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08.12.2012
Südlicher Polarkreis
Fracksausen in der Antarktis
Pinguine nerven nicht
VON CHRISTIAN NOWAK

Putzig und gar nicht scheu | FOTO: CHRISTIAN NOWAK

Im antarktischen Sommer – von November bis März – sind die Gewässer rund um den kältesten Kontinent so weit eisfrei,</IP> dass Expeditionsschiffe bis zur Antarktischen Halbinsel und zum südlichen Polarkreis vordringen können. Die Natur ist überwältigend: gigantische Tafeleisberge, unzählige Gletscher, wild gezackte Berge. Pinguinkolonien, Robben und Wale lassen jeden ehrfürchtig staunen. Nur wenige Menschen leben hier im Sommer auf kleinen Stationen wie dem britischen Port Lockroy.

Vorsichtig tastet sich die "MS Fram" auf der Suche nach einem sicheren Ankerplatz in die Bucht von Port Lockroy, so wie es früher auch die Wal- und Robbenfangschiffe gemacht haben. Die kleinen Eisberge, die überall auf dem Wasser treiben, fordern von Kapitän Rune Andreassen auf der Brücke höchste Konzentration. Die Passagiere genießen derweil das antarktische Postkartenmotiv an der Reling. Mehrere Gletscher rahmen die Bucht ein, ihr gleißendes Weiß steht im Kontrast zu den hoch aufragenden gezackten Bergen der Wieneckeinsel.

Mitten in der Bucht liegt unser Ziel, die Goudierinsel, nur so groß wie eine Handvoll Fußballfelder. Die Franzosen haben die blankgeschliffenen Felsen 1904 entdeckt, die Norweger haben sie danach als Walfangstation genutzt, bevor die Briten hier im Zweiten Weltkrieg eine Marinestation einrichteten, die sie 1962 aufgaben und die darauf verfiel. Erst 1996 haben sich die Briten an Port Lockroy erinnert und die Station instand gesetzt. Heute betreibt der United Kingdom Antarctic Heritage Trust auf dem winzigen Stück Land ein Museum, eine Post und einen Souvenirladen.

"Mindestens fünf Meter Abstand zu den Pinguinen", mahnt wie immer beim Verlassen der Polarcircle-Boote Expeditionsleiterin Anja Erdmann. Doch bei diesem Landgang kann sie nicht so streng sein, denn auf der Insel brüten rund 800 Eselspinguin-Paare dicht an dicht. Sie besitzen die Insel und teilen sie freundlicherweise mit den vier ständigen menschlichen Bewohnern und den Scharen neugieriger Touristen.

Sie laufen geschäftig hin und her, suchen Steinchen für ihre Nester, klauen dem Nachbarn Steinchen, wenn er sie mal aus den Augen lässt. Sie zanken und zetern – und ignorieren die großen Zweibeiner mit den Fotoapparaten vollkommen. Spätestens jetzt verstehen wir Anjas Warnung: "Wenn Sie Ihre Freunde nicht langweilen wollen, zeigen Sie ihnen zu Hause nicht mehr als fünf Pinguinfotos." Das wird schwer, denn die Frackträger sind einfach zu putzig.

Die Station leitet eine Deutsche, Ylva Grams, Biochemikerin, gebürtige Marburgerin, die, wenn sie nicht gerade in der Antarktis ist, in den Niederlanden lebt. "Als ich mit der Bark ,Europa‘ hier war, habe ich erfahren, dass die Leitung der Station frei wird. Daraufhin habe ich mich beworben und wurde genommen." Jetzt ist sie schon das zweite Jahr von November bis März in Port Lockroy. Zusammen mit drei Britinnen unterhält sie die meistbesuchte Antarktisstation. Knapp 14.000 Touristen kommen pro Jahr, Tendenz steigend, aber viel mehr geht nicht, denn maximal drei Schiffe dürfen pro Tag Passagiere anlanden, und nur 60 von ihnen dürfen gleichzeitig an Land.

Die drängen sich dann in dem kleinen Museum, das die Station so zeigt, wie sie früher aussah. Von der Wand lächelt die jugendliche Queen würdevoll in Schwarzweiß, daneben ein Gemälde der blonden Diana Dors, einer englischen Schauspielerin aus den 50er Jahren, die auf Marilyn Monroe macht. In den Regalen stehen noch rostige Konserven mit "Hunter’s Royal Pork Sausages" und "Christmas Pudding".

"Trotz der 12-Stunden-Tage haben wir eigentlich keine Zeit für Forschung. Nur eine kleine Pinguinstudie führen wir seit einigen Jahren durch", erklärt Ylva bedauernd. Die Studie zeigt Überraschendes. Im hinteren Teil der Insel dürfen die Pinguine ungestört brüten, Menschen haben keinen Zutritt. Doch die Tiere bevorzugen den Teil der Insel, über den jeden Tag Menschen laufen. Heißt das, dass Pinguine Menschen mögen? Nicht unbedingt, aber Menschen vertreiben Raubmöwen, und die sind ständig hinter Pinguineiern her.

Infos: Die "MS Fram" der norwegischen Hurtigruten ist von</IP> November bis März in der Antarktis unterwegs. Die 10 bis 19-tägigen Expeditionskreuzfahrten kosten inkl. Linienflug nach Buenos Aires und Charterflug nach Ushuaia ab 5.218 Euro. Die Schiffsreise führt über die Drake-Passage zur Antarktischen Halbinsel. Alle Anlandungen dort sind wetterabhängig. Infos in Reisebüros oder bei Hurtigruten, Tel. (0 40) 3 76 93-0, www.hurtigruten.de.


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