobil oder Zelt statt üblicher Herbergen
Die Anzahl an Herbergen ist überschaubar. Viele Besucher kommen mit dem Wohnmobil oder nehmen das Zelt mit ins Boot auf den Trans Canada Trail, eine der schönsten Kanurouten der Welt. Wem das zu anstrengend ist, der fährt von der Hauptstadt Yellowknife aus mit Carlos Gonzalez von Yellowknife Outdoor Adventures mit dem Motorboot auf den Großen Sklavensee (der Name stammt vom Stamm der Slavey) zum Hecht- und Forellenangeln.
Bis zu 30 Kilo wiegen die Fische hier. "Catch and Release" heißt das Motto: Was gefangen wird, kommt zurück ins Wasser – nach einem Erinnerungsfoto natürlich. Mit etwas Glück sieht man dann am Abend auch noch das faszinierende Spiel des Nordlichts am sternenklaren Himmel.
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