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03.03.2013
Kanada
Leuchttürme und Leckereien
Besuch auf Prince Edward Island
VON JÜRGEN JUCHTMANN

Wie aus dem Bilderbuch | FOTO: JÜRGEN JUCHTMANN

"Den Hummer kannst du ruhig anfassen, der beißt nicht!" Jim Larkin nimmt ein etwa fünfpfündiges Prachtexemplar aus dem Bassin. Die Scheren des Krustentiers sind mit blauen Gummibändern gesichert. "Sonst kneift er leicht schon mal einen Finger ab", sagt Larkin lachend. 32 Jahre Erfahrung mit Lobstern hat er, und er gibt sie gerne an Besucher weiter. Sein Laden für Meeresfrüchte und das dazugehörige Restaurant sind eine Institution in Charlottetown, der 35.000 Einwohner zählenden Hauptstadt von Kanadas kleinster Provinz, Prince Edward Island.

"Möchte jemand eine Auster probieren?", fragt Larkin und stellt einige frisch geöffnete Exemplare aus der Malpeque-Bucht auf den Tresen. Die Muscheln schmecken roh wie frittiert oder überbacken nach Meer und mehr. Wir befinden uns auf einer kulinarischen Tour durch eine Kleinstadt, die als Wiege Kanadas gilt. Hier trafen sich 1864 Vertreter von vier britischen Kolonien Nordamerikas, um über einen Zusammenschluss zu diskutieren. Am 1. Juli 1867 trat mit dem Segen der britischen Königin Victoria das Gesetz in Kraft, das die Basis für den Staat Kanada legte.

Info

GUT ZU WISSEN

ANREISE
Am besten mit dem Flugzeug nach Halifax, dann per Mietwagen weiter. Im Sommer gibt es Nonstop-Flüge von Düsseldorf. Prince Edward Island ist per Fähre erreichbar oder über eine 15 Kilometer lange Brücke. Ein Pass ist Pflicht für die Einreise nach Kanada.

INFOS (www.)
tourismpei.com;
tourismcharlottetown.ca;
lobsteronthewharf.com;
gov.pe.ca/greengables;
roddvacations.com; westpointlighthouse.com; peisfinestgolf.com; leonhards.ca; peipotatomuseum.com; de.canada.travel;
gahan.ca

Deshalb ist der 1. Juli Kanadas Nationalfeiertag. Hummer gibt es auf PEI, wie die Insel gerne abgekürzt wird, nicht nur an Feiertagen. "Das war mal das Essen armer Leute hier", weiß Stadtführer Bill Dobbin, "es gab so viel davon, dass die Felder damit gedüngt wurden." 30.000 Pfund zieht ein Hummerfischer in einer guten Saison aus den Körben. Auf dem Fischmarkt kostet ein Einpfünder umgerechnet sechs Euro.


Nächster Stopp der kulinarischen Tour ist eine Probierbar für Olivenöl und Essig. Der Blaubeer-Balsamico ist lecker. Gleich nebenan, im Anne-of-Green-Gables-Souvenirladen, gibt es Kartoffelchips mit Schokoladenglasur. Das Waisenkind Anne war die Heldin in Lucy Maud Montgomerys gleichnamigem Kinderbuch. Es brachte der von der Insel stammenden Autorin Weltruhm. Green Gables, ein Bauernhof, ist heute ein Touristenmagnet auf PEI. Porta-Schokolade von Weinrich in Herford gehört zu den Verkaufsschlagern!

Eine weitere Lebensader der Insel ist neben Fischfang und Tourismus der Kartoffelanbau. PEI ist etwa sechsmal so groß wie Rügen und zählt 140.000 Einwohner. Denton Ellis baut auf gut 400 Hektar die goldene Knolle an, in Fruchtfolge mit Sojabohnen und Getreide. "In einem guten Jahr ernten wir auf der Insel insgesamt 1,4 Millionen Tonnen Kartoffeln", sagt der sympathische Farmer. Im Seeklima und auf dem stark eisenoxidhaltigen Boden gedeiht die Frucht gut. Einer der weltgrößten Hersteller von Kartoffelchips ist hier zu Hause. Im Kartoffelmuseum der Insel kann man allerhand über die Geschichte der Erdäpfel lernen und auch gefürchtete Schädlinge sehen: ziemlich makaber in kleinen Särgen.Die kulinarische Tour führt uns weiter zu etwas Leckerem: Angeblich wird auf PEI das beste Speiseeis Kanadas hergestellt. "Cows" heißt die Marke, wie Kühe im Englischen. Auch der britische Prinz William und seine Kate konnten Cows bei ihrem Besuch in Charlottetown nicht widerstehen.
Wir probieren Pfefferminzeis. Sehr erfrischend! Nach Süßem kommt Herzhaftes: frische Muscheln im Olde Dublin Pub. Liam Dolan kam 1983 aus Irland nach PEI und eröffnete seine Kneipe. Weil er sich damals keinen Kühlschrank leisten konnte, holte er Muscheln mehrmals am Tag direkt vom Hafen. Die unvergleichliche Frische verhalf dem smarten Iren zum Erfolg.

Jetzt noch die Muscheln runterspülen? Nichts einfacher als das. Gleich gegenüber in der Gahan-House-Mikrobrauerei gibt es acht verschiedene Biersorten zu probieren. Damit man die ganzen Appetithappen auch gut verdaut, hilft ein Gläschen des auf der Insel gebrannten Wodkas aus der PEI Destillery. 40 Pfund Kartoffeln braucht es für eine Flasche. Zum Schluss am Stand von "Caren, der Pommes-Königin", noch ein paar doppelt frittierte Kartoffelstäbchen probiert.

Etwas Deftiges käme nach so viel Appetitanregung gerade recht. Wie wär’s mit einem Strammen Max? Auch den gibt’s hier! Axel Leonhard kam vor fünf Jahren aus Darmstadt nach Charlottetown. Inzwischen betreibt der 39-Jährige sein bei Einheimischen wie Touristen beliebtes Café-Restaurant "Leonhard’s" und bietet auch typisch deutsche Gerichte an. Ob er etwas vermisst von daheim? "Natürlich Handkäs mit Musik", antwortet der Hesse. Leonhard gefällt an Prince Edward Island vor allem die große Hilfsbereitschaft der Menschen. "Hier kennt jeder jeden, und man hilft sich."

Viele Attraktionen sind ebenso wie viele Sandstrände vom zentral gelegenen Charlottetown aus schnell zu erreichen. Weit über 30 Golfplätze gibt es auf der Insel, viele davon, wie Brudenell River, Crowbush Cove oder Mill River, gehören zu den besten Nordamerikas.

Von Leuchtturm zu Leuchtturm führt eine beliebte Tour. Davon gibt es über 50, meist aus Holz und malerisch gelegen. Die vor 1873 erbauten Türme sind achteckig, spätere quadratisch. Damals signalisierten die Türme für Seeleute Hoffnung, Sicherheit und Zuflucht. Auch wenn sie im Zeitalter der Satellitennavigation ihre Berechtigung verloren haben, wecken die Türme doch immer noch Emotionen. Viele können besichtigt werden. Im Westpoint Lighthouse kann man sogar übernachten.

Hier ein Video zu Prince Edward Island



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