Sonnabend, 26.05.2012
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28.08.2006
Bangemachen gilt nicht
Wenn es nach der Typisierung ernst wird

Es ist ja für eine gute Sache - das rede ich mir immer wieder ein und das sagen auch die wenigen Leute, denen ich von meinem bevorstehenden Ausflug erzählt habe. Aber als Angsthase hast du es nicht leicht, wenn du weißt, dass du übermorgen auf dem Operationstisch liegen sollst. Also - der Angsthase das bin ich: NW-Redakteur, 30, Name tut nichts zur Sache. Der Operationstisch steht im Kreiskrankenhaus Hameln: Ich soll übermorgen 1,5 Liter Knochenmark für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) spenden.

Vor drei oder vier Jahren habe ich mich mal typisieren lassen. Das heißt, die DKMS hat mir, der als Kind vor Blutentnahmen eine Woche lang nicht schlafen konnte, etwas Blut abgezapft und damit war ich in deren Kartei. Nach dieser Aktion in Hövelriege (Kreis Paderborn) war ich echt stolz auf mich und dachte, ich hätte meine Schuldigkeit getan.

Info
Etwa 1,4 Millionen Menschen haben seit 1991 für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine kleine Blutprobe abgegeben - eine so genannte Typisierung durchführen lassen. Speziell für Leukämiepatienten ist eine Knochenmarkspende oft die letzte Chance auf ein Weiterleben. Ein NW-Redakteur, 30, ist ebenfalls ausgewählt worden, eine Knochenmarkspende zu geben. Ihm wird in Hameln unter Vollnarkose der Lebenssaft entnommen. An dieser Stelle berichtet er über seine Erlebnisse.

Dann kam im letzten Jahr Post von der DKMS. In dem Brief stand, dass meine Blutdaten mit denen eines kranken Menschen irgendwo auf der Welt übereinstimmen könnten. Ich, der bei Nadeln in Spielfilmen immer wegschauen muss, durfte also noch mehr Blut abgeben und siehe da: die Werte stimmten wirklich überein, sagte zumindest ein zweiter Brief. Das war der Zeitpunkt, als ich mich schon auf dem OP-Tisch sah. Aber - Fehlalarm! Es kam wieder Post: Ich erhielt keinen Termin, sondern die Nachricht, dass es dem Patienten derzeit besser gehe und er oder sie kein Knochenmark von mir benötige. Also noch mal Glück gehabt...

Aber ich wurde nicht vergessen: Im Juni lag wieder ein DKMS-Brief im Postkasten: Jetzt ist es soweit, sie wollen mein Knochenmark, ich soll mich bitte dringend melden, damit sie mir das Procedere erklären können. Fast eine Woche habe ich den Anruf vor mir hergeschoben und es nur meiner Freundin und meinen Eltern erzählt. Dann habe ich mir früh morgens ein Herz gefasst und angerufen. Immer wieder hatte ich mir überlegt, wieso ich vielleicht absagen könnte, oder dass sie mein Knochenmark gar nicht brauchen.

Link zum Thema
Werden auch Sie Lebensspender: www.dkms.de
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Half aber alles nichts, weil ich immer wieder zu dem Schluss kam, dass ich für jemanden vielleicht die letzte Chance aufs Weiterleben war. Da gibt es keinen Grund, es nicht zu tun. Auch als Angsthase nicht. Aber mein ungutes Gefühl bei Ärzten und Krankenhäusern ist nicht wegzuwischen.

Doch morgen mache ich mich trotzdem auf nach Hameln. Ich halte Sie auf dem Laufenden: Es ist ja für eine gute Sache!


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