Bielefeld. Der Schiedsrichter hatte das Spiel zwischen Arminia Bielefeld und Bayern München gerade abgepfiffen, da rannte ein kleiner Fußballfan über das halbe Spielfeld und wollte sich Autogramme seiner Stars sichern. Der Unterschriftensammler steuerte nicht auf die nach dem 0:1 enttäuschten Bielefelder zu, sondern suchte die Nähe eines Bayern-Spielers. Geschickt hatte er sich zuvor an den Ordnern am Spielfeldrand vorbeigeschlichen und war durch einen strammen Spurt an sein Ziel gelangt – Franck Ribéry.
In den 30 Sekunden seines Auftretens strahlte der kleine Nachwuchsfan etwas aus, das die Bielefelder in den vergangenen Spielen hatten vermissen lassen – er wusste genau, was er wollte, und bekam es. Während ihn kurz darauf ein herbeigeeilter Ordner vom Feld führte, trug der Autogrammjäger stolz sein Heft mit der Unterschrift des französischen Nationalspielers vor sich her. Im Gegensatz zu den in Unschuldsweiß gekleideten Arminen fuhr er damit nach dem Spiel nicht mit leeren Händen nach Hause.
Vollkommen unbepackt, mit einigen trainertypischen Standardanalysen im Hinterkopf, betrat DSC-Trainer Michael Frontzeck eine halbe Stunde nach Abpfiff den Presseraum der Schüco-Arena: "Die Jungs haben 94 Minuten hervorragend gegen den Ball gearbeitet," gab er unter anderem zu Protokoll. Eine wohl unbewusst eindeutig zweideutige Aussage des Arminen-Trainers. Positiv gelesen besagt sie, dass seine Mannschaft alles gegeben hat, es am Ende aufgrund eines Kopfballtores von Luca Toni aber nicht zu mehr als Nichts gereicht hat.
Alarmglocken schrillen beim Sportclub
Jedoch ist auch eine andere Deutung der Frontzeckschen Worte möglich: Die Mannschaft hat nicht mit dem Ball gearbeitet, sondern dagegen. Kurz: Sie konnte und wollte nicht viel mit dem Spielgerät anfangen und musste zwangsläufig verlieren. Beide Aussagen haben ihren Wahrheitsgehalt.
Seit vier Heimspielen in Folge ist Bielefeld ohne Torerfolg, mit nur einem gewonnenen Punkt aus dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Die Alarmglocken schrillen bei den Verantwortlichen des ostwestfälischen Sportclubs. Sie spüren: Es ist höchste Zeit etwas zu unternehmen. Deshalb fahren die Arminen vor dem Endspiel beim Mitabstiegskonkurrenten Mönchengladbach (So., 26. April, 17 Uhr) von Dienstag bis Donnerstag in ein dreitägiges Trainingslager nach Herzlake. Dort sollen sie ihren Teamgeist beschwören, Kraft tanken und viele Gespräche führen.
"Sie waren stets bemüht"
Gesprächsbedarf besteht wenige Spieltage vor Saisonende ob der zuletzt erzielten Ergebnisse reichlich. Zwar gibt es in der Bundesliga keine Zeugnisse, dennoch dürfte eine aus der Zeugnissprache stammende Formulierung das Auftreten der Arminen treffend beschreiben: "Sie waren stets bemüht." Konkret heißt das: Sie waren zwar bemüht, haben es aber nicht geschafft. Bemühen genügt nicht, um die Klasse zu halten. Das wird auch Michael Frontzeck wissen, der wohl nur allzu gern "die Mannschaft erfüllte ihre Aufgaben stets zu meiner vollsten Zufriedenheit" in die Spielerzeugnisse schreiben würde.
Noch ist es für die Arminen nicht zu spät, um aus einem mangelhaften Zeugnis ein ausreichendes oder gar befriedigendes zu machen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere DSC-Akteur in den letzten Saisonspielen an den kleinen Ribéry-Autogrammjäger. Der wollte unbedingt, und bekam was er wollte. Zuhause angekommen dürfte er vollends zufrieden mit seiner Ribéry-Unterschrift unterm Kopfkissen eingeschlafen sein. Einen derart zufriedenen Schlaf müssen sich die Arminen erst noch verdienen - und sie müssen ihn wollen.
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