Schrift

03.11.2012
Karibik
Überraschendes Curašao
Insel verborgener Reize
VON CARSTEN HEIL

Schönheit unter der Karibiksonne | FOTO: CARSTEN HEIL

Der Wind bläst stramm von vorn. Der Katamaran schlägt in den Wellen, die Brecher spritzen über das Vorschiff. Auf dem Weg zur vorgelagerten Insel mit dem passenden Namen "Klein-Curašao" wird Kornelia Köhn flau im Magen. Nicht direkt seekrank ist sie, aber doch froh, dass die Schaukelei nach zwei Stunden ein Ende hat. Hier sind der lange weiße Sandstrand, das türkisfarbene Wasser und das echte Karibik-Gefühl, das sonst nicht überall auf Curašao aufkommt. Denn das zum niederländischen Königreich gehörende, aber politisch unabhängige Eiland ist eigentlich ein Berg aus Vulkangestein und Korallen.

Anders als zum Beispiel das aus Sand aufgespülte Aruba in der Nachbarschaft gibt es keine kilometerlangen Sandabschnitte. 38 Strände mit teils kleinen Buchten (die kleinste "Playa Lagun" ist nur gut 50 Meter lang) reihen sich an der Südküste aneinander, der Norden ist schroffe Steilküste. Die 55-jährige Bielefelderin Köhn ist schon weit herumgekommen. Auf Kuba war sie, auf Bali, und Afrika ist sowieso ihr Lieblingsreiseziel. "Das Wasser ist hier wunderbar", schwärmt sie von den Vorzügen Curašaos, "und ich mag die Mischung aus Karibik und Holland."

Info

GUT ZU WISSEN

ANREISE
Einmal in der Woche mit Air Berlin von Düsseldorf im Direktflug (Flugzeit: 10 Std.).

AKTIVITÄTEN
Alles rund um den Wassersport. Curašao setzt nicht auf die Nobelurlauber, die Mehrzahl der Hotels hat 2 bis 4 Sterne. Wellness und Spa sind in vielen Hotels vorhanden, dieser Bereich ist aber erst im Aufbau begriffen.

ANGEBOTEHyatt Regency Curašao Golf Resort (5 Sterne), Marina & Spa, 7 Nächte ab 1.249 Euro; Floris Suite Hotel (4 Sterne), 7 Nächte ab 1.161 Euro (alle pro Person).

Doch wie so vieles auf der Insel wirkt "Klein-Curašao" wie versteckt. Selbst auf der offiziellen Karte im Tourist-Büro ist es nicht eingezeichnet. Man muss wissen, dass die Ausflugsboote vor allem am Wochenende ab Caracas Baai für 100 Euro pro Person dorthin starten. Im Preis inbegriffen ist Rundumversorgung mit Getränken, Grillgut und einer Menge Gaudi, für die Bootsmann Stijn Stroeve an Bord des Katamarans sorgt. Mit ihm ist bei allem Sonne-, Wind- und Meerfeeling aber auch ein informatives Gespräch möglich: "Der Lebensstil ist hier völlig anders als in Europa, ruhiger. Was heute nicht läuft, läuft eben morgen." Zunächst seien die Inselbewohner oft etwas zurückhaltend. Wenn man allerdings die Sprache der Einheimischen spreche, das Papiamen-tu, funktioniere manches besser, die Leute seien freundlicher. "Ich weiß auch nicht, warum", sagt der 36-Jährige und grinst. Doch auch mit Englisch und vor allem Holländisch kommt der Tourist weiter, macht gute Erfahrungen mit den Menschen.

Die Insel lebt hauptsächlich vom Tourismus

Günstig ist das Leben nicht. Bei deutlich geringerem durchschnittlichem Bruttoverdienst als in Deutschland werden europäische Preise aufgerufen. Es gibt wenig Wirtschaft und gar keine Landwirtschaft auf der steinigen Insel. Alle Nahrungsmittel und Getränke müssen importiert werden. 24 Prozent des Bruttoinlandproduktes schafft der Tourismus, ein Drittel der 146.000 Einwohner lebt von den Gästen, die zumeist aus Holland, aber auch aus Südamerika kommen. 700.000 Urlauber bevölkern die Insel im Jahr bei Zuwachsraten von zehn Prozent im vergangenen Jahr, berichtet Gathim Kabbara, Chef der Tourismus-Behörde.
Nordküste

Einen großen Anteil am Wirtschaftsleben haben auch das Bankwesen, die Werften und vor allem die Raffinerien, die freilich die Optik bei Willemstad etwas beeinträchtigen. Das ölreiche Venezuela ist nicht weit, und täglich laufen Tanker von dort im großen Naturhafen der Hauptstadt Curašaos ein. Im Hafen funktioniert auch der Umschlag von Handelsgütern für die gesam-te Karibik prächtig. Weil Curašao weit südlich liegt, wird die Insel nicht von den sonst in der Karibik so gefürchteten Hurrikanen heimgesucht.


