Bremen. Bann gebrochen, den ersten Auswärtssieg seit einer Arminen-Ewigkeit eingefahren - und die Schmach vom 1:8 aus dem September 2007 getilgt. Mit hoch erhobenen Häuptern durften sich die Bielefelder nach dem 2:1-Triumph im Bremer Weserstadion von den rund 2.000 mitgereisten Fans feiern lassen.
Der stets gefasste DSC-Trainer Michael Frontzeck nahm deshalb auch das Wort "überglücklich" in den Mund und sah der Rückfahrt mit drei Punkten im Gepäck gespannt entgegen: "Das bin ich ja schließlich nicht gewohnt!" Mit taktischer Disziplin, der in Fleisch und Blut übergangenen Laufbereitschaft und Kampf bis zum Ende der Nachspielzeit hatte sein Team den Sieg eingefahren. Dabei hatte sich Frontzeck in der Schlussphase, als der Ausgleich durchaus möglich schien, gefragt: "Warum sollten es immer wir sein, die um den Lohn der Arbeit gebracht werden?"
Dieses Mal waren es nicht die Arminen. Nur zehn Minuten lang spielte der SV Werder in etwa so, wie es von einer Mannschaft erwartet wird, die in gut zwei Wochen gegen den AC Mailand bestehen will: Dominant und mit Zug zum Tor. Doch außer zwei Ecken sprang nichts heraus. Dann hatten sich die Gäste stabilisiert und unternahmen erste Ausflüge in des Gegners Hälfte. Beim Flachschuss von Michael Lamey (20.) hatte Werder-Torhüter Tim Wiese noch Glück, dass der Ball am langen Pfosten vorbeistrich. Kurz darauf rettete Wiese nach einer ein wenig zu unpräzisen Hereingabe Vlad Munteanus, in der 24. Minute war es dann aber so weit. Eine schulbuchmäßige Spielverlagerung auf den starken Rechtsverteidiger Lamey passte der flach vors Tor und Thorben Marx vollstreckte zum inzwischen verdienten 1:0 für Bielefeld. Exakt diesen Ablauf hatte Trainer Michael Frontzeck in den Trainingseinheiten in Spanien und in der Heimat immer wieder einstudieren lassen.
Die völlig verdutzten Bremer mussten in der 34. Minute eine weitere Top-Chance der nun sehr zielstrebigen Arminen über sich ergehen lassen. Artur Wichniarek bekam den Flachpass von Oliver Kirch aber nicht richtig unter Kontrolle und setzte den Ball knapp neben den Pfosten. Erst danach fanden die Bremer langsam zurück ins Spiel. Beim Ausgleich durch Hugo Almeida half jedoch das Glück nach. Torhüter Dennis Eilhoff rutschte bei einer Rettungstat mit dem Ball in der Hand um ein paar Zentimeter aus dem Strafraum. Den Freistoß drosch Almeida unhaltbar in die Maschen (44.).
"Psychologisch ungünstigster Zeitpunkt" nennt man ein solches Gegentor kurz vor der Pause, doch die Arminen zeigten sich entgegen aller Fußballerweisheit nicht im Mindesten beeindruckt. Nur gute drei Minuten nach dem Wiederanpfiff eroberte Chris Katongo den Ball von Torsten Frings, passte präzise in den Lauf von Artur Wichniarek, der kühl bis ans Herz mit links an Wiese vorbei zum 2:1 einschob. Es war der elfte Saisontreffer des Polen.
Zwei mögliche Elfmeter verwehrt Schiedsrichter Babak Rafati bei heiklen Strafraumsituationen den ungeordnet anrennenden Bremern, einmal klärt Andre Mijatovic in höchster Not. Eine Glanzparade noch von Eilhoff bei Peter Niemeyers Flachschuss (80.) - dann ist das Ziel erreicht. "Heute abend können wir uns kurz freuen", meinte Frontzeck und lächelte sogar für einen Moment.
Werder Bremen - Arminia Bielefeld 1:2 (1:1)
Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Niemeyer, Tosic (72. Boenisch) - Frings - Vranjes (46. Jensen), Tziolis - Özil - Rosenberg (62. Harnik), Hugo Almeida
Arminia Bielefeld: Eilhoff - Lamey, Mijatovic, Bollmann, Kucera - Marx, Kauf - Kirch (82. Tesche), Katongo, Munteanu (67. Halfar) - Wichniarek (90. Kamper)
Tore: 0:1 Marx (24.), 1:1 Hugo Almeida (44.), 1:2 Wichniarek (49.)
Zuschauer: 38.522
Schiedsrichter: Rafati (Hannover)
Gelbe Karten: Frings (4), Niemeyer (1) / Halfar (3), Kucera (1)
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