Manche sind nur etwas für den Sommer. Auf anderen ist das Gestein so brüchig, dass man sie nur bei Schnee und Eis erklimmen kann. "Die Planung war eigentlich die größte Herausforderung", sagt Andreas Rofner. Innerhalb von fünf Jahren hat er gemeinsam mit seinem Freund, dem Volksschullehrer Reinhard Steiner, alle 241 Dreitausender Osttirols bestiegen. Jetzt kennt er seinen Arbeitsplatz besser als andere ihre Westentasche. Andreas Rofner ist Ranger im Nationalpark Hohe Tauern, aus dem Großglockner und Großvenediger als die höchsten Berge Österreichs prominent herausragen. Das ganze Jahr über begleiten er und seine zehn Kollegen Gäste durch die unberührte Natur. Sie alle sind diplomierte Experten mit eigenen Spezialgebieten.
Andreas Rofners Steckenpferd ist die Pioniervegetation. "Alpenmannschild und Gletscherhahnenfuß gehören zu den ersten Pflanzen, die sich ansiedeln, wenn das Eis zurückgeht", sagt der Experte, der die Kalser Gletscherreise zusammen mit einem Bergführer begleitet. Die zweitägige Schnuppertour verspricht Abenteuer und Wissen – und erfordert eine gute Kondition.
Knapp 900 Höhenmeter durch weite alpine Graslandschaften und über beeindruckende Gletschermoränen sind bis zur Stüdlhütte zu überwinden, dem Übernachtungsquartier auf 2.800 Metern. Nach einer Einführung in Anseil- und Sicherungstechniken sowie den richtigen Umgang mit Steigeisen und Eispickel geht’s am nächsten Morgen zum Teischnitzkees mit seinen imposanten Eistürmen und tiefen Gletscherspalten. Wer mag, lässt sich zwischendurch abseilen und betrachtet das Eis von unten, bevor der Rückweg über das wildromantische Teischnitztal nach Kals beginnt.
Der Knappentreck als großes Highlight
Zu den unbestrittenen Highlights im Nationalparkprogramm gehört auch der Knappentreck, eine Reise in die Vergangenheit auf den Spuren der Bergleute, die in der rauen Gipfelwelt einst Kupfererz und Eisen, aber auch Gold und Silber abbauten. Start ist in St. Jakob im Defereggental. Vor dem fast 400 Jahre alten Handelshaus dort stehen die Haflinger schon bereit, um das Gepäck über die historischen Pfade hinaufzutragen. Ziel sind die Knappengruben.
Nach der Besichtigung eines alten Stollens und einer zünftigen Jause mit Brot, Speck und Schnaps führt der Weg weiter über das Trojeralmtal zur Reichenbergerhütte, die auf 2.586 Metern in der Lasörlinggruppe liegt. "Das Gebiet ist ursprünglich, absolut malerisch", schwärmt Andreas Rofner. "Hier kommt man übrigens auch auf dem Tiroler Adlerweg vorbei, der schönsten Verbindung zwischen den höchsten Bergen Österreichs, die in ihrer leichten Variante als Baby-Adlerweg bekannt ist." Aber zuerst einmal verschnaufen. Wer sich nach der vierstündigen Knappenwanderung abkühlen möchte, springt kurz in den Bödensee unterhalb der Reichenbergerhütte und ist dann vielleicht auch wieder fit genug, um am Abend den Bachlenkenkopf zu besteigen.
Als Gipfeltourziel zum Sonnenaufgang bietet sich die Gösleswand an. Danach gibt’s Frühstück und man wandert gemütlich über das Kleinbachtal ins Iseltal und nimmt von dort den Postbus zurück nach St. Jakob. Aber es muss ja nicht immer gleich eine kernige Bergtour sein. Auch die "Nature Watch"-Führungen des Nationalparks, die allesamt für Familien geeignet sind und drei bis vier Stunden dauern, ermöglichen spannende Aus- und Einblicke. Im Defereggental dreht sich dabei alles um die Faszination Wasser und den Gletscherfluss Schwarzach, während in Kals das Wild ins Visier genommen wird. "Von Steinböcken und Gämsen über Murmeltiere bis hin zu Adlern gibt’s hier einfach alles", so Andreas Rofner.
Osttirol-Card bündelt 22 Freizeitangebote
Besonderer Tipp: Die Osttirol-Card für 45 bzw. 21 Euro (Kinder), gültig vom 2. Juni bis 22. September, bündelt 22 Freizeitangebote. Sieben Tage lang können Gäste die Bergbahnen sowie die Sommerrodelbahn Osttirodler gratis nutzen und haben freien Eintritt in Wildpark, Schwimmbäder und Museen.
Osttirol mit der Bezirkshauptstadt Lienz und 32 Gemeinden gliedert sich in vier Regionen: die Nationalparkregion Hohe Tauern sowie das Defereggental im Norden, die Lienzer Dolomiten im Südosten und das Hochpustertal im Südwesten. Anreise über die Felbertauernstraße.
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