Bielefeld. Die Nachricht des Tages schlug Sonntag um 18.40 Uhr auf. Arminia Bielefeld hat ihren Geschäftsführer Roland Kentsch beurlaubt. Die Verantwortlichen der verschiedenen Gremien haben mit dieser Entscheidung die Reißleine gezogen und die heutige Mitgliederversammlung, ab 19 Uhr, Stadthalle Bielefeld, entschärft.
Einen Auftritt des höchst umstrittenen Schatzmeisters und Finanz-Geschäftsführers vor aufgebrachten Fans wollten die Verantwortlichen unbedingt vermeiden. In Gesprächen war Kentsch zuletzt mehrfach nahegelegt worden, nicht nur seinen Posten als Schatzmeister des Vereins abzugeben, sondern auch von einer weiteren Tätigkeit als Geschäftsführer abzusehen.
Doch Kentsch gab keinen Millimeter nach. So heißt es denn auch in der offiziellen Mitteilung: "Nachdem die bisherigen Gespräche zu keinem Ergebnis geführt haben, hat der Vorstand des DSC Arminia Bielefeld e.V. mit Genehmigung des Aufsichtsrates der DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA Roland Kentsch mit sofortiger Wirkung von der Verpflichtung zur Dienstleistung als Geschäftsführer der DSC Arminia Bielefeld Management GmbH sowie der Planet Arminia GmbH freigestellt. Dies gilt vorsorglich auch für die Funktion als Vorstand des DSC Arminia Bielefeld e.V."
Offizielle Entlassung bleibt dem neuen Vorstand
Übersetzt bedeutet der Text: Kentsch ist beurlaubt. Die offizielle Entlassung mögen dann die heute Abend neu zu wählenden Verantwortlichen vollziehen. Um eine Abfindung in Höhe von bis zu 800.000 Euro werden die Arminen nicht herumkommen. Der Klub bleibt durch den zweiten Geschäftsführer Detlev Dammeier voll handlungsfähig.
"Wir haben seit längerer Zeit intern darüber gesprochen. Letztlich sind wir gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, dass dies der einzige Weg ist", sagte der bis zum heutigen Montagabend noch amtierende Präsident Hans-Hermann Schwick. Kentsch habe viele Jahre für gute Finanzen im Klub gesorgt. "Zuletzt hat es dann aber nicht mehr gepasst", sagte Schwick.
Kentsch hat seine Beurlaubung selbst zu verantworten. Sein Allmachtsgehabe, ständige Einmischungen in den sportlichen Bereich und öffentliche Auftritte, in denen er Großsponsoren sowie die Verantwortlichen der Stadt Bielefeld brüskierte, brachten das Fass zum Überlaufen. Nun ist er nicht mehr "der Einzige, der bei Arminia sagen und machen kann, was er will", wie er abhängig Beschäftigte gern belehrte.
Kentsch klebte an seinem Stuhl
Er selbst erwies sich als belehrungsresistent und klebte bis zuletzt an seinem Stuhl. So sah sich der langjährige Präsident Hans-Hermann Schwick gezwungen, den Rücktritt des kompletten Vorstands zu initiieren, um größeren Schaden durch Kentschs Verbleib zu verhindern.
Die Entscheidung, sich von Kentsch zu trennen, dürfte die Chancen von Präsidentschaftskandidat Klaus Daudel und seinem Schattenkabinett um die erfahrenen Albrecht Lämmchen und Andreas Mamerow sowie die neuen Thomas Lauritzen und Norbert Lepoldseder deutlich verbessern.
Weitere Annäherungen vor der Versammlung möglich
Aus dem Rennen sind die "Kritischen Arminen" mit ihrem Spitzenkandidaten Dirk Obermann deshalb noch lange nicht. "Grundsätzlich ist damit ein weiteres unserer Ziele erreicht. Wie das der Ämterentflechtung. Wir bleiben aber bei unserer Meinung, dass der neue Vorstand sich auch aus neuen Leuten zusammensetzen muss. Darum trete ich am Montag an", sagte Obermann. Allerdings mochte er eine "große Lösung" weiterhin nicht ausschließen, das habe aber "nichts mit Herrn Kentsch zu tun".
Das nächste Einlenken des Arminen-Vorstandes nach dem angekündigten Rücktritt legt allerdings die Vermutung nahe, dass es noch vor der Jahreshauptversammlung zu weiteren Annäherungen kommt. Und dass auch Mitglieder der Kritischen Arminen in die Vereinsgremien aufgenommen werden.
Also:
"Didel - Dadel - Daudel" - oder:
"Underman - Middelman - Overman" - ???
Das ist hier die Frage ...
Euch Arminen heute Abend: Allzeit guten Pflug ...