Genau das macht die Gegend auch als Urlaubsziel attraktiv. Ganzjährig kann der Tourist auf Lufttemperaturen jenseits der 30 Grad Celsius setzen und sich im 28 Grad warmen Wasser aalen. Die geologische Beschaffenheit mit schroffen Küstenstreifen und vor allem vielen Korallen macht das Ziel für Taucher interessant. "Die Korallen sind unsere Goldmine", sagt Ryan de Jongh. Das Energiebündel ist ein Aussteiger. In seinem ersten Leben war er Direktor einer Versicherungsgesellschaft. Jetzt hat er sein Leben dem Umweltschutz gewidmet. Tausende von Seemeilen ist er schon mutterseelenallein mit seinem Kajak durch die Karibik gepaddelt, um auf die empfindliche Natur aufmerksam zu machen. "Die Angst vor dem Tod habe ich beiseitegelegt", sagt er. Ryan de Jongh sammelt Spenden, hat zwei Fernsehshows und versucht die Einheimischen davon zu überzeugen, dass ihre Insel unendlich kostbar ist.

Gegen das Tauchen an den Korallen hat er nichts. Aber dennoch sieht er mit Sorge, dass dieser Lebensraum in größter Gefahr ist. Verschmutzung durch Abwässer sei ein Grund für das Korallensterben. Aber vor allem weil der Reichtum an einheimischen Fischen zurückgehe, sieht er diese seltenen Lebewesen gefährdet. Ohne Fische vermehrten sich Algen unkontrolliert, und die setzten den Korallen zu. Deshalb pflanzt de Jongh entlang der Küste Millionen von Mangroven. Deren Geflecht brauchen die Fische, um ihre Eier abzulegen. "Ich bin so stolz, von dieser Insel zu sein und etwas für sie tun zu können", sagt der 42-Jährige, dessen Vorfahren schon 1798 nach Curašao kamen.

Auch diese Mangroven sind eher versteckt und nicht für jedermann leicht zu entdecken. Bei einer geführten und von der Kraft her leicht zu bewältigenden Kajak-Tour erklärt de Jongh gern die Natur und deren Zusammenhänge. Wer genau hinschaut, findet auf Curašao, das auf den ersten Blick etwas schroff wirkt, neben Baden, Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Kiten, Palmen und Meer auch Beschäftigungen, die mehr sind als Abhängen. Die Bielefelderin Kornelia Köhn: "Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal hier."


Schrift



Anzeige

Anzeige

NW-Mobil
Heißer Golf von Barcelona: Seat Leon Cupra SC
Kompakter Heißblüter und Sportler für den Alltag: Der Seat Leon Cupra bietet mit seinem 265 PS starken Turbomotor auf der einen Seite Rundkurs... mehr

Skoda Octavia RS Combi TDI DSG: Sport auf bequeme Art
Mit 184-PS-Diesel und leicht geschärfter Optik gibt sich der Octavia RS Combi dynamisch ľ und bleibt doch ein typischer Skoda... mehr

Kia Sportage 2.0 CRDi AWD: Der Unaufgeregte
Muss man im Haifischbecken der kompakten SUVs eigentlich immer mit Superlativen Hausieren gehen, um sich erfolgreich gegen die Konkurrenz behaupten zu... mehr

Jeep Grand Cherokee 3.0 V6: Mitten durch das Mehr
Die amerikanische Institution Jeep und damit auch das Topmodell Grand Cherokee segeln seit Längerem bereits unter italienischer Flagge... mehr

Seat Ibiza ST: Kleiner Rucksack-Macho
Der Seat Ibiza schafft als Kombi ST gleich mehrere Spagate: Der Kleinwagen mit großem Kofferraum ist sportlich und sparsam, aufregend und praktisch.... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik