Bielefeld (jr). Der Fall um Arminia-Ordner Radenko Radic (35) wird immer verworrener. Erst vor einem Monat drohte sein Rechtsanwalt Holger Rostek, Arminia Bielefeld bei Nichtzahlung eines zusätzlichen Schmerzensgeldes von 30.000 Euro zu verklagen (die NW berichtete). Jetzt meldet sich ein zweiter Rechtsanwalt. Dieser zweifelt wiederum die Fahndungsergebnisse der Polizei an. Ihm zufolge habe man damals im Gästeblock noch lange nicht alle Täter ausfindig gemacht.
Direkt nach dem Angriff auf Radenko Radic am 3. Mai konzentrierte sich die achtköpfige Ermittlungskommission Stadion auf den härtesten Kern der Fankurve, dem gewaltbereiten Teil der Ultras. Nach der schnellen Festnahme einer 21-jährigen Frau und eines 19-jährigen Mannes aus Bochum hatte die Polizei wegen der Videoaufnahmen von einer erdrückenden Beweislast gesprochen. Laut Polizeiangaben soll die 21-jährige Janine B. damals von einem Wellenbrecher auf den Kopf des am Boden liegenden Radenko Radic gesprungen sein. Doch daran bestehen Zweifel.
Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ordnete jedenfalls nach dem späten Abschluss der Videoanalyse nun Nachvernehmungen in dem Fall an. "In Bochum wurden in unserem Auftrag nochmals vier Zeugen vorgeladen", bestätigte Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart auf Anfrage der Lokalredaktion. Ob es dabei um die Aufklärung des genauen Tathergangs gehe oder um die Identifizierung weiterer Tatverdächtiger, konnte er nicht sagen.
Auch Gabor Subai, Rechtsanwalt von Rechtsanwaltgehilfin Janine B., hat das Videomaterial gesehen: "Die Darstellung, wonach meine Mandantin von einem Wellenbrecher auf den Kopf des Ordners gesprungen sein soll und dies sogar gestanden habe, ist schlicht falsch." Bei ihrem Sprung habe Radic noch gestanden, so Subai. "Das zeigen die Bilder unzweifelhaft."
Erst zu einem späteren Zeitpunkt sei der Arminia-Ordner aus noch nicht geklärten Gründen zu Boden gegangen. Unter anderem habe ein Unbekannter auf dem Video dem DSC-Ordner in den Nacken gegriffen und vermutlich auch auf ihn eingetreten. Einer der DSC-Ordner sagte aus, dass die Tritte aus unterschiedlichen Richtungen von bis zu vier Personen gekommen seien. "Beschuldigt werden aber drei Personen und meine Mandantin hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits vom Tatort entfernt", so Subai.
Die Verzögerungen im dem Fall Radic blockieren nun auch die Interessen des Bielefelder Anwalts Holger Rostek. Sein Appell an Arminia Bielefeld, sich mit ihm außergerichtlich über das Schmerzensgeld zu einigen, blieb unbeantwortet. Trotz DFB-Strafe über 30.000 Euro hatte Rostek zusätzliches Geld gefordert ("Arminia ist für den Unfall verantwortlich"). Da sich die Vereinsführung immer noch nicht gerührt habe, bleiben Radenko Radic – er leidet noch immer massiv unter den Folgen der Attacke – und seinem Anwalt nur der Klageweg. "Sobald die Akte hier ist, klagen wir", kündigte Rostek an.











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