Zusammenschluss der Skiregionen Silvretta Nova und Hochjoch
VON KARL AUER
Manche Projekte müssen einfach ein bisschen länger auf ihre Verwirklichung warten als andere. Und manche Skigebiete finden langsamer zueinander als anderswo die Königskinder. In einem Protokoll aus dem Jahr 1978 ist schon die Rede vom Brückenschlag zwischen Schruns/Tschagguns auf der einen und Sankt Gallenkirch auf der anderen Seite. Doch erst seit diesem Winter sind die beiden Ski-Arenen im österreichischen Vorarlberg wirklich miteinander verbunden. Zwei große neue Kabinenbahnen katapultieren das Montafon in die erste Liga der österreichischen Skigebiete. Mittendrin liegt der neu erschlossene Alpila-Grat auf 2.430 Meter Höhe.
155 Kilometer Pisten, 1.750 Meter Höhendifferenz, dazu noch eine erkleckliche Anzahl an markierten Variantenabfahrten: Der Zusammenschluss von Silvretta Nova und Hochjoch ist nun Vorarlbergs größtes Skigebiet, zumal der gemeinsame Skipass auch noch in ein paar schnuckeligen kleinen Skigebieten wie dem Schafberg über Gargellen und dem Golm zwischen Tschagguns und Vandans gilt. Doch für Arno Fricke ist diese Infrastruktur nicht mehr als die bloße Basis für einen genussreichen Skiurlaub. "Schöne Lifte gibt es anderswo auch", sagt der Touristikmanager des übersichtlichen Tals.
Das Montafon bietet mehr als nur gut organisierten Skizirkus. Authentizität beispielsweise. Trotz des breiten Pistenangebots gibt es im Tal keine pseudoalpenländischen Riesenhotels, keine Wohnsilos für ein paar Tage Wintersportvergnügen. Stattdessen warten gediegene und alteingesessene Hotels, Pensionen, viele private Ferienwohnungen – das Kruzifix hängt noch selbstverständlich an vielen Giebeln und in den meisten Stuben.
Alemannischer Dialekt erinnert an Schwizerdütsch
Die Sprache, man muss es zugeben, ist gewöhnungsbedürftig. Alemannisch eben. Mit den eher gewohnten Tiroler oder bayerischen Dialekten hat das wenig gemein, deutlich mehr schon mit denen in der nahen Schweiz. Kehlig kommt es herüber, viele Sätze hören mit einer arg verkürzten Frage auf: "Odrrr?" Noch in der Erinnerung hört man das R rollen und knarzen. So soll es bleiben – bei aller Anstrengung, technisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Natürlich ist Tourismus auch hier ein Wirtschaftsbetrieb.
Für diesen Erwerbszweig verkaufen die Schrunser und Tschaggunser, die Gallenkircher und die Gargellener zwar ihre Zimmer, nicht aber ihre Seelen. Die Montafoner lassen sich gerne mal hinter die Kulissen schauen. Auch im Skizirkus. Neugierige Gäste – und die haben sie gerne hier – können sich unter dem Stichwort "Faszination Bergbahn" die Technik der oft gigantischen Anlagen erklären lassen, vom Maschinenraum bis zu den Pistengeräten. Wer noch mehr erleben will, klettert gleich im echten Betrieb in eine Pistenraupe. Als Beifahrer oder gar als Pilot ist er dann bei der nächtlichen Präparierung des Sportgeländes unmittelbar dabei. Mit ein paar hundert PS die steilsten Pisten hinauf und hinunter – die Aktion bringt einen echten Adrenalinkick. "Das kostet schon was", sagt Arno Fricke, "aber die Summen sind eigentlich nie ein Thema."
Im Falle des Pistenbulli-Abenteuers muss der neugierige Selbstfahrer 169 Euro lockermachen. Das schreckt jedoch kaum jemanden. "Schon im Dezember waren die Termine für diesen Winter ausverkauft", sagt Arno Fricke. "Ein echtes Erlebnis ist das wert", sagt der Touristiker. 15 "Bergerlebnisse" hat das Montafon so "buchbar" gemacht – von der Betriebsführung bei den Bergbahnen über das Pistenraupenfahren bis hin zu großen Naturschauspielen und exklusiven Skierlebnissen. Skisafaris für Große und Kleine zählen dazu, Freeride-Ausflüge mit echten Experten, auch leise Touren in den winterlichen Wald. Wer mag, hat das Skigebiet auch fast für sich allein.
Auf den Spuren von Ernest Hemingway
Für die "Bergerlebnisse" Nova exklusiv und Hochjoch totale muss der Skifahrer zwar in aller Herrgottsfrühe aufstehen, aber dafür gehören ihm in der ersten Stunde die frisch gebügelten Pisten quasi allein. Ein ganz besonderer Genuss, der mit einem Bergfrühstück endet.
Noch mehr Bergerlebnis ist schwierig. Es sei denn, man macht es wie der berühmteste Wintergast des Montafons: Ernest Hemingway. Der verbrachte 1925 und 1926 gleich zwei Winter im Tal, schrieb dort seinen Roman "Fiesta", trank reichlich Kirschwasser im Gasthof Taube und eroberte mit eigener Kraft die Berge und Gletscher zwischen Montafon und Paznaun und unter dem Piz Buin.
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