Bielefeld/Wolfsburg. Die Parolen im Internet-Forum des VfL Wolfsburg haben nach der gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Ultras aus Wolfsburg und der Polizei extrem aggressive Formen angenommen. Wie berichtet war Samstagabend ein 16-jähriger Wolfsburger auf dem Weg zum Bahnhof schwer verletzt worden – von Polizisten, wie die Fans sagen. Einige der sogenannten Fans forderten nun zu offener Gewalt gegen Polizeibeamte auf. Auf der anderen Seite bemüht sich die Polizei um schnelle Aufklärung.
Entgegen gezielt gestreuten Gerüchten im Internet musste der 16-Jährige am Samstag weder wiederbelebt werden, noch lag er im Koma. Bei dem Aufeinandertreffen zwischen den Wolfsburg Ultras und den Polizeibeamten wurde der Jugendliche unterhalb der Nase schwer verletzt (tiefe Platzwunde).
Wie Polizeisprecher Martin Schultz gestern bestätigte, habe die Behörde von Amts wegen Anzeige gegen Unbekannt erstattet. "Dadurch ist es jetzt unerheblich, ob die Eltern ihrerseits noch Anzeige erstatten." Das Kommissariat für Beamtendelikte ermittle in jedem Fall. Weil Polizeibeamte nach dem Vorfall auch Anzeige gegen den 16-jährigen Wolfsburger wegen Widerstandes erstattet hätten, seien somit auch alle Beteiligten namentlich bekannt. "Wir werden den Fall vorbehaltlos aufklären", kündigte Schultz an.
Bedenkliche Veränderung in der Fan-Szene
Nach dem gestrigen NW-Bericht meldeten sich einige Bielefelder, die zuvor die zumeist jugendlichen Ultras aus Wolfsburg hautnah erlebt haben. In der stadionnahen Gaststätte Schloßhof sollen sie unentwegt gepöbelt und Frauen sexuell belästigt haben. Auch hier musste die Polizei eingreifen. "So aggressiv habe ich bisher noch keine Gästefans erlebt", sagte der fan-erfahrene Betreiber. "Ich selbst war kurz davor, dass mir die Hand ausrutscht."
Wolfsburgs Polizeisprecher Sven-Marco Claus zeigte sich über das aggressive Verhalten der Fans erstaunt: "Auch wir haben gewaltbereite Fans der sogenannten Kategorie C, aber im Vergleich mit anderen Bundesligisten sind die noch überschaubar." Allerdings sei rund um die Bundesliga-Stadien eine allgemein bedenkliche Veränderung in der Fan-Szene zu erkennen. "Auch beim vergangenen Heimspiel gegen Karlsruhe wurden die Polizeibeamten in Wolfsburg von einer sehr aggressiven Stimmung überrascht."
"Da fehlt die Verhältnismäßigkeit"
Dass angesichts solcher Entwicklungen, ein Polizeibeamter einen Fan wegen Missachtung einer roten Fußgängerampel festhalte, ist für den Fanbeauftragten des VfL Wolfsburg, Holger Ballwanz, unverständlich. "Da fehlt die Verhältnismäßigkeit."
Der Polizist soll laut Augenzeugenberichten 5 Euro Verwarnungsgeld gefordert haben, andernfalls drohte er dem 29-Jährigen an, gehe er "über Nacht in den Knast". Diese Szene löste letztlich den Tumult durch solidarische Fans auf der Jöllenbecker Straße aus. Erst daraufhin entschieden sich die Beamten der begleitenden Einsatzhundertschaft Münster zum Zugriff.











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