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28.05.2009
Das Regime Kentsch
Kritiker Kauf massiv unter Druck gesetzt
VON PETER BURKAMP

In der Kritik | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Als Rüdiger Kauf (34), integrer und allseits respektierter Mannschaftskapitän von Arminia Bielefeld, nach dem Rauswurf von Trainer Michael Frontzeck am Sonntag, 17. Mai, auch "den Oberen" riet, sich zu hinterfragen und die Schuld für den sportlichen Niedergang nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selbst zu suchen, wusste er genau, was er sagte.

Kaufs Kritik, in den vergangenen Jahren sei entgegen wiederholter Beteuerungen zu wenig Geld in die Mannschaft investiert worden, würde Arminias Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch auf die Palme bringen. An Kaufs Worten gab es jedoch nichts zu rütteln. TV- und Radioreporter hatten sie längst verbreitet. Am vergangenen Montag, der Abstiegskampf war gerade verloren, wurde Kauf beobachtet, wie er gegen 17.30 Uhr die DSC Arminia Bielefeld-Geschäftsstelle betrat. Zur Standpauke bei der Geschäftsführung. Kentsch soll gewütet, Detlev Dammeier schweigend zugesehen haben.

Info

Schwick: "Es gibt viel aufzuarbeiten"

Gegenüber Radio Bielefeld äußerte sich DSC-Präsident Hans-Hermann Schwick am Donnerstagnachmittag: "Ich bin tief betrübt über die Diskussion und das öffentliche Erscheinungsbild unserer Arminia. Ich glaube, es gibt in der nächsten Woche in den Gremien viel zu besprechen und aufzuarbeiten."


Kauf sollte eine Geldstrafe akzeptieren. Er tat es trotz einschüchternd wirkender Atmosphäre nicht. "Kentsch hat Kauf gedroht, dass er kein Spiel mehr für Arminia macht, wenn er nicht die Klappe hält", berichtete Kaufs Berater Rainer Störk dem Kicker. Derart unter Druck gesetzt, mag Kauf sich zu diesem Thema im Moment gar nicht äußern: "Dazu etwas zu sagen, ist für mich zu riskant." Wie riskant, war am Montagabend unmittelbar nach Kentschs Ausbruch beim Arminen-Stammtisch von Radio Bielefeld zu spüren. Arminias Rekordbundesligaspieler (170 Spiele) gab sich einsilbig, trat von seiner geäußerten Kritik aber nicht zurück.

Auch Hain erlebte verbales Donnerwetter

Wie es zugegangen ist beim Rapport bei Kentsch, kann sich Mathias Hain lebhaft vorstellen. Kaufs Amtsvorgänger als Kapitän und früherer DSC-Torwart war selbst einige Male mit Kentsch aneinandergeraten. Als Hain es einmal gewagt hatte, sich und die Mannschaft gegen aus seiner Sicht unangebrachte sportliche Kritik des Bänkers Kentsch zu verwahren, brach auch über ihm ein verbales Donnerwetter aus. "Kentsch hat zu mir gesagt, dass er der einzige bei Arminia ist, der machen und sagen kann, was er will", erinnert sich Hain. Der aktuelle Keeper des FC St. Pauli bedauert seine Offenheit nicht. "Ich fand meine Kritik angemessen und möchte grundsätzlich noch jeden Tag in den Spiegel schauen können."

Als es vergangenen Sommer darum ging, seinen Vertrag in Bielefeld zu verlängern, fühlte sich Hain nach langem Hin und Her "vorgeführt". Sowohl Trainer Michael Frontzeck als auch Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig wollten Hain halten. "Ich glaube, dass mir meine offene Art zum Verhängnis geworden ist", meint Hain im Rückblick.

Alleinherrscher über die Alm

Kaum ein anderer für die Finanzen zuständige Kollege in der Liga exponiert sich derart in der Öffentlichkeit wie Roland Kentsch. Vielen Beobachtern erscheint er wie der Alleinherrscher über die Alm. Kritik an seiner Position bedeutet Majestätsbeleidigung. So wird es von Vielen empfunden. Immer wieder mischt er sich massiv in den sportlichen Bereich ein. Mehrfach beklagten seine Geschäftsführer-Kollegen, nahezu handlungsunfähig zu sein. Regelmäßig hat Kentsch direkt Entscheidungen von Trainern kritisiert. Zuletzt die von Michael Frontzeck. Sei es, dass ihm eine Spitze zu wenig aufgeboten oder seiner Meinung nach nicht passend eingewechselt worden war. Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat ist dieses Verhalten schon lange ein Dorn im Auge. Wiederholt wurde auf Kentsch eingewirkt. Genützt hat es nichts.

Kentsch scheint beratungsresistent

Auch beim Thema Ämterverquickung scheint Kentsch beratungsresistent. Dass er als Vorstandsmitglied qua Satzung Kontrolle über die Geschäftsführung der Arminia KgaA und damit über seinen eigenen Arbeitsplatz ausübt, wird seit Jahren kritisiert und von Vereinsseite immer damit begründet, dass es nützlich für das Projekt Stadionausbau sei. Und Kentsch betont gern, dass er sich heraushalte, wenn es im Vorstand um sein Geschäftsführer-Pendant Sport gehe. So ganz schafft er das dann wohl doch nicht: Das erste Gespräch mit dem Kandidaten Reinhard Saftig führte er.Selbst auf Anraten von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, bei der Jahreshauptversammlung 2008 nicht mehr für den Vorstand zu kandidieren, blieb Kentsch stur. Angesichts der schon damals negativen Stimmung gegen ihn darf vermutet werden, dass – hätte nicht der Vorstand im Ganzen zur Wahl gestanden – Kentsch aus dem Amt gewählt worden wäre.

