Schrift

29.06.2013
Frankreich
Park der Könige
Am Fluss der Schlösser
VON CLAUDIA SCHUH

Ein Märchen aus Tuffstein | FOTO: CLAUDIA SCHUH

Könige und Adlige machten das Tal entlang Frankreichs längstem Fluss einst zu ihrer Machtbasis – heute genießt die Region Welterbe-Status: zu Recht, wie eine Erkundungsreise von Orléans bis Tour beweist.

Info

GUT ZU WISSEN

SCHLÖSSER
Einen guten Überblick über alle wichtigen Schlösser mit Infos zu ihrer jeweiligen Historie, Anreise, Öffnungszeiten, Eintritt und aktuellen Veranstaltungen bietet die deutschsprachige Homepage: www.schloesser-der-loire.com.

UNTERKUNFT
Côté Loire Auberge Ligérienne, 2 Place de la Grève, 41000 Blois, Tel. (0033 254) 78 07 86, www.coteloire.com.

ESSENSTIPP
Restaurant le Girouet, 14 Quai du Châtelet, 45000 Orléans, Tel. (0033 238) 81 07 14, www.legirouet.com. Köchin Nathalie stammt aus Deutschland und führt mit Ehemann Bertrand ein uriges Lokal direkt an der Loire mit frischer lokaler Küche.

ZOOPARC DE
BEAUVAL
Für den artenreichsten Zoo Frankreichs in Saint-Aignan sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Highlight: Seit 2012 leben dort zwei Pandas. Geöffnet: April bis September 9 bis 18 Uhr, in den Wintermonaten 9 bis 16 Uhr. Eintritt: 25€Euro (www.zoobeauval.com).

GARTENFESTIVAL
IN CHAUMONT-
SUR-LOIRE
Vom 24. April bis 20. Oktober. Dieses Jahr lautet das Motto: "Gärten sinnlicher Empfindungen" (www.domaine-chaumont.fr).

LOIRE-RADWEG
Alle praktischen Infos: www.loireradweg.org.

"Vier-hundert-vierzig Zimmer, ja, vier-hundert-vierzig Zimmer!" Fremdenführerin Sonja Baudu muss es zweimal sagen, so ungläubig guckt die Besuchergruppe auf der zweistündigen Führung durch das Schloss Chambord, dem ersten Stopp unserer Reise. Chambord ist das größte Schloss im Loiretal und als Auftakt eine Wucht. Wer nicht aufpasst, verläuft sich schnell.


Das königliche Schloss und seine Ländereien erstrecken sich über 5.400 Hektar, eine Fläche fast so groß wie Paris. Eine 32 Kilometer lange Mauer umgibt die Anlage, in der sich Hirsche und Wildschweine tummeln. Walt Disney hätte das Areal nicht besser erfinden können: Ein in Stein gemauertes Märchen, ein Mädchen-Türmchen-Traum, das Neuschwanstein Frankreichs. Würde Harry Potter auf dem Besen am etwas mit Wolken getrübten Himmel vorbeisausen, man würde sich nicht verwunderter die Augen reiben.

Das Tal der Könige

Wir befinden uns auf einer Rundreise im Tal der Loire. Man könnte es auch "Tal der Könige" nennen. Denn Könige und Adlige haben sich über Jahrhunderte in Prunkbauten niedergelassen, vor allem zur Zeit der Renaissance. Sie machten das Tal südlich von Paris zu ihrer Machtbasis – weil sich damals die Seine nicht für den Transport von Gütern eignete, war die Loire als größter Fluss des Landes vor der Erfindung der Eisenbahn die zentrale Transportachse. Zeitweise war das Tal derart populär, dass selbst Paris nicht mithalten konnte.

