In einer bisher einzigartigen Ausstellung im National Motor Museum in Beaulieu (Südengland) sind 50 Vehikel zu sehen, die der Geheimagent im Auftrag ihrer Majestät in 22 James-Bond-Filmen seit 1962 bewegte.
Mit solch finsteren Gedanken haben sicher viele schon mal gespielt: Aus einem Behältnis am Heck des Wagens für den Drängler auf der Autobahn ein paar Metallsterne der Marke Reifentod streuen? Oder wenn man es eilig hat, dem Bummler vorne eine Miniatur-Rakete ins Auspuffrohr jagen? Okay, alles vom TÜV verboten, aber nicht für James Bond! Dessen Vehikel verstoßen prinzipiell gegen alle Vorschriften. Der Ausdruck "Vehikel" ist mit Bedacht gewählt, denn neben zahlreichen Autos werden auch andere Fortbewegungsmittel gezeigt. Darunter "Little Nellie", der Ein-Mann-Hubschrauber aus "Man lebt nur zweimal" mit Sean Connery oder das als Krokodil getarnte Mini-U-Boot aus "Octopussy" mit Roger Moore.
MUSEUM
364 Tage
Beaulieu, im Süden Englands gelegen, ist 364 Tage im Jahr geöffnet, außer am 1. Weihnachtstag. Erwachsene zahlen 20 Pfund (24 Euro) Eintritt, Ermäßigung für Senioren und Kinder. Für den Besuch aller Attraktionen sollte man einen kompletten Tag einplanen.
Alle Informationen rund ums Museum gibt es im Internet: www.beaulieu.co.uk; www.visitengland.co.uk.
"Einer der Stars hier ist zweifelsohne der Lotus Esprit S1", sagt Tim Edgerton, der Besucher in Beaulieu auf die speziellen Eigenschaften jedes Fahrzeugs hinweist. "Diesen Wagen hat jemand von der Ian-Fleming-Stiftung auf einem Schrottplatz in den Bahamas aufgetan", erklärt Tim. "Er war rot lackiert und mit Weihnachtsdekoration behängt." Binnen dreier Monate konnte der Lotus von einer Spezialfirma in seinen Originalzustand aus "Der Spion, der mich liebte" zurückversetzt werden.
Ungewöhnlichstes Fortbewegungsmittel: Ein Cello
Ein Cellokasten ist das wohl ungewöhnlichste Fortbewegungsmittel, das jemals in einem Bond-Film eingesetzt wurde. Er ist ebenfalls in Beaulieu ausgestellt. Timothy Dalton und Maryam d’Abo diente er in "Der Hauch des Todes" als Schlitten. Der Dreh der rasanten Filmszenen – die neben vielen anderen Ausschnitten ebenfalls im Museum zu sehen sind – stellte die Stuntleute am Filmset vor besondere Herausforderungen, wie es in der Beschreibung heißt. Man kann es sich vorstellen.
Ian Fleming, geistiger Vater der Bond-Romane, lässt seinen Helden James Bond zu Beginn seiner Karriere einen Vier-Liter-Bentley-Blower in Schlachtschiffgrau fahren, konstruiert von Amherst Villiers. Dieser geniale Ingenieur baute später auch Fahrzeuge, mit denen Malcolm Campbell Geschwindigkeitsweltrekorde erzielte. Sie sind – wie der Bentley und 250 weitere Fahrzeuge – ebenfalls in Beaulieu ausgestellt. Doch für die Bond-Filme erschien der Bentley aus den 1930er Jahren zu antiquiert. Ein Aston Martin DB5 wurde vom Produktionsteam ausgewählt und fortan zur Ikone. Nach dem ersten Auftritt in "Goldfinger" 1964 tauchte der elegante silbergraue Sportwagen immer wieder mal in einem Bond-Film auf. Auch im aktuellen Streifen, der im November in die Kinos kommt, soll der Aston eine Rolle spielen, wie zu hören ist.Der DB5 für die Filmproduktion war der erste jemals in dieser Reihe gebaute. Nachdem "Q", der legendäre Quartermaster des britischen Geheimdienstes MI5, das Auto in den Händen hatte, verfügte es über eine beeindruckende Zahl ungewöhnlicher "Extras", die in keiner Preisliste zu finden waren: Maschinengewehre in den Kotflügeln, elektronisches Ortungssystem, Ölspur- und Stahl-stern-Auswurfklappen im Heck, Schleudersitz für den Beifahrer, Nebelwerfer und drehbare Nummernschilder, um nur einige zu nennen.
"Goldfingers" Goldstück
Der Erfolg des Autos führte zu seinem erneuten Erscheinen in "Thunderball" 1965. Das ist der einzige Bond-Film mit einer Anspielung in die heimische Region: Ein "Count (Graf) Lippe" spielt darin einen Frauenmörder und Bond-Gegenspieler im Auftrag des Ganoven und Katzenliebhabers Blofeld. Der originale Bond-DB5 mit dem Kennzeichen BMT 216A wurde übrigens 1997 gestohlen und ist seitdem verschwunden.
Ein Goldstück im wahrsten Sinne des Wortes war der Rolls-Royce Phantom III in "Goldfinger", in dem Gert Fröbe den Bösewicht gab. Der Rolls, ein Viertonner, den Goldfingers Diener "Oddjob" (der mit der Stahlkrempe am steifen Hut) fuhr, steht in der Ausstellung gleich neben dem DB5. Er ist ein Einzelstück mit 12-Zylinder-Motor, 1937 gebaut für Lord Fairhaven of Anglesey Abbey, Cambridge-shire. Das Nummernschild AU1 war das erste, das 1903 in der Grafschaft Nottingham herausgegeben wurde. Au ist das chemische Symbol für Gold, und der Bösewicht in "Goldfinger" heißt bezeichnenderweise mit Vornamen Auric.
"Beaulieu feiert in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum!" Der Mann, der das sagt, ist der Schöpfer dieses phantastischen Museums, Edward Douglas-Scott-Montagu, dritter Baron Montagu of Beaulieu. Wir treffen den 86-Jährigen im Park seines Anwesens. Das Gehen fällt ihm schwer, deshalb benutzt er einen Elektroscooter. "Vor 60 Jahren habe ich das Haus für die Öffentlichkeit geöffnet", erklärt Lord Montagu, "und ebenfalls in diesem Jahr wird das Motormuseum 40 Jahre alt."
Fahrzeuge aller Art stellt der Autoliebhaber hier schon länger aus, aber erst 1972 erfolgte die Anerkennung als Motormuseum der britischen Nation. "Vergessen Sie nicht, auch das Haus zu besuchen", ruft Lord Montagu uns beim Abschied zu. Das "House" ist ein Palast aus dem 16. Jahrhundert, vollgestopft mit feinsten Antiquitäten.