Freiburg. Beim SC Freiburg wähnt man sich gewappnet für das Unternehmen Klassenerhalt. Der 1:0-Testspielsieg vom Wochenende gegen den griechischen Erstligisten Atromitos Athen (Torschütze Immanuel Höhn) belegt die aktuelle ansteigende Form.
Der unvergesslichste Moment der vergangenen Saison: Es war Sonntag, 1. November 2009. Allerheiligen. Nach dem badischen Derby gegen 1899 Hoffenheim machte die Nachricht vom Tode Achim Stockers die Runde. Stocker war nicht nur langjähriger Präsident des SC, er hatte den Verein praktisch neu erfunden. Den Mangel an Geld im Breisgau glich er immer wieder mit bemerkenswerten Personalentscheidungen aus. Die wichtigste war die Verpflichtung von Trainer Volker Finke. Die Nachricht von Stockers Tod war auch für die Mannschaft ein Schock. "Aber wir haben dann gesagt, dass wir für ihn den Klassenerhalt schaffen", berichtet Kapitän Heiko Butscher. Die Mannschaft hielt Wort.
Der Satz der Saison: "Wenn das jedes Mal so viele Nerven kostet, dann weiß ich nicht, wie mein Vorgänger das überhaupt geschafft hat. Ich werde sicher zehn Jahre früher zusammenklappen." Fazit von Trainer Robin Dutt, SC-Trainer seit 2007, nach dem Klassenerhalt. Sein Vorgänger Volker Finke hatte den Verein 16 Jahre lang trainiert.
So steht es um den Trainer: Der sicherste Trainerstuhl der Liga steht womöglich in Freiburg. Vergangene Saison hat nur einer von fünf Abstiegskandidaten seinen Übungsleiter nicht ausgetauscht - der SC. Der Erfolg gibt dem Verein recht. Robin Dutts Vorgänger Volker Finke durfte sogar viermal mit der Mannschaft absteigen, ohne gefeuert zu werden. "Das ist die Vereinsphilosophie. Hier gibt es keine Schnellschüsse", sagt Kapitän Heiko Butscher.
Ihn würden die Fans gerne noch fortjagen: Dass beim SC die Uhren anders ticken, zeigt sich auch in diesem Punkt: In Freiburg pfeift man keine Spieler aus. Man wünscht auch niemanden zum Teufel. Und Mohamadou Idrissou wechselt sowieso nach Mönchengladbach. Mit seinen Eskapaden hatte der Offensivspieler die Nerven der Anhänger bisweilen arg strapazierte. Seinen Spruch gegenüber Mitspielern ("Ich habe eh keine Lust mehr mit Euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr Champions League"), dementierte er zwar, aber er wurde zwischenzeitlich aus dem Kader verbannt. Mit Toren und großem Einsatz spielte er sich aber wieder in die Herzen der Anhänger.
Des Trainers Liebling: Ein "Liebling" im Sinne des Wortes ist Heiko Butscher zwar für Robin Dutt nicht, aber er ist Kapitän, Anführer, verlängerter Arm auf dem Platz, der auch dann spielt, wenn die Form mal schwankt. Butscher übernimmt nach eigenen Worten "unheimlich viele Aufgaben abseits des Spielfeldes, auch Dinge, von denen der Trainer nichts weiß". Diese Form der Selbstständigkeit wird in Freiburg geschätzt und gefördert.
Der Kultkicker über seine Erben: "Der Charakter unserer Mannschaft damals war in gewisser Weise ähnlich", sagt Ralf Kohl. Der "Kanzler" prägte die erfolgreichen Zeit Anfang der 90er Jahre entscheidend mit. Trainer Robin Dutt ist für ihn "ein klasse Typ".
Der skurrilste Fanartikel: Nicht wirklich skurril, aber richtig teuer, ist der Tischkicker in den Vereinsfarben. Wer mit Hilfe der kugelgelagerten Spielerstangen den kleinen Ball über das Laminat-Spielfeld flitzen lassen will, muss schon einen Tausender investieren.
So wollen sie spielen: Große Veränderungen kündigen sich nicht an. Es bleibt wohl beim 4-1-4-1-System, mit dem der SC in der Rückrunde erfolgreich war. Im linken Mittelfeld könnte Neuzugang Maximilian Nicu von Hertha BSC Berlin den abgewanderten Idrissou ersetzen. Der vielseitige Jan Rosenthal wäre Anwärter auf den Platz des verletzten Johannes Flum im zentralen Mittelfeld. Am größten ist die Auswahl in der Innenverteidigung, nachdem Ömer Toprak und Pavel Krmas wieder fit sind.
Was muss? Was kann? Können muss in Freiburg gar nichts. Beim SC lebt man mit dem Wissen um den möglichen Abstieg. Platz 14 wie im Vorjahr ist aber immer drin.
Zugänge: Maximilian Nicu (Hertha BSC Berlin), Jan Rosenthal (Hannover 96), Nicolas Höfler (SC Pfullendorf), Zvonko Pamic (NK Karlovac/Leihspieler von Bayer Leverkusen), Alain Junior Ollé Ollé (RW Ahlen/war ausgeliehen), Daniel Williams (SC Freiburg II), Andreas Glockner (TuS Koblenz/war ausgeliehen), Michael Müller (1. FC Saarbrücken/war ausgeliehen)
Abgänge: Eke Uzoma (TSV 1860 München), Du-Ri Cha (Celtic Glasgow), Mohamadou Idrissou (Bor. Mönchengladbach), Sandro Sirigu (1. FC Heidenheim), Michael Langer (FSV Frankfurt)
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