Bielefeld. Im Karlsruher Ortsteil Durlach dürften einige Fußball-Fans ungläubig die Ergebnisübersicht des ersten Bundesliga-Spieltags bestaunt haben. Da hat doch tatsächlich Arminia Bielefeld, die Mannschaft, die sie noch vor wenigen Tagen als Absteiger Nummer eins verhöhnt hatten, gegen Werder Bremen, immerhin deutscher Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer, ein 2:2 geholt.
Damit nicht genug: nahezu die gleiche Mannschaft , die im Pokal beim Durlacher Oberligisten noch riesige Probleme offenbart und sich am Rande einer Niederlage bewegt hatte, erarbeitete sich aus dem Spiel heraus mehr Torchancen als der Gegner und bewies dazu noch eine tolle Moral. Zwei Mal steckte sie nach einem Rückstand nicht auf und erkämpfte sich den Ausgleich. "Diese Leistung mag für andere eine Überraschung sein - für uns nicht", sagte Arminias Doppel- Torschütze Artur Wichniarek mit einem Seitenhieb in Richtung all derer, "die uns schon vor dem Start in die zweite Liga geschrieben haben".
Michael Frontzeck verblüffte den Gegner und die 24.700 Zuschauer in der Schüco-Arena mit einer veränderten Taktik. Mit Daniel Halfar und Neuzugang Christopher Katongo bot Arminias Trainer zwei Halbstürmer an der Seite von Angriffsspitze Artur Wichniarek auf. Dass sich die Mannschaft "in diesem System wohlfühlt"(Frontzeck) war von Beginn an zu spüren. Besonders defensiv, oder in des Trainers Diktion "gegen den Ball", arbeiteten die Gastgeber in der neuen, alten Formation über weite Strecken der Partie sehr effektiv.
So musste Thomas Schaaf kopfschüttelnd mitansehen, wie seine Spieler sich trotz einem Plus an Ballbesitz die Zähne an der DSC-Deckung ausbissen. Als würde ein Fluch über der Schüco-Arena liegen, beklagte Werders Trainer, "dass wir eigentlich immer eine klare Linie haben, nur in Bielefeld kriegen wir das offenbar nicht hin".
Arminias Halbstürmer ließen über die Außenbahnen wenig zu. Die Abwehrspieler, allen voran ein stark auftrumpfender Markus Schuler, agierten aufmerksam. Über den Linksverteidiger liefen in der ersten Halbzeit sogar die meisten Offensivaktionen. Für einen Torerfolg mangelte es am letzten Pass oder an entschlossener nachrückenden Mitspielern. Wie wichtig Artur Wichniarek nach den Abgängen der bundesligaerfahrenen Sibusiso Zuma und Christian Eigler in dieser Saison werden dürfte, zeigte die zweite Halbzeit. "Artur war da, wo ein Stürmer sein muss und hat die Sache vor dem Tor eiskalt erledigt", sagte Michael Frontzeck über die wichtigen Ausgleichstreffer des Bielefelder Rekordschützen.
Individuelle Fehler, die laut Frontzeck "jeder machen darf, wenn sich die Mannschaft als Ganzes so präsentiert wie gegen Werder", hatten Arminia zwei Mal ins Hintertreffen (60. und 80. Spielminute, jeweils Markus Rosenberg ) gebracht. "Aber wir haben Moral bewiesen und sind zurückgekommen", meinte Kapitän Rüdiger Kauf.
Und vielleicht war auch das Glück des Tüchtigen dabei: Jonas Kamper und Robert Tesche, beide zunächst auf der Bank, schlüpften in die Jokerrolle und bereiteten Wichniarek den Weg zu seinen ersten beiden Saisontoren (74. und 81.). "Die Einwechselungen haben gegriffen", sagte Michael Frontzeck wohlwissend, dass er und die Seinen trotz eines beachtlichen Auftritts am Ende auch mit leeren Händen hätten dastehen können. So war es für den Bielefelder Trainer "ein guter Anfang - mehr nicht". Frontzeck weiß, dass der Weg bis zum Klassenerhalt lang ist und registrierte deshalb gern "eine Leistung, auf die man aufbauen kann". Ob die Fans des ASV Durlach jetzt Abbitte leisten, dürfte ihn herzlich wenig interessieren.
Bielefeld: Eilhoff - Lamey, Bollmann, Kucera, Schuler - Kauf - Katongo, Kirch, Marx (68. Kamper), Halfar (79. Tesche) - Wichniarek.
Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Naldo, Boenisch - Baumann - Frings, Jensen - Hunt (70. Özil) - Rosenberg, Hugo Almeida (72. Sanogo).
Schiedsrichter: Jochen Drees (Mainz)
Tore: 0:1 Rosenberg (60.), 1:1 Wichniarek (74.), 1:2 Rosenberg (80.), 2:2 Wichniarek (81.)
Zuschauer: 24.700
Gelbe Karten: Kamper, Bollmann - Hunt, Rosenberg











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