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24.11.2012
GROSSBRITANNIEN
Taxi als Christbaumkugel
London und Wales
VON JÜRGEN JUCHTMANN

Es weihnachtet in London | FOTO: J. JUCHTMANN

"Wer in England dreimal am Tag gut essen will, sollte dreimal frühstücken." So wird der britische Schriftsteller Somerset Maugham zitiert. Heute gilt: Das Inselessen ist deutlich besser als sein Ruf. Die britische Küche kommt frisch und innovativ daher. Eine Garde junger wie erfahrener Köche legt größten Wert auf lokale Produkte und kocht, was die Saison hergibt, ohne dass es einen Arm oder ein Bein kostet, um eine weitere britische Redensart zu bemühen. Neugierig geworden? Hier kommt der Versuch einer Beweisführung mit herbstlichen Momentaufnahmen, beginnend in der britischen Metropole, die wie eh und je swingt, vor allem gastronomisch.

Bahnhof Kings Cross, London: Street Food nennt sich ein aktueller Trend. An mobilen Ständen hinter dem Bahnhof bieten junge Köche Schnellgerichte an, die sich von üblicher Fastfood-Nahrung wohltuend absetzen. Für kleines Geld gibt es Chorizo oder Tapas, Currys, vegetarische Wraps, leckere Burger oder Hühnchen in Koriander. Gegessen wird im Stehen unter freiem Himmel.

Konditor and Cook, London: Gerhard Jenne verliebte sich vor 30 Jahren in die britische Metropole. Heute besitzt der Konditormeister aus Bayern sechs Cafés "Konditor and Cook" mit 120 Mitarbeitern. Eines am Fuß der Gurke, dem charakteristischen Hochhaus von Sir Norman Foster am Liverpool-Street-Bahnhof. "Die Qualität des Essens in England hat sich sehr zum Positiven verändert", sagt Jenne.

Hier kauft die Queen ein


Destillateur

Fortnum and Mason, London: Hier kauft die Queen ein. Ein Café im vierten Stock eröffnete sie gemeinsam mit Camilla und Kate. "Wir haben ihr ein Glas Honig von den Bienen auf unserem Dach geschenkt, denn die saugen auch Nektar aus dem Garten des Buckingham-Palastes", sagt Andrea Tanner, Chef-Archivarin des Hauses, das vor allem mit seiner Feinkostabteilung die Touristenströme anlockt. Alle Gewinne von Fortnum and Mason fließen übrigens in eine wohltätige Stiftung. Neben dem bekannten Christmas Pudding, 160 Teesorten und feinster Marmelade ist James-Bond-Champagner in einer Kassette mit Zahlenschloss der Renner.

Was der Experte sagt: Der Unternehmensberater für die Gastronomie Adrian Bevan gilt als Kenner der Gastroszene. Die besten Restaurants? Er empfiehlt "The Shed" in Notting Hill, "Tonteria", einen Mexikaner am Sloane Square, und "Beard and Tail" im Stadtteil Shoreditch, das aus einem Pop-up entstand. Das sind improvisierte Restaurants, die plötzlich eröffnen, manchmal schnell wieder verschwinden, oft zu Trendsettern werden. "Menüs zum Festpreis", so Bevan, "machen auch hochklassige Restaurants erschwinglich. Aber achten Sie auf die Weinpreise!"
Rope Walk, East London: Fast ein Geheimtipp, weil von Touristen weitgehend unentdeckt, unter Brückenbögen an der Maltby Street in Bermondsey. Immer samstags bieten Händler frische Ware an und improvisierte Restaurants ihre Spezialitäten. Lachshäppchen oder lieber Thai, Pastrami oder Papadams, Vegetarisches oder Süßes? Auf jeden Fall ein Glas Prosecco.
Aktueller Trend

Weingut Llanerch, Wales: Die Römer brachten die Rebstöcke auf die Insel. Viele Winzer produzieren heute gute Tropfen. Dem 25-jährigen Ryan Davies gelingt dies im Llanerch Vineyard in Südwales. Kernling, Huxelrebe und Cheval Blanc baut er an. Auch ein Bed& Breakfast mit elf Zimmern und ein Restaurant gehören zum Weingut.

Walnut Tree, Abergavenny. Das Restaurant ist eines von vier mit einem Michelin-Stern in Wales. Küchenmeister Shaun Hill, ein fröhlicher Gentleman mit typisch britischem Humor, zaubert Feinstes auf den Teller, "ohne Kleiderordnung für Gäste", wie er betont. Fasan, Rebhuhn, Hase, Wachtel stehen der Jahreszeit gemäß auf der Karte.

Whiskey aus Wales


Penderyn Distillery, Wales: "Nur ein Fass Single Malt Whisky pro Tag produzieren wir hier", sagt die junge Destillateurin Laura Davies. Der Penderyn-Whisky in verschiedenen Geschmacksrichtungen ist in der Tat ein Gedicht. 2002 wurde erstmals seit 100 Jahren wieder Whisky in Wales produziert, gereift in Bourbon-Fässern aus Kentucky.

Cider Brandy Company, Somerset: 80 Hektar Apfelwiesen bewirtschaftet Julian Temperley. Aus dem Obst wird Cider produziert, Apfelwein. Vor allem aber brennt Temperley Apfel-Brandy. "Wir haben hier eine Tradition wie die Franzosen in der Normandie", betont der Landwirt. Sein Brandy schmeckt vor allem zu Käse. 700 Sorten gibt es davon auf den Insel.

Unbedingt probieren in England: Haddock and Chips, Roastbeef and Yorkshire Pudding (eine Art Windbeutel), Sticky Toffee Pudding (ein sündhaft süßes Dessert), Stilton- und Cheddar-Käse, Real Ale (ungefiltertes Bier mit wenig Kohlensäure) und natürlich einen Afternoon Tea. Guten Appetit!

Infos: www.visitbritain.com; www.visitwales.com; www.konditorandcook.com; www.welsh-whisky.co.uk; llanerch-vineyard. co.uk; http://www.ciderbrandy. co.uk; www.fortnumandmason.com; www.angelabergavenny. com/walnut-tree; www.ciderbrandy.co.uk/.


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