"Wenn ihr die Türen zur Terrasse öffnet, bringe ich euch das Frühstück." Gesagt, getan. Was Katerina Akyla dann fünfzehn Minuten nach Schlafende aus zwei großen Körben zaubert, hat mit einem herkömmlichen griechischen Frühstück allerdings so wenig zu tun wie Poseidon mit Sonnenbrand. Auf hübsch gedecktem Tisch serviert sie Rührei mit viel Tomate und Feta. Eine zum Früchtekörbchen geschnittene Galiamelone mit Kirschen und Erdbeeren. Käse- und Wurstscheiben, die dekorativ in kleinen Tomaten stecken. Warme Bäckerbrötchen und selbstgebackenes Brot. Hausgemachte Aprikosen und Himbeermarmelade. Frisch gerührten Zitronenjoghurt mit kandierten Quitten. Und auch der Saft wurde gerade erst der Orange abgepresst.
Info
GUT ZU WISSEN
ANREISE
Günstig mit Billigflieger direkt nach Santorin. Von dort per Transfer oder Mietwagen in 15 Minuten nach Megalochori oder in 45 Minuten nach Oia.
AUSRUHEN
Aegagros Caldera Houses, ab 1.070 Euro die Woche Ü/F; in Oia: Hotel Canaves Oia (5 Sterne), ab 1.250 €Euro Ü/F (bei Attika-Reisen).
AKTIVITÄTEN
Busse und Mietwagen: Alle Orte und Touristenziele sind gut mit Linienbussen zu erreichen. Mietwagen bei Eurodollar ab 30 Euro/Tag.
ANSCHAUEN
Die Dörfer Oia, Pyrgos und Megalochori, die Vulkaninseln Nea und Palea Kameni. Lesen: Santorini, Michael-Müller-Verlag, 15,90 Euro. €
Als wäre das nicht schon genug für einen himmlischen Tagesbeginn, kommt als optische Komponente noch das Panorama ins Spiel. Vor uns nämlich erheben sich drei Urzeitmonster aus dem tiefblauen Ägäiswasser. Zuvorderst die bis heute aktive Vulkaninsel Nea Kameni. Links versetzt die ebenfalls heiße Palea Kameni. Und hinter beiden Thirassia, der kleinere Rest des Riesenvulkans, der 1500 vor Christus apokalyptisch explodierte und die weltweit einzigartige Kraterkulisse von Santorin hinterließ.
Das Häuschen mit dem ebenso fabelhaften Ausblick wie Frühstück – das übrigens jeden Morgen mit anderen leckeren Überraschungen aufwartet – gehört zu einem Familienbetrieb mit durchaus ungewöhnlichem Anspruch. Katerina und ihre Schwester Kalliopi nämlich wollen nichts weniger, als ihren Gästen ein Urlaubsgefühl sowie die Gastfreundschaft, Geborgenheit und Herzlichkeit vermitteln, wie sie sie selbst als Kinder bei den Großeltern im nahen Dorf Megalochori erlebt haben.
"Santorin leidet weniger als andere Ziele"
Zum Flair dieser Zeit gehört die sorgfältige Ausstattung der Aegagros Caldera Houses mit Gegenständen und Möbeln aus kykladischer Tradition. Der bewusste Verzicht auf Schwimmbecken und Jacuzzi. Die Hingabe an Gott in der familieneigenen Lavasteinkapelle aus dem 16. Jahrhundert, in der schon diverse Vorväter das Lob des Herrn verkündeten. Gleichermaßen aber auch die Hingabe an den Gast, der wie in Familie sehr persönlich umtuttelt wird und griechisches Leben von Grund auf kennenlernen kann. Ein ziemlich erfolgreiches Konzept, wie mancher Besucher gern und ausgiebig auf diversen Internetportalen bekundet.Natürlich spielt die aktuelle Lage eine Rolle im Gespräch mit den reizenden Schwestern. "Als Hot Spot im Griechenlandtourismus leidet Santorin definitiv weniger als andere Ziele", meint Kalliopi. Der einmalige Charakter der Insel werde stets Publikum anziehen, der Flughafen sorge für reibungslose An- und Abreise. Auf der Hitliste vieler Mittelmeerkreuzfahrer steht Santorin darüber hinaus auf einem Spitzenplatz, manche Cruise endet sogar auf der bizarren Vulkaninsel, was Hotellerie und Gastronomie durchaus freut. Und Streiks oder Demos habe es hier ebenso wenig gegeben wie antideutsche Ressentiments. Wir berichten von der Begegnung mit einem erst freudig erregten und dann spürbar enttäuschten jungen Kellner, der felsenfest geglaubt hatte, mit der NRW-Wahl habe sich auch das Feindbildthema Angela Merkel ein für alle Mal erledigt – doch diese Geschichte gehört eher in die Rubrik Kurioses und bringt alle nur kurzzeitig zum Schmunzeln.
Denn bei allem Zweckoptimismus: Das Lachen ist auch auf Santorin momentan vielen vergangen. Selbst im Vorzeigedorf Oia bleiben in dieser Saison tagsüber viele Läden gespenstisch leer, abends etliche Restaurant- und Bartische unbesetzt. Das dramatische Manko an Deutschen, Briten und Franzosen macht allen zu schaffen, schließlich lebt ganz Santorin einzig und allein vom Tourismus. Nur die Japaner kommen wie eh und je in Scharen. Dort ist Oia extrem populär, etwa für Honeymooner, die weder Kosten noch Mühe scheuen und sogar Landsleute einfliegen lassen für das mehrstündige Hochzeitsfoto-Shooting vor der umwerfenden Kulisse am Kraterrand. Auf 30 Prozent beziffern Experten die Einbrüche im griechischen Fremdenverkehr, und auch die Reservierungen für den Sommer liegen ein Fünftel unter den Vorjahreszahlen. Mindestens.
Ansturm auf das Pompeji der Ägäis übertrifft alle Erwartungen
Die aktuelle politische Krise tut ein Übriges. "Seit dem Regierungsvakuum ist keine einzige Buchung mehr bei uns eingegangen", klagt Katerina und freut sich zugleich doppelt über jeden, der bereits vorher für den Sommer zugesagt hatte. In Akrotiri immerhin, nur zehn Autominuten entfernt, ist von Krise nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der Ansturm auf das "Pompeji der Ägäis" übertrifft alle Erwartungen. Sieben Jahre immerhin war die Ausgrabungsstätte nach einem schweren Unfall geschlossen, seit Mai präsentiert sich nun neu und unter futuristischem Dach, was Archäologen seit 1967 mühsam aus meterdicken Bimssteinschichten ans Tageslicht befördert haben. Denn wie Pompeji wurde auch die kykladisch-minoische Handelsstadt Akrotiri dereinst zerstört und verschüttet – durch denselben gewaltigen Vulkanausbruch, der Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus das heutige Santorin erschuf.
500 der schönsten dabei gefundenen Gegenstände und einige überwältigende Wandmalereien werden im kleinen und feinen Prähistorischen Museum der Inselhauptstadt Fira fabelhaft präsentiert: Feuerhunde, auf denen Essen im Ofen gegart wurde. Kannen und Krüge mit Brustwarzen, die wohl als Kultgefäße für Fruchtbarkeitszeremonien dienten. Amphoren und Vasen, die mit Schwalben, Delfinen und Antilopen bemalt sind. Und als Höhepunkt schließlich jene zauberhaften naturalistischen Fresken, die vor dreieinhalbtausend Jahren die Häuserwände der wohlhabenden Bürger von Akrotiri schmückten. Allein die hinreißenden blauen Affen könnte man stundenlang bewundern.
Nichts geändert hat sich auch an der Anbetung des Sonnenballes, der hinter Oia im Mittelmeer versinkt. So pilgert jeden Abend nach wie vor alle Welt aufs Kastell von Oia und erstickt dabei jeden Anflug der ersehnten Romantik im Keim. Auch diesbezüglich sind Kalliopi und Katerina nicht zu schlagen – bei ihnen hat man das betörende Abendlicht- und Wolkenspektakel über den Vulkanen ganz für sich allein.
Unsere Leistungen: Fahrt im Sonderzug (1. Klasse od. Club-Abteil) ab/ bis Berlin Sitzplatzreservierung im 1. Klasse- oder Clubabteil 6 Übernachtungen... mehr
Wir befinden uns im Jahre 2013 nach Christus. Die ganze Kompaktklasse ist von den Deutschen besetzt . . . Die ganze Kompaktklasse? Nein! Ein von... mehr