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24.11.2012
ERFURT & CO.
Thüringer Spezialitäten
Kloß und Korn am Kümmeläquator
VON ALEXANDER RICHTER

Es gibt viel zu entdecken | FOTOS: TVB / ARI

Thüringen ist bekannt für seine Rostbratwurst. Bei Arnstadt ist sogar ein ganzes Museum der Wurst gewidmet. Aber gibt es auch Leckereien neben der Bratwurst? Ja, und dies sogar in einer schönen Kombination – mit Orten, in denen große Spezialitäten nach Thüringer Art zu Hause sind. Wir probierten einmal quer durch die grüne Mitte Deutschlands.

Süß ist Sache von Schmalkalden. Dort ist eine Firma ansässig, die von sich selbst sagt, sie sei Marktführer in Deutschland in Sachen Nougat (20 Millionen Euro Umsatz). Viba, die sich ein knalliges Rubinrot als farblichen Hingucker leisten, muss es gutgehen. Denn vor die Tore der kleinen Stadt (20.000 Einwohner) hat man ein modernes Schauhaus in Form einer großen gläsernen Pralinenschachtel gesetzt, die auf zwei Etagen eine permanente Naschversuchung bietet. Hier Nougatriegel, dort Pralinen, hier Marzipan, dort Früchteriegel. Die Produktion hinter Glas in der ersten Etage gibt einen Einblick in die filigrane Herstellung feinster Süßigkeiten, man kann auch selbst Hand anlegen (ab 21 Euro). Logisch, dass man am Ende eines Besuchs in den Shop gelenkt wird – ohne eine Kleinigkeit (meist sind die größer) geht dort keiner heraus.

Info

AUSKUNFT

Infos zu Spezialitäten: www.viba-sweets.de; www. thueringer-spezialitaeten.de; www.goldhelm-schokolade.de; www.thueringer-klosswelt.de; www.traditionsbrennerei.de.

Informationen zum Urlaubsland Thüringen: www.thueringen-entdecken.de;
www.schmalkalden.de; www.erfurt-tourismus.de.

Schmalkalden hat in der deutschen Historie einen Spitzenplatz inne, den allerdings nur Geschichtskundige wirklich kennen. Dort gab es im 16. Jahrhundert mit dem Schmalkaldischen Bund eine Art Vorvorläufer der NATO, dort startete die Reformation mit Luthers Schmalkaldischen Artikeln und dort spiegelt mit Schloss Wilhelmsburg (Tipp: Die noch bis 2013 laufende Ausstellung "Luther und die Hexen" ist sehenswert) eine Perle der deutschen Renaissance prächtig die Lebenslust dieser Zeit wider. Ein Stadtbummel über das neue (alte) Pflaster der Altstadt ist wie eine Zeitreise. 90 Prozent der Häuser schmückt klassisches Fachwerk. Wenn es nicht stark nach Reisekatalog klänge, müsste man die kleine Stadt auch das "Rothenburg des Ostens" nennen.

Die Krämerbrücke ist das Wahrzeichen Erfurts

In der Landeshauptstadt Erfurt stolpert man schon auf dem mit Wohnhäusern inklusive Läden bebauten Wahrzeichen der Stadt, der Krämerbrücke, über viele Spezialitäten. Die Goldhelm-Schokoladen-Manufaktur von Meister Alex Kühn ist die eine Seite. Auf der Brücke hat er seinen Laden (Tipp: unbedingt die Brückentrüffel probieren!), direkt hinter der Brücke seine "Werkstatt". Seine Nachbarin auf der Brücke heißt Bettina Vick, ist eigentlich Grafikerin und eigentlich Sächsin, geht aber als Chefin des Thüringer Spezialitätenmarkts erfolgreich fremd: ob Senf aus Kleinhettstedt, Kräuterlikör, Puffbohnen oder beispielsweise Erfurter Schittchen (Stollen) – in Sachen Kulinarik aus der Region ist Vick eine erste Adresse.
Süße Gesichter

Erfurt hat sich seit der Wende allerfeinst herausgeputzt. Ein Blick vom Turm der Ägidienkirche (Achtung: steile Stufen, eng) macht dies deutlich. Derzeit kämpft die Stadt darum, dass die historischen wie aktuellen Spuren jüdischen Lebens als Weltkulturerbe anerkannt werden. Lohnenswert ist ein Besuch der Alten Synagoge, die die Stürme der Zeiten überstanden hat. Nach dem Pogrom von 1349 wurde die Synagoge ein Lagerhaus, später eine Gaststätte mit Tanzsaal. Von den Nazis unentdeckt, ist sie heute ein Museum, das Teile des Erfurter Schatzes zeigt, ein Gold- und Silberfund, auf den man 1998 bei Bauarbeiten in der Nachbarschaft der Synagoge stieß. Der Schatz selbst stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde von reichen Juden vor ihrer Ermordung vergraben. Auch ein altes jüdisches Bad, eine Mikwe (direkt an der Krämerbrücke), wurde mehr oder weniger zufällig gefunden.

Thüringen hat auch kulinarisch einiges zu bietem

Zurück zu Essen und Trinken: Weil "lecker" zu Thüringen gehört wie der Kümmeläquator, bietet Thüringen-Tourismus eine ganze Reihe von kulinarischen Streifzügen, bei denen der Gast sich laben kann – vom Kloßseminar bis zur Küchenparty beim Gourmetkoch. Was der Kümmeläquator ist, lernt man dort auch. Nördlich des Rennsteigs kommt in die Bratwurst Kümmel, südlich nicht.

Ohne Kloß nix los: Thüringen und seine Kartoffelklöße sind bundesweit Kult. Die Thüringer Kloßwelt im Dorf Heichelheim im Weimarer Land erzählt im ersten und wahrscheinlich einzigen Kloßmuseum Deutschlands die köstliche Geschichte der runden Kugel. Zubereitet aus rohen und zerstampften Kartoffeln im Verhältnis 2:1 mit gerösteten Bröselwürfeln mittendrin schmeckt der echte Thüringer Kloß unverwechselbar. In Heichelheim kann man ihn im Kloß-Imbiss probieren und im Werksverkauf erwerben.

Nach so viel Kloß, Wurst, Kuchen und Schoko verlangen Geist und Magen nach einem Schnaps – und den gibt’s in Nordhausen am Harz. Dort ist der aus Roggen gebrannte (Doppel-)Korn zu Hause. Noch um 1900 prägten über 60 Brennereien das Bild der Stadt. Geblieben ist neben der noch produzierenden Brennerei (gehört heute zum Unternehmen Rotkäppchen) die als Museum ausgebaute Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei. Ein Rundgang ist sehr zu empfehlen, ist überaus lehrreich, und munden tut’s auch.


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