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09.03.2013
OMAN
Burgen, Berge, Beduinen
Ein Sultanat wie aus 1.001 Nacht
VON EKKEHART EICHLER

Stätten längst vergangener Blütezeiten | FOTOS: EKKEHART EICHLER

Qabus ist überall. Ob in quirligen Souks oder winzigen Supermärkten, ob in pompösen Hotelfoyers oder schlichten Restaurants – omnipräsent lächelt der freundliche Mann mit dem sorgfältig gestutzten silbrigen Bart und dem traditionellen omanischen Kopfschmuck seinen Landsleuten zu. Das Besondere daran: Qabus regiert mit absoluter Macht und genießt dennoch ein unvorstellbares Maß an Beliebtheit, Verehrung und Popularität.

Was nämlich der Sultan in vierzig Jahren Regentschaft für Oman geleistet hat, ist ohne Beispiel in der arabischen Welt. Als er 1971 seinen Vater unblutig aus Amt und Palast putschte, war das Land ein bettelarmer isolierter Feudalstaat. Heute verbinden mehrspurige Nationalstraßen entfernteste Bergregionen, verfügt selbst das kleinste Dorf über eine Schule, erhalten alle Bürger kostenlose medizinische Versorgung in bestens ausgestatteten Krankenhäusern. Oman in ein modernes Land mit Wohlstand für alle zu verwandeln und dabei keineswegs die Traditionen aus dem Auge zu verlieren ist ein weiteres Verdienst des Landesvaters. Beispielhaft etwa die aufwendige Restaurierung diverser Burgen, Forts und Wachtürme, von denen es im Norden des Landes geradezu wimmelt.

Schmuckvoll


Nakhal zum Beispiel. Eine Stunde westlich der Hauptstadt Maskat thront inmitten einer üppigen Oase am Fuß des Hadschar-Gebirges die mächtige Festung mit sechs Wehrtürmen, deren Ursprünge mehr als eintausend Jahre zurückreichen. Vollständig und vorbildlich restauriert, erstaunt die wuchtige Anlage nicht nur durch ihre Trutzhaftigkeit; sie gehört auch zu den wenigen Forts in Oman, deren Räume möbliert und mit Exponaten wie traditionellen Küchengerätschaften und Waffen ausgestattet sind.


Ein herausragendes Beispiel für die ganze Pracht moderner islamischer Baukunst repräsentiert die Sultan-Qabus-Grand-Moschee in Maskat. Das imposanteste und einzige Gotteshaus in Oman, das auch Nichtmuslime betreten dürfen, bietet Platz für 20.000 Gläubige und steckt voller Superlative. Fünf Minarette etwa symbolisieren die fünf Säulen des Islams. Der Kuppel-Kronleuchter ist ein 15 Meter hohes und acht Tonnen schweres Unikat aus Swarovski-Kristall. Und der mit 4.263 Quadratmetern riesige Teppich – ein Meisterwerk persischer Webkunst – zählt zu den größten der Welt. Frappierend ist aber auch die Freundlichkeit des Omani im kleinen Moschee-Infocenter. Erst serviert er Datteln und Kaffee, dann folgt ein entspanntes Gespräch über Sultan, Islam, Koran und Oman generell. Selbst gegen ein Abschiedsfoto hat er nichts einzuwenden – so eine Chance auf ein schönes Porträt bekommt man im Oman nicht immer.
Info

GUT ZU WISSEN


SICHERHEIT


Oman ist ein sicheres Reiseland, die Gefährdung durch Diebstahl und Gewaltkriminalität sehr gering. Bei Unwetterwarnungen sollten Wadis schnellstmöglich verlassen werden, da sich diese bei Regenfällen in Flüsse verwandeln.

ANGEBOT


Die 9-Tage-Reise "Oman – ganz privat" (ab einem Teilnehmer) gibt es bei Gebeco ab 1.470 Euro ab/bis Maskat.

INFOS

www.omantourism.de
www.gebeco.de

Manche seiner Schätze gibt das Land aber auch nicht so leicht preis. Eben noch auf schnurgerader Autobahn unterwegs, rumpeln wir jetzt über rauen Schotter durch wilde Kulissen. Guide Rachim und sein Jeep zeigen, was in ihnen steckt, und zur Belohnung gibt’s eine dicke Überraschung. Im Wadi Arbayeen nämlich strahlt eine ganze Kette von Naturpools in verschiedenen Grün- und Blautönen um die Wette. Auch im Wadi Bani Khalid tanzen hauchzarte Libellen über glasklares Wasser, sonnen sich blaue Echsen auf heißen Steinen, betteln langhaarige Ziegen um ein paar Bröckchen Futter – auch diese natürliche Poollandschaft ist ein perfektes Idyll. Zumal hier unter der Woche so gut wie kein Betrieb herrscht. "Freitags sieht das ganz anders aus, dann kommen die omanischen Familien in Scharen zum Picknick und Baden", erzählt der Bademeister, der sich heute mit dem Herausrupfen von Grünpflanzen die Zeit vertreibt. Auch für die Wüstenlandschaft der Wahiba Sands bleibt der Land Cruiser obligatorisch. Rachim "schwimmt" mit uns durch den rot-gelben Sand und hat sichtlich Spaß dabei. Düne rauf mit Vollgas und Düne wieder runter, stundenlang kön-ne er das.


Nach dem Nervenkitzel der Dünen-Achterbahn landen wir in einer friedfertigen und blitzsauberen Palmstrohhütte, die mit großen Teppichen ausgelegt und mit bunten Sitzkissen möbliert ist – eine alteingesessene Beduinenfamilie verwöhnt hier ihre Gäste mit Kaffee, Datteln und der nationalen Süßspeise Halva. Wie bei omanischen Beduinen üblich, trägt die Herrin des Hauses eine schnabelartige Gesichtsmaske, mit der sie Batwoman nicht unähnlich sieht. Wären da nicht die mit Henna bemalten Hände und Füße und eine ausladende Leibesfülle unterm Gewand: Das hiesige Weiblichkeitsideal weicht diametral ab von westlichen Schönheitsmustern.


Auch die Mädels im Hof sind nicht ohne. Zwei Kameldamen nebst Baby haben sich in uns verguckt und schäkern wie verrückt in der Hoffnung auf den einen oder anderen Leckerbissen. Ein paar Äpfel und etwas Brot steigern diese Liebe ins Unendliche, der Abschied von den verfressenen Biestern und ihren ulkigen Physiognomien fällt nicht leicht. Die Schatzkammer Oman hat noch wesentlich mehr Perlen im Kollier: gigantische Oasen mit Abertausenden von Dattelpalmen. Bizarre Berglandschaften und immer wieder Dünen bis zum Horizont.
      


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