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06.07.2013
Kroatien
Rab, die Liebesinsel
Eine FKK-Hochburg wird seriös
VON CHRISTIAN HAAS

Traumstrände satt | FOTO: SRT-ARCHIV

"Und das soll die am üppigsten begrünte Insel in der gesamten Kvarner Bucht sein?" Thomas und Patricia Hiller, erfahrene Kroatien-Urlauber, die bereits von den berühmten Inselnachbarn Krk, Lošinj und Cres begeistert waren, können es bei der kurzen Fährüberfahrt von Stinica am Festland nach Mišnjak auf Rab nicht glauben. Kein Wunder, blicken sie doch auf eine öde, von der Bora kahlgefegte Bergflanke. "Die Insel wirkt richtig nackt", meint Thomas, und Patricia kann sich den Kalauer nicht verkneifen: "Ob das der Grund für den vielgepriesenen FKK-Tourismus hier ist?" Der Ruf als Nudisten-Mekka ist legendär.

Doch von dieser Urlaubsart wollen die Hillers nichts wissen. Dafür wissen sie nach der Ankunft auf der knapp 100 Quadratkilometer großen Insel und ein paar Straßenkurven später, dass das von den Römern auf "Felix Arba", der dunkle Wald, getaufte Eiland zwei Gesichter hat: Jenseits der nordöstlichen Bergkette konnte sich eine von der Sonne verwöhnte und üppige Vegetation entwickeln, die dichter und bunter ist als auf anderen Inseln der Region.

Bunter als anderswo ging und geht es auch im touristischen Leben zu. Und freizügiger. Bestes Beispiel ist der FKK-Tourismus, der hier angeblich sogar erfunden wurde. Von niemand Geringerem als einem König. Edward VIII. von England hat sich bei einem Besuch im Jahr 1936 offiziell von den lokalen Behörden die Erlaubnis zum Nacktbaden geholt. Anschließend, so heißt es, habe er in Begleitung von Lady Simpson, seiner späteren Gattin, in der Kandarola-Bucht ein hüllenloses Bad genommen.

Rab - laut CNN 2011 das weltbeste FKK-Reiseziel

Seitdem gilt Rab als "Wiege der Freikörperkultur". Entsprechende Strandabschnitte entstanden, eigene Naturisten-Campingplätze und Ferienanlagen. Noch heute ist das "königliche" Kandarola als FKK-Strand ausgewiesen. So wie andere auch. CNN kürte 2011 gleich die ganze Insel zum weltbesten FKK-Ziel. Und hob dabei einen Ort besonders hervor: den nördlich von Lopar gelegenen "Sahara"-Strand, an dem wirklich kein einziges Zeichen auf menschliche Zivilisation hinweist. Natur im Original. Wer die rund 30 Wanderminuten von Lopar aus auf sich nimmt (oder ein Taxiboot ordert), der darf sich auf ein echtes Stück Paradies freuen. Wäre der Name Paradiesstrand nicht schon für den öffentlichen Strand von Lopar vergeben, wäre er bei der Namensgebung sicher in die engere Wahl gekommen. An eben jenem Paradiesstrand sitzt Marin Mušco, Direktor des Lopar Tourist Board, auf der Terrasse der "Bamboocho Bar" und erklärt den Hillers bei einem Glas Honigschnaps: "Die FKK-Touristen werden immer weniger. Wir müssen uns mittlerweile mit neuen Bedürfnissen der Urlauber auseinandersetzen. So weisen wir mittlerweile mehr Hundestrände aus als Naturistenstrände."

Die Deutschen, mit fast der Hälfte aller Gäste die mit Abstand größte Besuchernationalität auf Rab, sind in dieser Frage prüder geworden. Oben ohne ist auf dem Rückzug. Oben und unten sowieso. Wobei es nicht bedeutet, dass es auf Rab nicht zu Liebeleien käme. Der Tourismusverband spricht gar von "Rab, der Liebesinsel". Schnuckelige verträumte Buchten existieren genug.

Die NaturBuchten sind ideale Ausflugsziele für frisch Verliebte

Der gesamte Südwesten ist ein unbebauter Naturpark. Ebenso die Halbinsel nördlich von Lopar, wo sich an die Sahara-Bucht noch mindestens ein halbes Dutzend zauberhafte Naturbuchten anschließt. Ideale Treffpunkte für Verliebte, die sich zum Beispiel bei einer der vielen angebotenen Delphinbeobachtungs- und Segeltouren kennengelernt haben. Oder im Gourmetrestaurant "Astoria", im 4,5-Sterne-Hotel "Arbiana", das mit frisch renovierten Zimmern aufwartet, oder im weit bekannten Beach Club "Santos", der 2012 vom "Guardian" gar zum besten europäischen Club dieser Art erklärt wurde.

Diese Beispiele zeigen: Längst hat sich die touristische Infrastruktur verbreitert. Gab es früher hauptsächlich Campingplätze und privat geführte Apartmani, sind mittlerweile Hotels hinzugekommen. Wie das tipptopp geführte Familienhotel "Epario" in Lopar und die aus fünf Hotels bestehende Siedlung "San Marino". Neu sind auch Paintball, Wasserpark und Co. Am Paradiesstrand werden mittlerweile Sandburgenwettbewerbe und große Beachvolleyballturniere ausgetragen, ein Touristenzug fährt herum. Nackt ist hier niemand unterwegs. www.tzg-rab.hr


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