DER KOMMENTAR: Böses Treiben

VON TORSTEN ZIEGLER
    
Keine Sorge, liebe Leserinnen, liebe Leser, wir werden Sie an dieser Stelle nicht täglich mit Kommentaren quälen, die sich mit dem Auftreten des Finanzexperten von Arminia Bielefeld befassen. Nachdem gestern die von Roland Kentsch erzielte öffentliche Wirkung beleuchtet wurde, ist dessen internes Handeln nach unserer heutigen Berichterstattung leider für die Vereinsinteressen als genauso kontraproduktiv einzustufen.

Nach diversen Selbsterfahrungen mit einem aufbrausenden und wüste Drohungen ausstoßenden Kentsch, die wir, Chefredakteure, Sportchef und Sportredakteure, zur Kenntnis nehmen mussten, konnten wir uns schon immer lebendig vorstellen, wie der Geschäftsführer wohl erst mit abhängig Beschäftigten des DSC Arminia umspringen würde. Die Fälle Rüdiger Kauf und Mathias Hain bestätigen diese Vermutungen. Wer es wagt, an der Person Kentsch zu kratzen, muss um seine Karriere bei Arminia fürchten. Es rangiert jedenfalls sicher irgendwo zwischen Einschüchterungs- und Erpressungsversuch, wie Kentsch jetzt den Rekordbundesligaspieler und Leistungsträger Arminias zum Schweigen gebracht hat.

Es ist mutig und wichtig zugleich, dass Kaufs Berater Rainer Störk die von Hain bestätigten Praktiken an die Öffentlichkeit gebracht hat. Denn nur so wird der Aufsichtsrat des Klubs gezwungen, dem bösen Treiben auf der Geschäftsstelle ein Ende zu setzen.



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Kommentare
Ich habe grade bei Radio Bielefeld gehört was Artur da von sich gegeben hat Das ist do wohl ein Witz !!!! wie so greift da keine ein wen die Spieler keine negativen Äußerung Von sich geben dürfen so auch nicht positive und dann diese Erpressung das ist nicht korrekt Ich finde es auch eine Frechheit auch wenn er einer der besten Spieler war !! egal es muss für alle gelten oder für keinen Wo ist der Herr Kentsch jetzt ??????????????????

Detlef, wenn Du das alles hier als einen persönlichen Rachefeldzug von Herrn Ziegler betrachtest, dann frage Dich doch mal, warum auch andere Medien die Themen genauso aufgreifen und Kommentare zu den Artikeln zulassen. Willst Du jetzt wirklich allen ernstes glauben machen, dass nun mehrere Medien auf einen persönlichen Rachefeldzug aus sind. Dann müsste Herr Kentsch sich in diesem Bereich ja viele Feinde gemacht haben, welches dann so gesehen wieder Aufschluß dazu geben würde, dass doch viel Wahres an den Thesen über ihn dran sein muss!

Lieber Michael! Zu Deinem Kommentar vom 28.5.2009 (17.29Uhr). Zu den Emotionen seiner Familie muss sich Herr Kentsch selber kümmern. Wenn er sich endlich von seinem Stuhl loseisen würde, auf dem er wohl festgewachsen zu scheint, würde der Trubel um ihn auch aufhören. Das er dessen nicht bereit ist, läßt darauf schließen, dass die Gefühle seiner Familie für ihn auch nicht von großer Bedeutung sein können, sofern sie wirklich unter der momentanen Situation leiden sollten. In dem Punkt für Abhilfe zu Sorgen liegt im Aufgabenbereichs von Herrn Kentsch und nicht in den unseren, auch wenn es mir für seine Familie leid tut!

Kentsch ist einfach unfähig und schadet ARMINIA seit Jahren. Ich hoffe es trifft diesmal endlich den "Richtigen". Ich bin mir sicher wir wären ein viel besserer Verein (sportlich und image), wenn der weg wäre. Bitte fordert die Demission von Herrn Kentsch auf der kommenden Jahreshauptversammlung - YES WE CAN!!! AUFBRUCH ARMINIA LETS GO JETZT ODER NIE. Und liebe NW - macht weiter Stimmung gegen K. (...). bitte hau ab kentsch, jetzt.

Detlef - Die Neue Westfälische Sportredaktion hat viel zu lange mit seiner Meinung hinterm Berg gehalten. Jeden morgen schlug ich in sportlichen Krisenzeiten den Sportteil auf und las neutrale, unkritische Berichte über Spiele und Personalentscheidungen. Es wird nun Zeit, offen und kritisch zu berichten. Journalistische Arbeit ist unter anderem auch dazu da Meinungsbewegungen wiederzugeben und tiefer in die Materie einzusteigen, wie es Peter Burkamp (nicht Thorsten Ziegler) in diesem Fall getan hat. Bitte mehr davon. Hier geht es nicht um die Suche nach einem Buhmann, sondern um die Beendigung einer schon lange überfälligen Beziehung zwischen der Arminia und Herrn Kentsch. Es ist so unglaublich offensichtlich wie unfähig Roland Kentsch handelt, sowohl geschäftlich als auch persönlich. Keine Selbstreflektion, Alibi-Parolen und einfach vereinsschädigendes Verhalten, zeigen dass Kentschs' krampfhaftes Festhalten an seinem Stuhl ein reines Zeitspiel ist.



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