Kritik von Schüco-Chef Hindrichs / Ehemalige Angestellte bestätigen Kentschs Ausbrüche
VON PETER BURKAMP
Bielefeld. Auf verschiedensten Ebenen sind Verantwortliche Arminia Bielefelds emsig darum bemüht, wieder Ruhe in die Vereinspolitik einkehren zu lassen. Doch es scheint vergebens. In zahlreichen Internet-Foren kocht die Fan-Seele hoch. Finanzchef Roland Kentsch steht weiter in der Kritik. Viele Anhänger fordern seine Demission.
Hinter den Kulissen bereitet sich die Opposition auf die Jahreshauptversammlung am 22. Juni vor. Auch innerhalb von Aufsichtsrat und Vorstand werden Auswege aus der Krise gesucht und verschiedenste personelle Szenarien durchgespielt. Vorstandsmitglieder erwägen sogar ihren vorzeitigen Rücktritt.
Frühestens Mittwoch werden Arminias Gremien tagen. Beim nächsten Treffen wird es nicht nur darum gehen, die Verpflichtung eines neuen Trainers abzusegnen. "Dann wird ohne Rücksicht auf Personen alles aufgearbeitet werden müssen", sagt Wolfgang Brinkmann und fordert: "Wir müssen sehen, wo Fehler gemacht worden sind und Verantwortlichkeiten finden." Mögliche personelle Konsequenzen schließt das Aufsichtsratsmitglied, das auch Chef von DSC-Sponsor Stadtwerke Bielefeld ist, nicht aus.
Eine Atmosphäre der Angst
Ein "schlüssiges Konzept" fordert Dirk U. Hindrichs. "So wie bisher darf es nicht weitergehen", sagt der geschäftsführende, persönlich haftende Gesellschafter der Schüco International KG: "Aus Sponsorsicht ist der derzeitige Auftritt unserer Arminia nicht gerade ideal. Wir haben uns auch über die Frequenz der Entscheidungen gewundert, die letztendlich zum Abstieg geführt haben", sagte Hindrichs.
Unterdessen wird immer deutlicher, welches Regiment Roland Kentsch auf der Geschäftsstelle in der MelanchthonStraße führt. Laut Insidern habe Kentsch, der vor kurzem als Herausgeber des Buches "Nicht nur Tore zählen – Fußballvereine und soziale Verantwortung" hervortrat, auf der Geschäftsstelle eine Atmosphäre der Angst erzeugt.
Neben den Fußballern Rüdiger Kauf und Mathias Hain, der am Donnerstag alle gegenüber dieser Zeitung getätigten Äußerungen bei Radio Bielefeld bekräftigte, mussten auch andere zum Rapport bei Kentsch. "Was Kauf und Hain mit Herrn Kentsch erlebt haben, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Auch ich musste mir wüste Anschuldigungen und Drohungen anhören", sagt Ivan Pacheco. Sechs Jahre war er Angestellter bei Arminia. Er arbeitete als Sportkoordinator und Trainer der A-Jugend, half mit, Eigengewächse wie den heutigen Bundesligaprofi Robert Tesche oder Nils Fischer zu fördern. Pacheco hatte es gewagt, für Arminia Interesse an einer Kooperation mit der Südschule zu äußern.
Drohung, den Arbeitsplatz zu verlieren
"Wegen dieses Themas bin ich mehrfach zu Kentsch gerufen und von ihm angegangen worden", erinnert sich Pacheco. Kentsch habe ein Problem damit gehabt, "dass ich andere Meinungen vertrete und mir den Mund nicht verbieten lasse". Das wurde Pacheco zum Verhängnis. "Ich hatte von Jugendleiter Peter Krobbach die Zusage, dass mein Vertrag beim Klassenerhalt in der Bundesliga verlängert werde. Dann hat er plötzlich gesagt, er müsse die Zusage wieder zurückziehen." Pacheco stand damals auf der Straße. "Mit der Drohung, den Arbeitsplatz zu verlieren, setzt Kentsch die Leute unter Druck", erzählt Pacheco, heute Versicherungskaufmann.
Ein früherer Mitarbeiter der Geschäftsstelle, der nicht genannt werden will, weil er Repressalien für ihm bekannte Ex-Kollegen fürchtet, erinnert sich an ein bedrückendes Arbeitsklima. Es sei nie gewürdigt worden, dass die Leute dort mit viel Herzblut dabei sind und nicht nur irgendeinen Job ausüben. Bei Mitarbeiterversammlungen unter Leitung von Roland Kentsch habe sich niemand getraut, Kritik zu üben.
Zum Thema Kentsch möchte sich Arminias Sport-Geschäftsführer nicht äußern. Detlev Dammeier kontaktiert dieser Tage potenzielle Trainerkandidaten. Parallel kümmert er sich um das neue Gesicht der Mannschaft. Dammeier hofft nach wie vor, den in Tunesien spielenden Stürmer Michael Eneramo von einem Wechsel nach Bielefeld in die zweite Liga überzeugen zu können.
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Kommentare
Sandra schrieb am 02.06.2009 22:13 Uhr
@Torsten: Vielen dank Dir! Dann steht das ja doch schon mal fest. Kann man nur hoffen,dass die Leute die es noch nicht wissen diesen Beitrag lesen und darauf achten. Auf viele Stimmen!
Torsten schrieb am 02.06.2009 17:08 Uhr
@ Sandra
Die Satzung ist auf der Homepage unter Link unterdrückt veroeffentlicht. Du hast die entscheidenden Punkte gut erkannt.
§10.2 Stimmberechtigt sind alle anwesenden Mitglieder nach Vollendung des 18. Lebensjahres, die sich durch einen gültigen Vereinsausweis ausgewiesen haben, mit der Beitragszahlung nicht im Rückstand sind und mindestens 3 Monate dem Verein angehören.
Sandra schrieb am 02.06.2009 15:59 Uhr
Ich habe neulich hier irgendwo im Netz gelesen, dass man bei Zahlungsverzug nicht stimmberechtigt sein soll. Meine auch das man erst ab dem 18. Lebensjahr und erst nach dreimonatiger Mitgliedschaft stimmberechtigt ist. Kennt sich hier jemand damit aus, der für Aufklärung sorgen kann??? Ansonsten auf jeden Fall für alle Mitglieder die vorhaben zur JHV zu kommen, achtet vorsichtshalber darauf das ihr nicht im Zahlungsrückstand seid...*smile! Auf ganz viele Stimmen!
distro schrieb am 02.06.2009 14:21 Uhr
ARMINIA LEBT - Es ist Feuer unter´m Dach.
Hoffen wir, dass ARMINIA auch überLEBT!
Sandra schrieb am 02.06.2009 13:52 Uhr
Und an dieser Stelle hier möchte ich gerne auch einmal ein großes Lob für die tatkräftige Einsatzbereitschaft der kritischen Arminen aussprechen. Macht weiter so. Ihr seid spitze.
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