Unter Gerstner soll Fußball nicht mehr nur quer gespielt werden / Zugang Feick eingetroffen
Bielefeld. Thomas Gerstner hat seine ersten Karten auf den Tisch gelegt. Freundlich und aufgeschlossen im Umgang, unmissverständlich im Training. "Nach vorne, nach vorne", hallte es in den ersten fünf Einheiten des neuen Trainers immer wieder über das Gelände an der Friedrich-Hagemann-Straße. Die Spieler von Arminia Bielefeld müssen sich umorientieren. "Die neue Philosophie ist bei mir klar verankert, bei den Spielern noch nicht. Aber es wird stündlich besser", sagt der 43-Jährige lächelnd.
Seine Philosophie vom "Nach vorne" ist so einfach wie kompliziert. Gerstner: "Es ist logisch, wenn die Spieler ein Jahr lang von zehn Bällen acht quer gespielt haben, dass sie jetzt noch nicht acht von zehn nach vorne spielen. Aber diese Automatismen werden kommen." Als Kritik an Vorgänger Michael Frontzeck will er das nicht verstanden wissen: "Wir haben jetzt eine ganz andere Situation. Wir müssen anders spielen."
Und er verspricht gelassen: "Wenn die Mannschaft den Fußball spielt, den ich mir vorstelle, wird es offensiv und attraktiv." Schließlich sei die Mannschaft nicht auseinandergefallen. Und wer den Klassenerhalt in der Ersten Liga "nur um ein paar Momente, ein paar Zentimeter" verpasst habe, sei in der Zweiten Liga ein Kandidat für ganz oben.
"Ich wollte unter einem jungen Trainer arbeiten"
Ein Kandidat für links ist am Freitagabend eingetroffen, hat schnell im Hotel Quartier bezogen und war am Samstag erstmals bei seiner neuen Mannschaft. Arne Feick vom FC Erzgebirge Aue hatte seine Entscheidung, zu Arminia Bielefeld zu wechseln, auch vom Trainer abhängig gemacht: "Ich habe gewartet, wer der Neue sein würde und die zwei anderen Angebote aus der Zweiten Liga ein bisschen aufgeschoben. Als ich dann gehört habe, dass Thomas Gerstner es macht, ging es ziemlich schnell. Ich wollte unter einem jungen Trainer arbeiten. Mit Bojan Prasnikar bei Cottbus - das war nicht so mein Ding."
Feicks erster Kontakt in der Mannschaft war Daniel Halfar, den er aus der U-20-Nationalmannschaft kennt. "Alle anderen waren auch sofort sehr nett. Das geht ganz schnell", sagt der Linksfuß. Mit dem "Nach vorne" hat er wenig Probleme, schließlich hat er als Mittelfeldspieler in der 3. Liga zehn Tore bei 33 Einsätzen erzielt. Sein persönliches Ziel? "Dazu kann ich jetzt noch nicht so viel sagen. Ich werde es erst einmal abwarten." Besonders viel Muße zum Abwarten wird er allerdings ab heute kaum haben, denn nach den durchaus schweißtreibenden Einheiten von Donnerstag bis Samstag wird Gerstner ab heute hochschalten. "Das war bisher das Kennenlernen, bei vielleicht 60 Prozent. Ab Montag geht es zur Sache. Da machen wir dann 100 Prozent", sagt der Chefcoach.
Weiterhin dabei ist auch Artur Wichniarek, der trotz seines bis 2011 laufenden Vertrages gerne wechseln würde. Gerstner: "Es ist doch klar, dass ein Spieler in seinem Alter noch in der Ersten Liga spielen will. Bei seiner Qualität wäre ein Wechsel ein Riesenverlust für uns. Aus sportlicher Sicht muss er bleiben. Aber das hängt jetzt von den Gesprächen und Verhandlungen ab." Ein "einfacher" Wechsel Wichniareks scheiterte bisher an der festgeschriebenen Ablösesumme, die bei 1,5 Millionen Euro liegen dürfte. Das Stürmerproblem der vergangenen Saison würde freilich ein noch größeres werden, falls Wichniarek geht.
Gerstners Elan bremsen diese personellen Planspiele im Moment aber nicht. "Wir sind mit einigen Offensivkräften im Gespräch. Es wird sich fügen." Mit oder ohne Wichniarek, es soll wieder nach vorne gehen.