Fast 300 Schlösser reihen sich auf 300 Kilometern heute entlang des Flusses wie Perlen auf einer Kette. In seiner Dichte und baulichen Imposanz ist das ziemlich einmalig, daher zählt das Tal seit 13 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wer Geschichten über Heinrich IV. und Catharina von Medici, Franz I. und seine Freundschaft zu Leonardo da Vinci spannend findet, liebt die Orte. Jede Mauerritze atmet Geschichte über Liebe, Mord und Totschlag. Alle Schlösser schafft aber kein Mensch auf einmal. Daher der Plan: Erst einmal das östliche Teilstück herausgreifen: von Orléans, der Stadt, die "Johanna von Orleáns" berühmt machte, bis nach Tours, der Stadt, die berühmt ist für einen anderen Gutmenschen: den heiligen Martin, Bischof von Tours.Von Schloss Chambord aus und dem kleinen, schmucken Château de Beauregard, das direkt angrenzt, steuern wir Château Royal de Blois an. Der Renaissance-Bau war die Lieblingsresidenz der französischen Könige. Es folgen: Chaumont-sur-Loire, Château de Chenonceau, Château du Clos Lucé et Parc de Leonardo da Vinci und Château Royal d’Amboise. Leonardo da Vinci, ein Schützling von Franz I., verbrachte im kleinen Château du Clos Lucé seine drei letzten Lebensjahre. Im wunderschönen Park des Schlosses zeigt ein interaktiver Parcours nachgebaute Kunstwerke und Visionen des italienischen Künstlers – etwa seine Flugmaschinen.

Jedes Schloss ist einzigartig!

Wie gut, dass es Fotohandys und Digitalkameras gibt! Ansonsten wäre bei Schloss zwei bereits der Film alle: Jedes Schloss ist für sich einzigartig: Die Schlösser umgeben Burggräben, sie sind vollgestellt mit wertvoller Kunst und Möbeln und besitzen üppige Parks, wie sie manche Großstadt nicht vorweisen kann. Wie Chaumont-sur-Loire. Blumenbeete, so weit das Auge reicht, schrille Kunst zwischen Hecken und mystische Klänge, die Bäumen entweichen – von Juni bis Oktober verwandelt sich der Park von Schloss Chaumont auf eigenwillige Weise in ein botanisches Kunstwerk. Jedes Jahr wird ein anderes Thema von Gartenkünstlern aus aller Welt mit Blumen gestaltet. Dieses Schloss gehörte ursprünglich Catherine de Médicis. Nach dem Tode ihres Gatten zwang die Königin dessen Maitresse, Diane de Poitiers, Schloss Chenonceau gegen Chaumont zu tauschen. Doch gegen ein Tauschgeschäft wie Schloss Chenonceau hätte heutzutage sicher niemand etwas.

Es wird "Schloss der Damen" genannt – wegen seiner aufeinanderfolgenden Besitzerinnen, gefällt aber sicher auch Herren: Sie können nach der Besichtigung das Boot nehmen und auf dem Flüsschen Cher schippern, sich den Spaß erlauben und sich im Labyrinth des Schlossgartens auf Irrwege begeben oder sich entspannt einen gekühlten Sancerre auf der schattigen Schlossterrasse gönnen.

Die Gegend um den Fluss, der noch breiter ist als Rhein und Donau, ist seit jeher eine fruchtbare Gegend. "Garten Frankreich" wird das Loiretal daher genannt. Entlang des Ufers gedeihen einige der besten Weine des Landes. Die sanft gewellte Gegend ist gut auf dem Rad zu erkunden, seit einem Jahr gibt es daher einen in beide Richtungen ausgeschilderten, über 800 Kilometer langen Loiretal-Radweg.


Schrift



Anzeige

Anzeige

NW-Mobil
Jaguar F-Type Coupé: Für geübte Aussteiger
Auch die 340 PS starke "Einstiegsversion" bietet Gänsehaut-Garantie... mehr

VW Golf R DSG: R kann auch anders
Mit 300 PS ist der Golf R das absolute Topmodell der Wolfsburger Bestseller-Baureihe – und ist ein Wolf im Golfspelz... mehr

Mitsubishi Outlander: Kraft der drei Herzen
Der Mitsubishi Outlander schafft in der Plug-in-Hybrid-Version gut 30 Kilometer am Stück rein elektrisch... mehr

Heißer Golf von Barcelona: Seat Leon Cupra SC
Kompakter Heißblüter und Sportler für den Alltag: Der Seat Leon Cupra bietet mit seinem 265 PS starken Turbomotor auf der einen Seite Rundkurs... mehr

Skoda Octavia RS Combi TDI DSG: Sport auf bequeme Art
Mit 184-PS-Diesel und leicht geschärfter Optik gibt sich der Octavia RS Combi dynamisch – und bleibt doch ein typischer Skoda... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik