Deutschlands Touristiker sind elektrisiert: Zumindest im Hinblick auf das Werben um Aktivurlauber. Fahrräder mit integriertem Rückenwind sind der Renner in den Ferienregionen.
Der Bayerische Wald gilt unter Mountainbikern als eine der Top-Destinationen Deutschlands. Nun sollen auch weniger sportlich ambitionierte Genussradler die Mittelgebirgslandschaft lieben lernen. Dank Rückenwind aus der Steckdose werden auch Bergfahrten zum Genuss, und 1.500 Kilometer markierte Radwege lassen sich muskelkaterfrei erkunden. Mehr als 300 Fahrräder mit Hilfsmotor stehen dafür an rund 90 Verleihstationen zur Verfügung. Tourenvorschläge sowie Verleihstationen und radlerfreundliche Gastgeber finden sich im Internet unter
www.bayerischer-wald.de. So betrachtet sich die Region als "größte E-Bike-Region Europas". Über das Kriterium dafür darf gerätselt werden. Die Zahl der zur Verfügung stehenden E-Räder ist es jedenfalls nicht.
Denn da wird der Bayerische Wald vom
Allgäu überflügelt. Dessen Flotte an Elektrorädern ist diese Saison auf 400 Exemplare angewachsen. Mehr als 4.000 Kilometer beschilderte Radwege können damit bequem unter die Räder genommen werden. Bis zu 80 Kilometer Reichweite haben die Räder, die auch für untrainierte Gelegenheitsradler die Berge schrumpfen lassen. Ein dichtes Netz von Akkuwechselstationen eröffnet Optionen für längere Touren bis zum Bodensee oder in die Schweiz hinein. Darüber hinaus können in Testcentern in Oberstdorf und im Pedelec Center Allgäu Elektroräder ausprobiert werden, wahlweise für ein paar Stunden oder eine Woche. Wer erst mal nur seine E-Bike-Tauglichkeit testen möchte: Die Hörnerdörfer bieten bis Oktober jeden Mittwoch geführte E-Bike-Schnuppertouren (
www.allgaeu.info und
www.e-bike-Allgäu.de).
Das Saarland nimmt für sich in Anspruch, "als erstes Bundesland ein landesweites Netz an Verleihstationen für Elektroräder eingeführt zu haben". Unter dem Namen eVelo-Saarland werden Elektro-Bikes zum Preis von 12 Euro für einen halben und 20 Euro für den ganzen Tag angeboten. Für sieben Tage kostet das eVelo 110 Euro. Die Elektromotoren haben je nach Topographie, Straßenbeschaffenheit und Gewicht des Fahrers Reichweiten von 30 bis 60 Kilometer. Damit niemand womöglich doch nur kräftig strampelnd sein Tagesziel erreicht, verteilen sich vierzehn Akkuwechselstationen über das kleinste Bundesland der Republik. Die handliche Faltkarte "eVelo Saarland – einfach aufsteigen" informiert über Verleihstationen ebenso wie über Akkuwechsel und stellt außerdem elf Tagestouren vor (
www.evelo-Saarland.de).Mit dem "größten E-Bike-Service Deutschlands" schmückt sich neuerdings die
Lüneburger Heide. Nachdem im vergangenen Jahr mehrere Vermietstationen eingerichtet worden waren, gibt es nun einen heideweiten Hol- und Bringservice: Bei Bestellung 24 Stunden vorher "wird jedem Gast sein E-Bike bis zehn Uhr morgens vor die Tür seiner Unterkunft geliefert", verspricht Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. Dafür werden jedoch vier Euro Aufpreis zur E-Bike-Miete (ab 15 Euro pro Tag) fällig. Insgesamt stehen derzeit rund 200 E-Bikes für die Lüneburger Heide zur Verfügung. Auf die Weise sparen sich die Hoteliers die Investition in eigene Elektroräder (
www.lueneburger-heide.de).
Als Mountainbike-Revier noch etwas höher in der Gunst als der eingangs erwähnte Bayerische Wald liegt der
Schwarzwald. Und auch dort bekommen die Wadel-Freaks mit ihren stollenbereiften Rädern immer häufiger Konkurrenz von den Watt-Radlern, die die Schwarzwaldhöhen bequem und (körper)energiesparend erkunden. Damit niemand unterwegs zu lange wandern muss, weil seinem Rad der Saft ausgeht, stehen in der 11.400 Quadratkilometer großen Region insgesamt 170 E-Bike-Tankstellen. Trotz Reichweiten von 60 bis 80 Kilometern empfiehlt es sich, zwischendurch mal "aufzutanken" (
www.emotions-Schwarzwald.info und
www.schwarzwald-tourismus.info).
Als erster Radfernweg Deutschlands ist der
Weser-Radweg komplett mit E-Bikes befahrbar. Ein flächendeckendes Netz aus E-Bike-Verleih und Akkuwechselstationen soll garantieren, dass auf dem 365 Kilometer langen Weg auch längere Streckenabschnitte bequem mit E-Bikes bewältigt werden können. Insgesamt warten entlang der Weser 64 E-Bikes, 21 Verleih- und 18 Akkuwechselstationen auf radelnde Gäste (
www.weserbergland-Tourismus.de).
Im nördlichen
Schleswig-Holstein, in der Urlaubsregion Grünes Binnenland und in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge sind Akkuwechselstationen übrigens mit Beginn der neuen Radelsaison aus dem Angebot gestrichen worden. Der Grund: Sie wurden im vergangenen Jahr, als erstmals E-Bike-Pauschalen offeriert wurden, schlichtweg nicht genutzt. Auch der Umgang mit Ladestationen hat sich geändert: Bei mehrtägigen Radeltouren werden die Ladestationen für die Akkus neuerdings gemeinsam mit dem Gepäck von Hotel zu Hotel transportiert. Im vergangenen Jahr waren von der Gebietsgemeinschaft Grünes Binnenland einzelne Hotels mit Ladestationen ausgerüstet worden. Dann musste man in der Hauptsaison jedoch öfter auf andere Hotels ausweichen – in denen dann doch keine Ladestation vorhanden war (
www.tourismus-nord.de).
Aber auch in vielen anderen Regionen der radelfreudigen Republik wird dem Urlauber kräftig unter die Arme gegriffen. Ob auf Touren entlang der südlichen Weinstraße, durch die Rhön, im Sauerland, am Niederrhein, im Emsland oder Münsterland – das E-Bike gehört fast schon zum Standardangebot. Es lohnt sich, danach zu fragen.