Sonnabend, 26.05.2012
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21.03.2009
Jetzt ist er angeklagt
Viele Vorwürfe gegen Windhorst
VON ANDREA FRÜHAUF

Rahden/Berlin. Für den einstigen deutschen Vorzeigeunternehmer Lars Windhorst kommt es derzeit knüppeldick. Nachdem der 32-Jährige wegen eines fehlgeschlagenen Millionengeschäftes mit der NordLB die Insolvenz für seine Berliner Investmentfirma Vatas Holding GmbH anmelden musste, hat die Staatsanwaltschaft Berlin jetzt Anklage gegen ihn erhoben.

Dem gebürtigen Rahdener werden nach fünfjährigen Ermittlungen Betrug in Millionenhöhe, Untreue und Insolvenzverschleppung vorgeworfen. Wann die Wirtschaftskammer des Landgerichts Berlin den Prozess eröffnen wird, ist noch offen. "Die Anklageschrift umfasst mehrere hundert Seiten", sagte Oberstaatsanwalt Michael Grunwald. "Das Gericht muss sich erst mal einarbeiten." Zudem könne Windhorst den Prozess verkürzen, indem er sich gleich schuldig bekenne. Davon geht Grunwald allerdings nicht aus.

Wegen Beihilfe zum Betrug wurde Frank Rahn (48), ehemaliger Abteilungsleiter der luxemburgischen Tochter der Privatbank M. M. Warburg & CO (Hamburg), mit angeklagt. Windhorst wird zur Last gelegt, vom Hamburger Klinikbetreiber Ulrich Marseille im März 2001 ein auf vier Monate befristetes Darlehen von umgerechnet zehn Millionen Euro (20 Millionen D-Mark) erschlichen zu haben. Schon bei Vertragsabschluss habe Windhorst, der zu dem Zeitpunkt zahlungsunfähig war, damit gerechnet, "das Geld nicht termingerecht zum Juli 2001 zurückzahlen zu können", sagt Grunwald.

Schon im Jahr 2000 überschuldet

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Lars Windhorst bläst Wind ins Gesicht

Tatsächlich zahlte Windhorst laut Anklage bis Ende 2001 nur 2,3 Millionen D-Mark und bis Mitte 2002 weitere 900.000 Euro zurück. Der von ihm als Sicherheit gegebene Anteil an seiner Windhorst Electronics GmbH, der gut 6 Millionen D-Mark wert gewesen sein soll, sei in Wahrheit wertlos gewesen. Laut Staatsanwaltschaft war die GmbH bereits im Jahr 2000 überschuldet und im Juni 2002 zahlungsunfähig.

Zudem habe Windhorst als Sicherheit angegeben, dass eine afrikanische Investorengruppe über die Luxemburger Privatbank für 20 Millionen Mark Aktien der Windhorst New Technologie AG (Vorgänger der Windhorst AG) erwerben wolle. Den angeblichen Aktiendeal soll Rahn gegenüber Marseille schriftlich bestätigt haben. Bei dem Investor handelte es sich um den später festgenommenen nigerianischen Ex-Diktator Abacha, der Nigeria geplündert haben soll. Auch seine Gelder in Luxemburg wurden eingefroren.

Bilanzen nicht erstellt

Windhorst soll zudem für die Windhorst Electronics GmbH und die Windhorst Capital Holding die Insolvenz bis zu seinem Ausscheiden aus den Gesellschaften nicht angemeldet haben. Für die Windhorst AG habe er die Insolvenz zu spät angezeigt. Ferner wird ihm zur Last gelegt, Bilanzen für 1999 bis 2001 für eine seiner GmbHs nicht erstellt zu haben.

Auch dem Vorwurf der schweren Untreue muss sich Windhorst stellen: Zwischen März 2002 und März 2004 habe er in 17 Überweisungen vom Konto der Windhorst AG insgesamt 4,8 Millionen Euro auf sein Privatkonto geschafft. In Einzelbeträgen von 250 bis 250.000 Euro.


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