Bielefeld. Als der vierte Schiedsrichter namens Tobias Welz die Nachspielzeit von 3 Minuten anzeigt, beginnt eine Ewigkeit. Sekunden fühlen sich an wie Minuten. Arminia tut alles, um einen Sieg, den zweiten in dieser Saison, einzufahren. Stefan Aigner wird für Artur Wichniarek eingewechselt. Der lässt sich so viel Zeit, dass der Leverkusener Tranquillo Barnetta fast durchdreht, ihn vom Platz schubsen will. 25 Sekunden sind verstrichen. Auch Dennis Eilhoff trödelt beim Abstoß, sieht wegen Verzögerung Gelb. Bayer-Star Renato Augusto schlägt den Ball kopflos ins Toraus. Immer noch schweigt die Pfeife von Schiedsrichter Marc Seemann.
Beim Schlusspfiff hat die Verlängerung fast fünf quälend lange Minuten gedauert. Aber dann steht es fest: Arminia Bielefeld darf endlich wieder einen Spieltag voll genießen – nach dem 2:1 (0:0) gegen Bayer Leverkusen sogar als Spitzenreiterbesieger.
Auch in der Tabelle wirkt sich das Resultat verschönernd aus. Bielefeld springt von 17 auf 14, weil alle Keller-Konkurrenten verlieren. Doch der wahre Verdienst dieser Runde lässt sich nicht in Platzierungen ausdrücken. "Wenn du gut spielst und viel Aufwand betreibst, aber die Punktausbeute nicht stimmt, ist es schwierig, den Glauben hochzuhalten", sagt Trainer Michael Frontzeck, "der Blick auf die Tabelle ist jetzt angenehmer, aber das interessiert mich erst am 34. Spieltag."
Es war ein Sieg fürs Selbstvertrauen, das nach unglücklicher Niederlage gegen Gladbach (0:2) und verpasstem Dreier in Stuttgart (0:0) eine weitere Enttäuschung binnen drei Wochen kaum verkraftet hätte. "Das Zutrauen mitzunehmen, dass diese Mannschaft das Zeug hat, in dieser Liga zu bestehen, war das Wichtigste", befindet Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier.
Die Arminen lassen wenig Bayer-Ballzauber zu
Für den Ex-Arminen Bruno Labbadia stand das ohnehin außer Frage. Der Verlauf der Partie im winterlichen Ostwestfalen hat ihn nur bestätigt in seiner Auffassung, "dass Arminia nie die Ordnung verliert". Allerdings trauerte er der ersten vergebenen Chance von Patrick Helmes nach, der in der 17. Minute am prächtig per Fuß abwehrenden Dennis Eilhoff scheiterte: "Du musst hier früh in Führung gehen, dann kann das Spiel einen anderen Verlauf nehmen." Die Arminen lassen ansonsten wenig Bayer-Ballzauber zu, stellen Passwege für die gefürchteten Direktkombinationen lauffreudig und geschickt zu. Nach vorne geht bei den Platzherren wenig, es bleibt bei Fernschüssen von Thorben Marx (6.) und Jonas Kamper (33.).

Info
Gegen den Top-Torjäger Wichniarek verhindert Adler jedoch nach Helmes’ Anschlusstor (78.) das fast sichere 1:3. So mussten die Gastgeber noch eine Weile um den Sieg zittern. Den retten Eilhoff reaktionsschnell beim Freistoß von Helmes (85.) sowie die Leverkusener Manuel Friedrich und Simon Rolfes, die sich in aussichtsreichster Position gegenseitig behindern. "Ob der Sieg ein Stück weit auch glücklich zustande kam, ist mir egal", sagt Frontzeck, wie von einer Last befreit.
Arminia Bielefeld - Bayer Leverkusen 2:1 (0:0)
Bielefeld: Eilhoff - Lamey, Herzig, Kucera, Schuler - Kauf, Marx - Kirch, Katongo (46. Halfar), Kamper (81. Mijatovic) - Wichniarek (90.+1 Aigner).
Leverkusen: Adler - Sarpei (67. Dum), Friedrich, Henrique, Kadlec - Rolfes - Renato Augusto, Vidal (72. Gekas), Barnetta - Helmes, Kießling.
Tore: 1:0 Wichniarek (53.), 2:0 Halfar (69.), 2:1 Helmes (78.)
Zuschauer: 20.700
Rote Karte: Dum wegen groben Foulspiels (87.)
Gelbe Karten: Eilhoff, Kauf (3) - Rolfes (2)










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