Bielefeld. Die Zahl der Fürsprecher von Arminias Geschäftsführer Roland Kentsch geht gegen Null. Nicht einmal die Partner aus Vorstand und Aufsichtsrat springen ihm in den Tagen harscher Kritik bei. Das konnte Artur Wichniarek nicht länger mitansehen. Er meldete sich in der Bild zu Wort und drohte: "Wenn man Kentsch entlässt, bin ich auch weg."
Ob der Anruf des Torjägers bei dem Boulevardblatt aus eigenem Antrieb geschah, möglicherweise Wichniareks Berater Andreas Grajewski dahinter steckt oder gar eine dritte Person, sei dahingestellt. Die Verbindung des polnischen Duos mit Roland Kentsch ist nur zu offensichtlich. Kentsch war die treibende Kraft bei Wichniareks Rückholaktion im Winter 2005/06. Seither hat er den Stürmer, der unter Trainer Thomas von Heesen zu Beginn der Saison 2006/07 scharf kritisiert worden war, immer protegiert.
Andreas Grajewski ist ein Meister des Spiels hinter den Kulissen und lässt gern mal gezielt Bemerkungen hinsichtlich der Qualitäten von Spielern oder leitender Angestellter Arminias fallen. Kentsch trifft es dabei nie. Das verwundert nicht, bespricht Grajewski doch Wichniareks Angelegenheiten am liebsten direkt mit Kentsch. So auch im Sommer 2007.
Eines Abends erschien Grajewski im Trainingslager am Walchsee und erzählte in lockerer Runde, dass die Vertragsverlängerung mit seinem Schützling perfekt sei und in Kürze verkündet werde. Als jedoch der damalige Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig davon Wind bekam, drohte der Deal zu platzen. "Ich lese in der Zeitung Ergebnisse von Gesprächen, die noch gar nicht stattgefunden haben", sagte Saftig damals und kündigte an, in Walchsee gar nicht mehr mit Grajewski sprechen zu wollen.
Vertragsverlängerung mit zweimonatiger Verspätung
Saftig fühlte sich in seinem ureigensten Betätigungsfeld von Kentsch und Grajewski übergangen. War das wieder so ein Moment, der "nach Abwägung im Einzelfall eine Stellungnahme erforderlich macht", wie Roland Kentsch seine regelmäßigen Einmischungen in den sportlichen Bereich so galant in dieser Zeitung umschrieb? In einem anderen Interview behauptete Arminias Finanzfachmann jüngst, er habe sich "nicht ein einziges Mal in irgendeine Spielerauswahl eingemischt". Wie dem auch sei – Arminias Torjäger bekam seine Vertragsverlängerung mit zweimonatiger Verspätung dann doch noch. Und mittlerweile hat Arminias bester Akteur der Hinrunde sogar ein weiteres Mal seinen Kontrakt verlängert.
So einfach weg, wie er gedroht hat, kann er mithin gar nicht. Nach seinen forschen Worten wird sich Wichniarek verantworten müssen. Denn er hat in der Bild auch die sportliche Leitung verbal angegriffen. Kentsch habe mit dem Abstieg am wenigsten zu tun. "Für die Spielersuche und Neuverpflichtungen sind andere zuständig", wird Wichniarek zitiert. "Wir werden das nicht unter den Tisch kehren, aber ich werde Artur deswegen nicht aus dem Urlaub zurückholen", sagte der von Wichniarek kritisierte Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier.