Lieblingsziel der Deutschen ist "Malle", das mit Sonne, Strand,
Sangria lockt - wir folgen aber dem Ruf der Berge
Sie ächzen, stöhnen, schwitzen – und klappern. Die auffallend sportlich funktional gekleidete Gruppe überholt uns forsch. Den Blick konzentriert auf den Boden gerichtet, sind die Extrem-Walker schnellen Schrittes auf dem beliebten Wanderweg GR 221 durch die Serra de Tramuntana unterwegs, von Andratx im Süden nach Pollenca im Norden. Sie ächzen, stöhnen und schwitzen, weil sie die 107 Kilometer lange Tour am Stück und das auch noch in weniger als 24 Stunden schaffen wollen.
Fürs Klappern sorgen ihre Wanderstöcke. Die geben den Extremisten Halt und Sicherheit und warnen die Touristen, die die Route der Ehrgeizigen – natürlich nur ein kleines Stück – Richtung Sóller teilen und schnell beiseitespringen, um den Weg frei zu machen.
GUT ZU WISSEN
ANREISE
Kaum ein Reiseziel bietet so viele Flugverbindungen und so viele unterschiedliche Unterkunftsmöglichkeiten wie Mallorca. Von Paderborn/Lippstadt, Münster/Osnabrück und Hannover aus gibt es fast täglich Flüge.
ANGEBOT
Es gibt Gruppen- und Komplettreisen, inklusive geführter Touren und des entsprechenden Transits. Angebote für die verschiedensten Schwierigkeitsstufen gibt es unter anderem unter www.wikinger-reisen.de.
ACHTUNG
Wer ohne Wanderführer aktiv sein will, sollte sich vorher gutes Kartenmaterial besorgen und unbedingt vor Ort informieren.
AUSKUNFT
Spanisches Fremdenverkehrsamt, www.spain.info/d
Wir wandern auf der anderen Seite der beliebten Ferieninsel Mallorca, was nicht nur geographisch zu verstehen ist. Die Bergkette mit Gipfeln, die wie der Puig Major de Son Torrella (1.445) und der Puig de Massanella (1.367) deutlich über 1.000 Meter hoch sind, erstreckt sich über rund tausend Quadratkilometer vom Südwesten bis in den Nordosten. Das entspricht rund einem Drittel der Inselfläche. Und zwar genau dem Teil, den die meisten Mallorca-Reisenden nur durch Bus- oder Mietwagentouren für wenige Stunden kennenlernen.
Wandern, Wein, Wohlfühlen
Strandtage und Partynächte sind der anderen Seite vorbehalten, die aber nur eine knappe Autostunde vom Weltnaturerbe (seit Sommer vergangenen Jahres) entfernt ist. Auch wenn das Tramuntana-Gebirge, auch Serra del Norte genannt, das im Sonnenlicht glitzernde Meer in Sichtweite hat, so ist Strand- und All-inclusive-Urlaub hier eher nicht angesagt.
Wandern, Wein, Wohlfühlen gehören hier zum Programm wie vernünftiges Schuhwerk. Der Name "Ruta de Pedra en Sec" (Route der Trockensteinmauern) lässt schon erahnen, dass es zuweilen über Stock und Stein geht. Dazu ist gerade im Sommer etwas Kondition und reichlich Wasser nötig und "ein wenig Verständnis, dass man hier nur Gast ist", so Reiseleiter Frank Mittelbach, denn die Berge sind in Privatbesitz, weshalb nicht jeder Weg zum Ziel führt.
Der glühende Mallorca-Fan wohnt seit fast zwanzig Jahren auf der Insel und kennt jeden Winkel. Selbst Wanderführer fragen ihn zuweilen nach dem Weg. Dem gebürtigen Düsseldorfer ist nichts so verhasst wie Bettenburgen und Massentourismus. Er präsentiert lieber "seine Insel", schnappt sich einen Rucksack mit Wein, Wasser, Brot, Schinken, Käse und ver-führt eine kleine Gruppe von Individualisten.
Routen für jeden Geschmack, für jede Leistungsklasse
Es geht bergauf, bergab durch schattenspendende Laubwälder, von Zeit zu Zeit mit einem atemberaubenden Blick aufs Meer (was allerdings auch an der körperlichen Anstrengung liegt), über zum Teil kleine mauergestützte Saumpfade durch den Teil der größten Balearen-Insel, der auch heute noch unberührt und ursprünglich ist. Und als verwöhnendes Intermezzo gibt’s das Picknick aus dem Rucksack unter einer knorrigen Steineiche mit einem Blick, der jede Anstrengung vergessen lässt.
Malerische Dörfer und kleine Städte wie Valldemossa, Deyá, Sóller, Biniaraix, Alaró, Port de Pollença gehören je nach den individuellen Interessen der Reisenden zum Programm, und Wanderrouten gibt es auch für jeden Geschmack und jede Leistungsklasse. Das gilt auch für die Unterkünfte. Ungewöhnlich und extrem ruhig ist die Finca S’Olivar. Das kleine Anwesen liegt in der Nähe von Estellences, ist vergleichsweise preiswert, einfach und einen schönen Spaziergang vom Meer entfernt. Dafür wird man hier von Juan Carrera empfangen, der im Jahr 2000 sogar offiziell für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Auf dieser Seite der Insel ist es still und friedlich – Klappern gehört nicht zum Handwerk.