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26.01.2013
LERMOOS
Familien im Höhenrausch
Auf der Sonnenseite der Zugspitze
VON H.-WERNER RODRIAN

Idyllische Winterlandschaft | FOTO: ZUGSPITZARENA

Ganz leise nur surrt das Seil, dann öffnen sich die großen Glastüren. Eine Gondel des neuen schneeweißen Family-Jets ist herangerauscht. Im Grubigstein-Skigebiet von Lermoos heißen alle Gondeln und Sesselbahnen "Jet". Das gilt selbst auf der Anfängerwiese wie bei diesem Novum in den Alpen: Da wurde extra eine richtige Kabinenbahn für die Übungshänge in Talnähe gebaut, damit den Ski-Eleven beim Schleppliftfahren der Spaß nicht vergeht.

Info

GUT ZU WISSEN

AUSKUNFT
Tourismusregion Tiroler Zugspitzarena, Tel. (00435673) 20000, www.zugspitzarena.com.

ANGEBOTE
Winterpauschalen: Sonnenskilauf ab 9. März bis 7. April, inkl. Großraumskipass, 4 Tage Bed & Breakfast ab 190 Euro; 7 Tage im Viersternehotel ab 663 Euro; www.hotelalpenrose.at.

Zuständig für solche Einfälle im wohl meistunterschätzten Skigebiet Tirols ist Liftbesitzer Gernot Langes-Swarowski. Der Tiroler Industrielle hat nach seiner Zeit als Boss des österreichischen Glitzerschmuck-Konzerns inzwischen mehr Zeit für Hobbys wie sein argentinisches Weingut und die beiden benachbarten Skigebiete in Lermoos und Biberwier. Gerade hat er für Ski-Enthusiasten mit weniger Geld einen Glaskubus namens McTirol eingeweiht – ein Lowcost-Designerhotel direkt an der Talstation in Biberwier.

Mit ungewöhnlichen Ideen wie dieser ist auch die gesamte Ferienregion ins Gespräch gekommen. Die nennt sich Tiroler Zugspitzarena und lebt gut vom Namen des höchsten deutschen Bergs, der ja auch eine österreichische Seite hat. Sieben Skigebiete zählt Katrin Perktold vom Tourismusverband stolz auf. Aber den besten Blick auf den Berg der Berge hat man doch von Lermoos, das genau auf der gegenüberliegenden Seite des runden Talkessels liegt.

Wie eine steinerne Felsenkrone beherrscht die Zugspitze da den Blick. Und wer genau hinblickt, der kann in der Sonne die Bergbahn glitzern sehen, die zum linken Eckzacken der Felskrone hinaufschwebt. Zum Skifahren gehen die meisten dann aber doch an Lermoos’ Hausberg Grubigstein. Mit seinen gerade mal 33 Pistenkilometern kann der natürlich nicht mit Kitzbühel oder dem Arlberg mithalten. Und dennoch lieben ihn die Skifahrer. Das liegt zum einen an den schnellen und bequemen Liften und dann natürlich auch an den weiten Hängen bis tausend Meter über dem Talboden samt Traumpanorama. Wer es anspruchsvoll liebt, der wählt die schwarz markierte "Kanonenabfahrt" oder die unpräparierte Strecke zur urigen Wolfratshauser Hütte des Alpenvereins. Und von den sanften Talhängen hat der Urlauber einen Blick wie aus dem Flugzeug direkt in den schmucken Ort mit der Barockkirche in der Mitte. Bauernhöfe, Bürgerhäuser, ein Kirchplatz mit Brunnen und Ruhebank: Im Zentrum von Lermoos weht noch der Hauch der guten alten Zeit.

Aber hinter den historischen Fassaden sind in den vergangenen Jahren schicke First-class-Hotels für Familien entstanden – und zwar durchaus für wohlsituiertere. Dafür stehen Lermooser Hotelnamen wie "Post", "Mohr" und vor allem die "Alpenrose".

Alpenrose? Das klingt nach Blümchenbettwäsche und Resopalgaststube. Und genauso war es wohl, als der ehemalige Lehrer Ernst Mayer die Frühstückspension seiner Schwiegereltern vor 20 Jahren übernahm. Heute hat er Europas größtes Kinderhotel daraus gemacht. Mayer firmiert mittlerweile unter Leading Family Hotel, beschäftigt drei Sommeliers, betreibt eine Gokart-Bahn im Keller und einen eigenen Windelskilift auf dem künstlich gekühlten und beschneiten Dach der Tiefgarage. Und obwohl es keine hundert Meter sind bis zur Liftstation, ist im – recht ansehnlichen – Vollpensionspreis selbstredend der Taxishuttle enthalten, der die Kleinen morgens, mittags und abends zur Piste und zurück bringt.

Am kleinen Kirchplatz von Lermoos verkauft ein Marktstand Bauernprodukte: Verhackert, Saftschinken, Bauernbutter. Die Gäste aus den schicken Hotels rundum lassen sich nicht bitten und packen für zu Hause auch noch den Bergkäse mit ein.

Es ist wohl diese Art von Bodenhaftung, die von den Gästen so geschätzt wird: hier Misthaufen, dort Maniküre.


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