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19.01.2013
Tabarca
Inseljuwel an der Costa Blanca
Die kleine aber feine Insel wird von Alicante aus verwaltet
VON FABIAN VON POSER

Exotisches Eiland unweit von Alicante | FOTO: FABIAN VON POSER

Das Schiff schwankt. Die Kontiki II taumelt auf dem Wasser wie die Blase in einer Wasserwaage. Salvador Díaz steht in seiner Kajüte. In der einen Hand hält er den Steuerknüppel, in der anderen eine Zigarette. Immer wieder spritzt die Gischt über Deck in die Kabine, doch Díaz steht da wie eine Ölgötze. "Passiert nichts", sagt er mit seemännischer Ruhe. Díaz, dunkle Hornbrille, warmes Lächeln und Kapitän der Kontiki II, macht seinen Job schon so lange, wie er denken kann.

Info

GUT ZU WISSEN

ANREISE
Mit Air Berlin von sieben deutschen Flughäfen aus ab 69 Euro pro Strecke nach Alicante. Tabarca erreicht man von Alicante aus per Schiff.

INFOS
www.barcosalicantetabarca.com,
www.alicanteturismo.com

"Vielleicht war es 1970, vielleicht auch früher, als ich angefangen habe." Seitdem hat Díaz viele Wetter kommen und gehen sehen, so eine müde Brise kann ihn da nicht aus der Fassung bringen. Seit mehr als 40 Jahren steuert Díaz mit seinem Unternehmen Cruceros Kontiki von seiner Heimatstadt Alicante aus regelmäßig die Insel Tabarca an. Nimmt man eine Spanienkarte und legt genau unten in der Mitte den Daumen an, dann ist Tabarca vielleicht eine Fingerbreite vom Festland entfernt.


Das Eiland, das wie ein Goldstück im Meer vor der Costa Blanca liegt, ist bis heute die einzige regelmäßig bewohnte Insel der Provinz Alicante. Tabarca hat eine lange Geschichte. Einst machten berberische Schmuggler und Piraten die Küste unsicher. Im 18. Jahrhundert ließ König Karl III. deshalb anweisen, die Insel zu befestigen. 1768 siedelte er dort 69 Fischerfamilien aus Genua an, die er aus der Gefangenschaft in der tunesischen Stadt Tabarka befreit hatte. Sie bauten einen rechteckig angelegten Ort mit hohen Mauern, die ihnen Schutz vor Eindringlingen bieten sollten. Die Mauern stehen bis heute nahezu unverändert. Um 1920 lebten auf Tabarca noch 1.000 Menschen, heute sind es im Winter gerade mal 70. Doch noch immer tragen viele Familien genuesische Namen wie Buzo, Capriata, Colomba und Parodi. Eine Straße heißt Carrer Genova.

Zu den 70 Einwohnern kommen im Sommer mehrere hundert Besucher auf die Insel

Im Licht des Vormittags liegt Tabarca so flach da wie ein Badetuch. Vor allem spanische Familien mit ihrem Hofstaat sind es, die zwischen Mai und September auf Tabarca einfallen. Mehrere hundert Besucher zählt die Insel in der Hochsaison jeden Tag. Sie alle suchen die goldgelben Sandbuchten und das kristallklare Wasser.

Heute ist der Tourismus auf Tabarca der wichtigste Wirtschaftszweig, noch vor der Fischerei. Aber es gibt noch keine Bananenbootfahrten wie im nahe gelegenen Benidorm, keine kerzengeraden Reihen von Sonnenschirmen, keine Flugzeuge, die mit Werbebannern den Strand entlangfliegen. Tabarca ist vor allem bei Spaniern aus der Region beliebt, bei ausländischen Besuchern dagegen ist die Insel noch weitgehend unbekannt.
Wie eine Festung

Und das ist gut so, denn die Insel zählt an schönen Sommertagen beinahe zehnmal so viele Gäste wie Einwohner. Die Restaurants platzen aus allen Nähten. "Anfang der 70er Jahre brachten wir 50 Leute am Tag auf die Insel, heute sind es 500 und mehr", sagt Salvador Díaz. Dennoch ist Tabarca mit seiner unverbauten Küste und den kleinen Badebuchten im Vergleich zu den überlaufenen Küstenstädten noch ein Geheimtipp. Wer Tabarca besichtigt, der ist schnell durch mit seinem Programm. Der Rundgang führt einen vom Hafen in wenigen Minuten zur 28 Meter hohen Torre de San José im Herzen der Insel, einst Wachturm und Gefängnis. Von dort aus geht es weiter über eine baumlose Ebene, vorbei am Leuchtturm, zum Friedhof, auf dem einige der genuesischen Fischerfamilien begraben liegen.

Durch die Puerta de Levante, das von Palmen flankierte Stadttor, gelangt man nach dem kaum 45-minütigen Fußmarsch schließlich in die mauerumsäumte Altstadt des einzigen Ortes der Insel. Um die zentrale Plaza schart sich eine Handvoll Restaurants. Über allem thront die mächtige Iglesia de San Pedro. Die weiß gekalkten Fassaden in den rechtwinklig angeordneten Gassen sind mit Geranien geschmückt. Mit ihren kleinen Fenstern sehen die Häuser aus wie Wehrhäuser – kein Wunder, bedenkt man ihren ursprünglichen Zweck.

Es ist nicht der Luxus, der Besucher auf die Insel lockt, sondern die Natur

Tabarca gibt einem das Gefühl, schnell alles gesehen zu haben, und so kann man sich, satt von der immerwährend scheinenden Sonne, bald kulinarischen Genüssen hingeben. Auf der Insel gibt es keine glamourösen Restaurants wie an den Hafenmeilen von Torrevieja, Alicante, Dénia und Moraira, doch von den Fischtavernen geht ein ganz eigener Charme aus: Vom Meer weht eine salzige Brise herüber, es riecht nach Fisch und Olivenöl. Am Nachmittag liegt das Meer so flach da, als ob es niemals ein Lüftchen gegeben hätte. Die Kontiki gleitet ruhig aus dem Hafen. An Bord ist es jetzt richtig voll, weil scheinbar die ganze Welt mit dem letzten Boot zurück ans Festland fahren will. Noch einmal zieht Tabarca vorbei. Etwas schläfrig liegt das Eiland im Nachmittagslicht da. Der Himmel zerfließt honiggelb über den Dächern.

Díaz steckt sich eine Zigarette an und sagt: "Tagsüber weißt du oft nicht, wohin du vor lauter Menschen gehen sollst. Wenn du die Insel für dich allein haben willst, musst du über Nacht bleiben. Hat das letzte Schiff die Insel verlassen, ist Tabarca ein Juwel."


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