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09.03.2013
Südeuropa
Städte mit Flair
Von Cannes bis Porto
VON HANS-WERNER RODRIAN

Stadt der Künste | FOTO: SRT

Die Tage werden länger, die Sonne wärmt schon wieder: Jetzt ist die perfekte Zeit, dem Alltag bei einem Städte-Kurztrip ans Meer ein Schnippchen zu schlagen und seinen Café au lait in der Frühlingssonne zu trinken. Dabei muss es nicht immer Palma, Rom oder Barcelona sein. Es gibt viele andere Städte, die zu Unrecht im Schatten stehen. Hier sind fünf Tipps.

Côte d’Azur: Cannes kann’s

Fischerflair und Blitzlichtgewitter: Jedes Jahr im Mai machen die Filmfestspiele Cannes zum grandiosen Laufsteg der Eitelkeiten. Doch das Städtchen an der Côte d’Azur ist auch außerhalb dieser Zeit ein Hit: Abseits der berühmten Flanierpromenade Croisette mit den berühmten Jugendstilhotels besitzt es eine verwinkelte Altstadt und hübsche kleine Bistros. Eine Empfehlung wert sind das Lucullus und das Au Bons Enfants; in beiden speist man preiswert zwischen den Händlern vom nahen Markt.
Steil führen anschließend die kopfsteingepflasterten Sträßchen hinauf zur Festung aus dem 10. Jahrhundert mit einem fantastischen Blick über die gesamte Küste. Der schönste Platz ist der vor den Resten der ehemaligen Burgmauer. Zum Greifen nah sieht man von dort aus die vorgelagerten Inseln.


Malaga: Im Licht von Picasso

Eurokrise hin oder her: Pablo Picassos Heimatstadt ist immer eine Reise wert und jetzt, vor der sommerlichen Hitze, ganz besonders. Mit einer halben Million Einwohner ist Malaga keine Kleinstadt, besitzt aber eine in besseren Zeiten vorbildlich restaurierte Altstadt mit schöner Fußgängerzone. Herrlich lässt es sich unter den Palmen des Boulevard Paseo del Parque flanieren. Ein kostenloser Aufzug führt vom Rathaus hinauf zur maurischen Palastburg Alcazaba. Mit dem Stadtbus fährt man dann hinaus zum Strand mit seinen Open-Air-Restaurants oder zum historischen Botanischen Garten La Concepción mit seinen grünen Wiesen und Wasserfällen. Und irgendwann besucht man natürlich auch das Picasso-Museum. Sehenswert sind auch die Museen zum Flamenco und zur Karwoche. Eine schöne Ausstellung gäbe es auch zum süßen Malaga-Wein – aber durch dessen Geschmacksrichtungen probieren sich Kenner dann lieber in der Antigua Casa de la Guardia, Malagas ältester Bar. Dort werden Dutzende Sorten für wenig mehr als einen Euro ausgeschenkt.

Split: Stadt im Kaiserpalast

Das gibt es nur einmal: eine Altstadt, die komplett im riesigen, erstaunlich gut erhaltenen altrömischen Kaiserpalast des Diokletian (284–305) Platz hat. Genau – es ist die kroatische Küstenstadt Split. Heute sind die Palastreste voller Läden, Kneipen, Cafés, Märkte und kleiner Hotels. Alt und Neu harmonieren wunderbar. Eine Kaffeepause im Peristil, dem ehemaligen Innenhof, vermittelt durchaus eine besondere Atmosphäre. Kinder spielen Verstecken hinter den venezianischen Löwen, im Jupitertempel wird neue kroatische Mode verkauft. Abends flaniert tout Split auf der Riva, der glattgepflasterten Uferpromenade zu Füßen der gewaltigen Palast-Frontseite. Natürlich besucht man den Dom; in der Antike war dies das Mausoleum des Diokletian. Wer auf den Turm steigt, der hat einen hervorragenden Blick über Altstadt und Hafen. Ein Geheimtipp ist der Fischmarkt an der Marmantova-Straße. Gleich neben dem Fischmarkt serviert Zlatko Marinovic in seinem kleinen Fischrestaurant Fisch-Carpaccio in Rosenform und Seebrasse, gefüllt mit Scampi.

Pisa: Baufehler mit Charme

Ja, der Turm ist wirklich schief, aber sonst ist in Pisa alles im Lot. Wer das hübsche Universitätsstädtchen besucht, der wird schnell feststellen, dass Europas bekanntester Baufehler zuverlässig alle Tagesgäste aus der hübschen Altstadt fernhält. Aber natürlich wird jeder, der in der Gegend ist, auch dem Campo dei Miracoli, dem Platz der Wunder, einen Besuch abstatten.
Wer auf den Turm steigen will, der sollte sich bereits Wochen vorher im Internet angemeldet haben (www.opapisa.it). Denn viertelstündlich werden nur 15 Personen hinaufgelassen. Dann aber geht es weiter in die romantische toskanische Altstadt: vorbei am ältesten Botanischen Garten der Welt zur Einkaufsmeile Borgo Stretto mit ihren Laubengängen, unter denen man gemütlich einen Tee trinken kann. Die alteingesessene Pasticceria Federico Salza führt auch Nudeln und andere kleine Mittagsmahlzeiten. Und lieben Sie Märkte? Die Gässchen rechts des Borgo führen unweigerlich auf das Marktviertel bis hinunter zum Arno. Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch: Für alles gibt es eine eigene "Abteilung". Einfach und urig zu Mittag essen kann man in der Osteria La Mescita.

Porto: Genuss am Fluss

Porto, das ist mehr als herber Charme und süßer Wein. Die Heimatstadt des Portweins hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Längst kann sie locker mit dem einst so beneideten Lissabon mithalten.
Rund um das Museum für moderne Kunst hat sich eine schillernde Clubszene etabliert. In der Altstadt Ribeira schiebt man sich durch enge Gassen, über kleine Plätze, vorbei an schmalen Häuserfassaden. Dort gibt es jede Menge Bars, Cafés und exzellente Restaurants. Mutige probieren die Spezialität der Stadt, "Tripas ao modo do Porto": Kutteln mit weißen Bohnen. Schwindelfrei muss sein, wer den Gang über den "liegenden Eiffelturm" wagt, die 50 Meter hohe Eisengitterbrücke Ponte Luis, die tatsächlich von Gustave Eiffel und einem seiner Schüler stammt.
Ein Muss ist dann natürlich die Besichtigung einer der alten Portweinkellereien wie Sandeman oder Osborne, die alle entlang des Flusses Douro ihre Sitze haben.


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