Beim 1:2 in Cottbus manifestiert sich das Manko im Torabschluss / Flucht in Durchhalteparolen
Cottbus. Markus Bollmann ist gespannt. Gespannt auf die Reaktion, die er und seine Mitspieler am Samstag zeigen. Die Bayern kommen. "Nicht gerade ein leichter Gegner", meint Arminias Verteidiger mit einem Hauch Sarkasmus. Bielefelds Profifußballern ist dieser Tage nicht nach Spaßen zu Mute. Die Lage ist zu ernst. Anstatt sich selbst von den drei Unterrängen zu distanzieren, ließen sie einen Konkurrenten durch die bittere 1:2-Pleite bei Energie Cottbus aufschließen.
Sich in solchen Momenten Mut mit Durchhalteparolen zu machen, ist nur allzu menschlich. Artur Wichniarek erinnert, dass "wir auch letztes Jahr in Cottbus verloren haben und dringeblieben sind." Trainer Michael Frontzeck betont, dass wir "schon viele schwierige Situationen bewältigt haben." Das ist es auch, was Albrecht Lämmchen, dem einzigen in Cottbus anwesenden Vorstandsmitglied, Mut macht: "Wir haben Erfahrung im Abstiegskampf. Daran klammere ich mich."
Arminia Bielefeld geht wieder einmal den schweren Weg. Dabei hätten sie es einfacher haben können. "Zwingend", so Michael Frontzeck, hätte seine Mannschaft in Cottbus zur Pause 2:0 führen müssen. Doch wenn man seine Torchancen nicht nutze, "darf man sich hinterher auch nicht beschweren". Chris Katongo, Thorben Marx und Artur Wichniarek – drei Bielefelder Spieler mit besten bis sehr guten Einschussmöglichkeiten. Während sie scheiterten, traf der von Arminias Verteidigern alleingelassene Dimitar Rangelow zwei Minuten vor der Pause zum 1:0.
"Den muss er reinmachen"
Besonders Katongos dilettantischer Fehlschuss erregte die Gemüter. "Egal wie, aber den muss er reinmachen", haderte Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier. Der so gescholtene konnte einem fast Leid tun. Sichtlich nervös und auch ein wenig schuldbewusst versuchte er sich für seinen grausamen Fehlversuch aus fünf Metern zu verteidigen: "So etwas passiert nun mal im Fußball. Ich habe es doch nicht absichtlich gemacht." Das wird ihm niemand unterstellen wollen.
Die Szene, die nicht für sich allein in dieser Saison steht, verdeutlicht allerdings, dass "unser Manko das Toreschießen ist" (Dammeier) und Katongo nicht den erwünschten Ersatz für die im Sommer geschiedenen Christian Eigler und Sibusiso Zuma darstellt. Dass in diesem Zusammenhang das Thema "Verstärkungen in der Winterpause" aufkommt, war den sportlich Verantwortlichen klar.
Doch Michael Frontzeck bleibt bei seiner Meinung. "Nur, damit wir später sagen können, wir haben ja was gemacht, sollte man keinen neuen Spieler holen." Einen Stürmer der Kategorie Wichniarek hätte der Klub nicht bezahlen können. "Da hätten wir schon eine Bank ausrauben müssen." Es ist Frontzeck und Dammeier abzunehmen, dass sie die Finanzlage ihres Arbeitgebers kennen und verantwortlich mit den Ressourcen umgehen. Dennoch wird in Führungskreisen hinter vorgehaltener Hand schon von verfehlter Personalpolitik geredet. In diesem Bereich – durch den stärker werdenden Vlad Munteanu teilweise geschehen – sind jedoch keine Nachbesserungen möglich.
Kamper als Hoffnungsträger
Und so bleibt Jonas Kamper, dessen Mitwirken gegen Bayern weiter fraglich ist, die einzige Hoffnung. Denn die in Cottbus in die Partie gekommenen Oliver Kirch, Daniel Halfar und Zlatko Janjic – alle offensiv ausgerichtet – vermochten dem Spiel nicht die entscheidende Wende zu geben. Der Torabschluss blieb auch nach Vlad Munteanus Ausgleich (48.) und Stanislaw Angelows Siegtreffer (59.) das Manko aller Arminen – nicht nur das von Artur Wichniarek und Chris Katongo.
"Wir machen oft genug Torschusstraining, besonders für die Stürmer, aber man kann den Ernstfall halt nur begrenzt üben", sagt Michael Frontzeck. Der nächste Ernstfall tritt am Samstag ein. Was bis dahin auf dem Dienstplan steht, dürfte klar sein.
Energie Cottbus - Arminia Bielefeld 2:1 (1:0)
Cottbus:
Tremmel - Radeljic, Cagdas, Cvitanovic, Ziebig - Rost - Angelow (90.+1
Pavicevic), Skela, Iliev (75. Kukielka) - Jula (84. Shao), Rangelow
Bielefeld: Eilhoff
- Lamey (77. Janjic), Mijatovic, Bollmann, Schuler - Kauf, Marx -
Tesche (63. Kirch), Katongo (63. Halfar), Munteanu - Wichniarek
Tore: 1:0 Rangelow (43.), 1:1 Munteanu (48.), 2:1 Angelow (59.)
Zuschauer: 17.150
Schiedsrichter: Lutz Wagner (Hofheim)
Gelbe Karten: Cvitanovic (2), Angelow (5), Rangelow (2), Ziebig (5/2) - Lamey (3), Tesche (2)
stehenden Code hier ein*: