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29.12.2012
Norwegen
Land des Lichtes
Stille Tage im Norden
VON HEIDI SIEFERT

Schönheit des Nordens | FOTO: VISITNORWAY

Polarlichter gehören zu den faszinierendsten Naturphänomenen weltweit. Im Winter 2012/2013 sorgt eine besonders hohe Sonnenaktivität für die spektakulärsten Nachtlichtaktivitäten seit 50 Jahren. Doch neben den bunt am Himmel tanzenden Lichtern lockt eine Reihe von Aktivitäten an die winterlichen Fjorde Nordnorwegens.

Es ist absolut still. Kein Vogel zwitschert. Kein Hund bellt. Das letzte Auto knirschte vor Stunden über den Kiesweg, als die drei Kinder aus dem 21- Seelen-Ort Ringstad in Schule und Kindergarten gebracht wurden. Jetzt ist es zehn Uhr Vormittag und das Licht gerade stark genug, um den kurzen polaren Wintertag in Angriff zu nehmen.


Hausherr Ian hat alles vorbereitet. Vier knallrote Kajaks samt Paddeln liegen auf dem frostharten Boden im Garten des Ringstad Sjøhus. Das Ensemble aus Wohn- und Gästehaus, Restaurant und Gartenhäuschen, Fjordterrasse und Bootsanleger ist Norwegen wie aus dem Bilderbuch: kleine rote Holzhäuschen mit weißen Sprossenfenstern und Dachbalken.

Urlauber aus aller Welt

Früher, als Ringstad noch ein Zentrum für Fischerei und Seefahrt war, war hier die Dorfbäckerei. Doch seit die Inselwelt der Vesterålen via Tunnel und Brücken mühelos erreichbar ist, zieht es vor allem die jungen Leute in die Städte, erzählt Ian Robbins, während wir Schwimmwesten über den wasserdichten Neopren ziehen. Er selbst kam vor fünf Jahren aus der anderen Richtung. In einem Dorf in Cornwall aufgewachsen, lebte er mehr als 20 Jahre in Deutschland. Dort lernte er die Norwegerin Ann Karina Jacobsen kennen, die sich nach 17 Jahren Ruhrgebiet nach der Natur zurücksehnte. So entschieden sich die beiden spontan zu einem Neuanfang in Ringstad und sind nun leidenschaftliche Gastgeber für Urlauber aus aller Welt.

Rolf ist einer von ihnen. Der pensionierte Studienrat aus Wetzlar suchte nach einem Fotoworkshop im hohen Norden, doch aus Mangel an Teilnehmern wurden die Angebote der großen Veranstalter reihenweise abgesagt. Durch einen Tipp geriet Rolf an Ian, der nun seit einer Woche ständig mit ihm unterwegs ist, um Nordlichter, Elche, Eiskristalle, Schneeverwehungen und vom Raureif überzogene Alltagsgegenstände mit optimaler Blende, Schärfentiefe und Belichtungszeit perfekt aufs Bild zu bannen.

Info
DRESSEN:
www.visitvesteralen.com; www.discoverarctic.no
AKTIVITÄTEN:
Walsafari – Arctic Whale Tours, Storgata 52, NO-8430 Myre, Tel. (00477613) 4300, www.arcticwhaletours.com; Touren zu Rentierherden, Inga Sámi Siida, Kvalsaukan, NO-8400 Sortland, Tel. (0047761) 25123, www.inga-sami-siida.no.

Fotografieren ist die eine Leidenschaft, die der ehemalige britische Heeresfotograf Ian bis heute akribisch betreibt. Kajakfahren die andere. Im Sommer geht er mit seinen Gästen schon mal mehrere Tage auf Tour. Jetzt, wo es nur um die Mittagszeit ein paar Stunden Licht gibt, paddeln wir um die kleinen Inseln im Fjord. Manche Stellen nah am Ufer sind von einer hauchdünnen Eisschicht überzogen. Es knistert wie zerbrechendes Glas, wenn sich die Boote über den Eisfilm schieben.

Kleiner Fjord, große Schiffe

Ruhig liegt das Wasser, in dem sich die verschneiten Berggipfel der Umgebung spiegeln. Weiter draußen entdecken wir ein Seeadlerpaar, das majestätisch über den Fjord schwebt. Ian hat ihnen Makrelen mitgebracht. Wir müssen zur Seite paddeln, den Weg frei machen, damit sich die Greife in einem tiefen Bogen die Fische aus dem Wasser holen können. Ein beeindruckendes Erlebnis. Am nächsten Tag sehen wir sie wieder. Sie begleiten uns auf dem Weg von Sortland in den Trollfjord. Der kleinste Fjord Norwegens ist durch die spektakulären Bilder bekannt, wenn die gewaltigen Hurtigruten-Schiffe einen kleinen Abstecher dorthin machen und das Ufer scheinbar greifbar nahe ist. Im Winter kommt das selten vor. Zu groß ist die Lawinengefahr an den steilen Felswänden. Unser kleines Boot hält genug Sicherheitsabstand.

Uns begleitet Frank Beuchel. Der Meeresbiologe aus Dresden lebt seit 15 Jahren in Tromsø, um hier Wale zu erforschen. "Seit zehn Jahren bieten wir im Sommer verantwortungsbewusste Walsafaris an", erklärt der Wahl-Norweger. Weil seit einigen Jahren auch im Winter Orcas gesichtet werden, gibt es nun auch in der kalten Jahreszeit Beobachtungstouren. So stehen wir im warmen Overall an Deck. Wale sehen wir nicht. Die Heringsschwärme, denen sie folgen, stehen noch zu weit im Norden. Dennoch genießen wir jede Minute an Bord, erfahren viel über traditionellen Fischfang und ökologische Lachszucht, winken den kleinen Fischerbooten und den gewaltigen Hurtigruten-Fähren und fahren mit dem letzten Licht in Sortland ein.

Bei einem Bummel durch die 10.000-Einwohner-Stadt, die wegen ihrer Fassadenfarbe "die Blaue" genannt wird, ertönt plötzlich ein aufgeregter Schrei: "Da! Da ist es!" In der Tat. Wie der Rauch aus einer Pfeife steigt grünes Licht in den sternklaren Winterhimmel: Aurora borealis. Zum Abschied tanzt das Polarlicht vor unseren Augen. Gespenstisch und faszinierend.


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