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02.03.2013
Portugal
"Nachtzug nach Lissabon"
Auf Spurensuche
VON ELKE STURMHOEBEL

Rossio-Platz

Manche flanieren noch im Pelz über das Pflastermosaik des Rossio. Andere sitzen auf den Bänken und halten ihr Gesicht in die Sonne. Anfang März steigen die Temperaturen schon auf freundliche 17 Grad. Vielen Lisboetas ist das zu kalt. Die Maroni-Verkäufer bringen ihre heiße Ware daher gut unter die Leute. Ein Dutzend Esskastanien für zwei Euro – das leistet man sich schon mal.

Ganz in der Nähe des Rossio muss auch Raimund Gregorius ein Hotelzimmer bezogen haben. Erinnern wir uns: In dem Roman "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier verlässt der Lateinlehrer an einem Berner Gymnasium mitten im Unterricht die Klasse und fährt Ende Februar aus einem sicheren, übersichtlichen Leben nach Lissabon. Im Gepäck ein vergilbtes Büchlein mit den Aufzeichnungen des (ebenfalls fiktiven) Arztes Amadeu de Prado. Gregorius ist fasziniert und beschließt, in Lissabon den Autor zu finden. Seine Suche führt ihn zurück in die bitteren Jahre der Salazar-Diktatur.

Info

GUT ZU WISSEN

ANREISE
Unter anderem mit Lufthansa (www.lufthansa. com) und TAP Air Portugal (www.flytap.com) nach Lissabon. Hin- und Rückflug ab Münster/Osnabrück ab 268 bzw. 336 Euro.
UNTERKUNFT
Zum Beispiel Turim Suisso Atlântico Hotel, www.turimhotels.com, DZ/F ab 40 Euro. Hotel Mundial, www.hotel-mundial.pt, DZ/F ab 95 Euro. Hotel Avenida Palace, www.hotelavenidapalace.pt, DZ/F ab 181 Euro.
www.visitportugal.com www.visitlisboa.com

Der Bestseller "Nachtzug nach Lissabon" wurde von Bille August verfilmt und wird ab 7. März in die Kinos kommen. Neben den Nachforschungen des Lateinlehrers (Jeremy Irons) verfolgen Rückblenden das Leben des Arztes (Jack Huston), das eine Wendung nimmt, als er einen Schergen der Geheimpolizei rettet, der mit einem Herzanfall vor seiner Praxis zusammengebrochen ist. Die spannende Geschichte spielt vor der Kulisse der portugiesischen Hauptstadt.

Flohmärkte, kostenlose Konzerte - auch Sonntags gibt es Programm


Entlang der Avenida da Liberdade sind am Sonntag Flohmarktstände aufgebaut. Betuchte Angolaner und Brasilianer haben in der Krise Schnäppchen gemacht und an dem Prachtboulevard zahlreiche Immobilien erworben. Der Palácio Foz aus dem 18. Jahrhundert ist noch in Besitz der Stadt. An manchen Sonntagnachmittagen werden im Ballsaal kostenlose Konzerte gegeben. Der Besuch lohnt sich. Vor allem weil der barocke Saal mit den Kronleuchtern, Spiegeln und Deckengemälden einen Blick in die prunkvolle Vergangenheit gewährt. Im 15. und 16. Jahrhundert war Lissabon die mächtigste Metropole Europas.

Heute duckt sich die einst stolze Seemacht unter dem Euro-Rettungsschirm. Die Wirtschaft liegt am Boden. Immerhin floriert bei den Schuhputzern das Geschäft. Der Platz vor dem Rossio-Bahnhof ist ein idealer Standort für Laufkundschaft. Vor dem altehrwürdigen Café Nicola schaut ein Kellner nach Gästen. Bleibt Gregorius zu wünschen, dass er auf seinen Streifzügen auch mal innegehalten und sich etwas gegönnt hat. Lissabon ist schließlich die Stadt der Süßigkeiten mit einer ausgeprägten Kaffeehauskultur. Köstlich sind die Pastéis de nata, Vanillecremetörtchen in Blätterteig, überstäubt mit Zimt.
Eine Stadt am Fluss | FOTO: DPA

Gregorius nimmt die Sehenswürdigkeiten der Stadt kaum wahr. Sein vorrangiges Interesse besteht darin, Leute aufzuspüren, die Prado gekannt hatten. So stromert er kreuz und quer durch die alten Viertel. Nimmt die Fähre über den Tejo, um sich mit einem Widerstandskämpfer zu treffen. Läuft durch die Baixa, die schachbrettartig angelegte Unterstadt. Geht vom Rossio schnurstracks die Rua Augusta hinunter und durch den Triumphbogen zum Praça do Comercio. Vermutlich bemerkt er die herrlich verstaubten Läden gar nicht. In der Rua da Conçeicão empfehlen sich mehrere Posamentenläden, in denen es Bänder, Spitzen und Quasten zu kaufen gibt.

Auch in der Technik findet sich ein bisschen Nostalgieflair wieder

Endlose Treppen verbinden die Baixa mit dem Bairro Alto. Auch Standseilbahnen und Aufzüge führen in die Oberstadt. Vielleicht hat Gregorius den Elevador de Santa Justa genommen, einen Fahrstuhl, der 1902 errichtet wurde. Die nostalgische Straßenbahnlinie 28 verknüpft den mittelalterlichen Stadtteil Alfama mit den westlichen Vierteln und bewältigt dabei enorme Steigungen.

Sie rumpelt quietschend an der Kathedrale vorbei, rattert zur Baixa hinunter und hievt sich wieder ins Bairro Alto hinauf. Die Eléctrico fährt auch durch die Rua António Maria Cardoso am ehemaligen Hauptquartier von Salazars Geheimpolizei PIDE vorbei. Endstation der Linie 28 ist der Cemitério des Prazeres, der Friedhof des Vergnügens. Eine Totenstadt, deren Gassen von prächtigen Mausoleen gesäumt werden. Hier entdeckt Gregorius das Familiengrab der Prados und erfährt, dass der Autor ein Jahr vor der Nelkenrevolution gestorben ist.

Nach Einbruch der Dunkelheit kommt die Stunde der Fadistas. Ein Dutzend traditionelle Fado-Lokale gibt es im Bairro Alto, wo in Begleitung einer klassischen und der zwölfsaitigen portugiesischen Gitarre der Weltschmerz besungen wird. Wer nicht hingeht, hat etwas versäumt. Gregorius wird spätabends zu erschöpft gewesen sein von seinen Nachforschungen. Im Roman kommt Fado jedenfalls nicht vor. Schauen wir mal, ob er nicht im Film die Muße dazu fand.


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