Berlin (mika/nw). Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lars Windhorst jetzt auch wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung. Das bestätigte ein Sprecher der Anklagebehörde. Windhorst hatte am 28. Mai 2003 beim Amtsgericht Charlottenburg eine früher als Offenbarungseid bezeichnete Erklärung über seine Vermögenssituation abgeben müssen.
Der gebürtige Rahdener, der später für seine Firmen und privat Insolvenzverfahren beantragte, war nach eigenen Angaben damals völlig überschuldet. Später wurde ein Schuldenberg von mehr als 80 Millionen Euro ermittelt. Allerdings gab er in der eidesstattlichen Versicherung, die eine vollständige Information verlangt, nur 4 Bankverbindungen an. Tatsächlich aber soll er über mehr als 20 Bankkonten im In- und Ausland verfügt haben. Seine Anwälte rechtfertigten das Verschweigen der Auslandskonten mit dem Hinweis, dass die Konten im Minus gewesen seien oder unbenutzt.
Das Oberlandesgericht Koblenz hat nach einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit den Verdacht formuliert, Windhorst könnte ein Betrüger sein. "Es spricht viel dafür, dass der Zeuge Windhorst einen Eingehungsbetrug begangen hat", heißt es in einem Urteil des Gerichtes vom 9. November 2007. Windhorst habe sich "in einer desaströsen finanziellen Situation" befunden, als er im März 2001 ein Darlehen von 20 Millionen D-Mark von dem Hamburger Unternehmer Ulrich Marseille nahm. Windhorst habe zu dieser Zeit davon ausgehen müssen, dass er zur vollständigen Rückzahlung des Geldes nicht in der Lage sein würde.
Das Urteil wurde allerdings in einem Zivilverfahren gesprochen, das sich nicht gegen Windhorst selbst richtete, sondern gegen einen früheren Mitarbeiter des Bankhauses Warburg in Luxemburg. Marseille beschuldigte den Banker in seiner Klage, Windhorst bei dessen Täuschungsmanövern geholfen zu haben. Er konnte aber nicht beweisen, dass der Mann "vorsätzlich einen die Handlung des Zeugen Windhorst fördernden Tatbeitrag geleistet hat", wie das Gericht meinte, und unterlag.
Gegen Lars Windhorst, der heute als Geschäftsführer der Berliner Investmentfirma Vatas arbeitet, einer Tochter der britischen Beteiligungsfirma Sapinda, ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin seit Jahren wegen Betruges, Insolvenzverschleppung und Kursmanipulation.
