Jetzt, nachdem meine Knochenmark-Spende Geschichte ist, bin ich verdammt erleichtert. Vor allem darüber, dass ich mich selbst überwunden und neue Erfahrungen gesammelt habe. Ärzte sehen das natürlich alles gar nicht so wild. Der Doktor hatte zu mir vorher noch ganz trocken gesagt: "Wissen Sie, diese Operationen sind eigentlich pillepalle." Aha...
Nachdem ich gestern nach der OP bis in die Mittagszeit gedöst habe, durfte ich mich gegen 14.30 Uhr zum ersten Mal aus dem Bett erheben und bekam etwas zu trinken und zu essen. Im jugendlichen Leichtsinn eines gerade 30-jährigen der sich wie 20 fühlt, setze ich mich also auf die Bettkante und mache mich über Kartoffelpüree und Gemüse her. Schon nach dem dritten Bissen spüre ich Schweißperlen auf meiner Stirn und ahne, dass das nicht vom Essen kommen kann. Tut es auch nicht - das sind wohl die Nachwehen des Kreislaufs im Anschluss an die Narkose. Also lasse ich die Mahlzeit kalt werden und lege mich wieder hin. Es wird schnell besser und ich bin bereit, meinen neuen Zimmergenossen zu begrüßen. Der Pädagoge aus Hessisch Oldendorf durfte nach Hause und muss erst in der kommenden Woche wieder zur Chemotherapie zurückkommen.

Info
Etwa 1,4 Millionen Menschen haben seit 1991 für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine kleine Blutprobe abgegeben - eine so genannte Typisierung durchführen lassen. Speziell für Leukämiepatienten ist eine Knochenmarkspende oft die letzte Chance auf ein Weiterleben. Ein NW-Redakteur, 30, ist ebenfalls ausgewählt worden, eine Knochenmarkspende zu geben. Ihm wird in Hameln unter Vollnarkose der Lebenssaft entnommen. An dieser Stelle berichtet er über seine Erlebnisse.
Ich lasse den Neuen sich einleben in unserer Kurzzeit-WG, genieße meinen Grisham-Krimi, denke darüber nach, wohin mein Knochenmark wohl unterwegs sein könnte und habe den ganzen Tag nur ein Gefühl: Freude, dass alles so gut gelaufen ist. Auch eine Kontrolluntersuchung meines Blutes zeigt keine außergewöhnlichen Werte. Es ist wohl alles okay.
Würden Sie sich typisieren lassen?
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Heute Morgen musste ich nur noch auf die Arzt-Visite warten, dann durfte ich nach Hause. Als die Truppe vorbeikam, erzählten sie mir, dass sie mit der OP zufrieden gewesen seien und aus mir die Maximalmenge an Knochenmark entnommen hätten, die sie einem Erwachsenen rausziehen durften - exakt anderthalb Liter. Wichtig für mich: die Mediziner bestätigten auf meine Nachfrage, dass das nicht bei allen Patienten passiere und ich durchaus damit angeben könne. Also hat es sich doch doppelt gelohnt!
Einzige Beschwerde nach der Operation, so berichte ich, sei das Gefühl einer starken Prellung im Beckenbereich. So muss es sich wohl anfühlen, wenn man von einem Pferd getreten worden ist.
Jeden Tag soll ich jetzt große Pflaster auf die Wunden kleben, nach zehn Tagen würden vom Hausarzt dann die Fäden gezogen, sagt mir der Chefarzt. Das wusste ich vorher nicht, und prompt bin ich als hauptamtlicher Angsthase mal wieder zusammengezuckt und sah vor meinem geistigen Auge einen Arzt, der beim Faden auftrennen mit einer Schere in meinen Rücken abrutscht. Aber meine Freundin kennt ja ihren Angsthasen und hat am Telefon sofort gegengesteuert: "Tut überhaupt nicht weh!" Na, hoffentlich...

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PS: Die DKMS hat mir gerade mitgeteilt, dass mein Knochenmark zu einem 21-jährigen Leukämiepatienten in die USA gebracht worden ist.