Bielefeld. Als Giovanni Trapattoni beim FC Bayern die legendäre "Flasche-leer-Rede" hielt, galt sein Unmut schwächelnden Spielern wie Thomas Strunz. Arminia-Trainer Michael Frontzeck hat zurzeit keinen Grund, mit seinem Personal unzufrieden zu sein. Die Zuschauerzahlen hingegen sind ausbaufähig. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sich Frontzeck zu einer Brandrede hinreißen lässt: "Was erlauben Fans? Tribüne leer!"
Am morgigen Samstag (15.30 Uhr) erwartet Arminia den VfL Bochum. Auch das zehnte Heimspiel dieser Saison wird nicht ausverkauft sein. Gestern waren 18.600 Tickets vergeben, so dass mit einer Zuschauerzahl knapp über der 20.000-Marke gerechnet werden kann. Viel zu wenig, findet die Arminia-Führung und überlegt, wie mehr Fans ins Stadion gelockt werden können. Eine Senkung der Preise in der kommenden Spielzeit ist kein Tabu mehr. "Nach der Saison werden wir uns zusammensetzen und über die Preisstruktur reden", sagt Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch.
Gemeint sind damit vor allem die Eintrittspreise auf der umgebauten Osttribüne. Sie bleibt ein Sorgenkind, auch weil ganz Fußball-Deutschland registriert, wenn sie leer ist. Da die Fernsehsender von der Westtribüne filmen, haben die TV-Zuschauer die neue Haupttribüne stets im Blick – und damit die Leere, die vor allem auf den teuren Plätzen herrscht. Warum ist das Schmuckstück bei den Fans so unbeliebt? "Die Leute müssen die Tribüne erst einmal annehmen", versucht sich Arminia-Sprecher Axel Ubben an einer Erklärung. Eine gewisse Eingewöhnungszeit sei normal.

Info
Was wissen Sie über Arminias nächsten Gegner? Testen Sie ihr Wissen. Hier geht es zum Bochum-Quiz
Ein paar Besucher mehr hätten es bei allen Spielen dieser Saison sein dürfen. Die Bestmarke wurde mit 25.400 Zuschauern gegen Dortmund (0:0) erzielt. Doch auch da fehlten knapp 2.000 Gäste, um die Arena komplett zu füllen. An überteuerten Ticketpreisen, wie viele Fans in Internet-Foren behaupten, liege die Zurückhaltung nicht, betont Arminia.
Die Preise bewegten sich im Mittelfeld der Liga. Kentsch rechnet bei den Zuschauer-Einnahmen damit, "dass wir zum Ende der Saison ein Rekordergebnis erzielen werden". Dies ist auch dadurch zu erklären, dass die Fans keineswegs davonlaufen. Laut Arminia-Sprecher Ubben wurde in dieser Saison mit 13.077 Dauerkarten (inklusive 700 Rückrunden-Dauerkarten) ein Rekord erzielt (Vorjahr: 11.989). Die durchschnittliche Zuschauerzahl von 22.677 bewegt sich auf dem Niveau der vergangenen Spielzeiten (siehe Grafik).
Weitere Angebote, um diesen Wert zu erhöhen, schließt Arminia nicht aus. Ohnehin werden einige Zahltage erwartet angesichts der Gegner, die in der Rückrunde noch zu Gast sind: Schalke, Bayern und Hoffenheim. Spätestens dann sollen sich die Fans mit der Osttribüne angefreundet haben. Sonst könnte sich Michael Frontzeck das mit der Brandrede noch einmal überlegen.





Twitter



stehenden Code hier ein*: