Nach schwacher erster Halbzeit und einer 2:0-Führung noch eine 2:4-Niederlage in Trier
Trier. Allzu klug war es eigentlich nicht, diese Werbekampagne ausgerechnet vor dem Pokalspiel gegen Bielefeld zu starten. In Römer-Kluft gewandet, verkündet Super-Mario Basler von Plakaten das neue Trierer Motto "Eintracht macht stark". Vor 2.000 Jahren hatten Ostwestfalen unter Feldherr Arminius bewiesen, dass sie stärker sind. Die fußballspielenden Arminen eiferten ihren Vorbildern nicht nach und schieden durch eine 2:4 (2:2, 0:0)-Niederlage nach Verlängerung blamabel in der zweiten Runde aus.
Bevor die Pleite besiegelt war, mussten dramatische 120 Minuten durchstanden werden. Unbeeindruckt von der Klassenzugehörigkeit des Gegners und der Historie wagten die zwei Ligen tiefer eingestuften Eintrachtler von Anpfiff die offene Konfrontation.
Gerstners Arminia nahm alsbald eine Anleihe bei römischen Heeren: eine Mischung aus Igel- und Schildkrötentaktik. Igel, weil meistens bis auf Besart Berisha fast alle Spieler mit Defensivaufgaben beschäftigt waren. Schildkröten, weil dies als bevorzugtes Bewegungstempo gewählt wurde. Heraus kam aus Bielefelder Sicht eine erste Halbzeit zum Vergessen.
Überlegene Trierer
Null Ideen, keine Torchance, umso mehr Fehlpässe und Unkonzentriertheiten – basierend auf einer allzu laxen Grundhaltung, weniger der Tatsache geschuldet, dass Coach Gerstner seine Elf gleich auf sieben Positionen gegenüber dem souveränen 3:0-Zweitligasieg beim MSV Duisburg umgebaut hatte. Den römischen Moselanern ließe sich in dieser Phase allein der Vorwurf machen, dass optische und läuferische Überlegenheit nicht in entsprechende Torgelegenheiten oder gar Tore mündeten.
Kapitän Josef Cinar mit zwei Kopfbällen nach Freistößen sowie Sturmspitze Wilko Rudi Risser kamen einem 1:0 am nächsten, prüften den sein Comeback nach mehr als einjähriger Pause feiernden Rowen Fernandez aber nicht wirklich.
Die zweite Hälfte konnte für den DSC nur besser werden. Und sie wurde es bereits nach wenigen Sekunden; Steilpass Daniel Halfar, flache Hereingabe Michael Delura, Schuss Zlatko Janjic – 0:1. Da war sie wieder, die offensive Gefährlichkeit und Effektivität, mit der sich die Arminen in die Spitzengruppe der Zweiten Liga vorgespielt haben. Und weil’s so schön war, legte der Gast nur vier Minuten später nach: Diesmal schickt Giovanni Federico den 1:0-Torschützen steil, und Janjic beweist mit einem Schlenzer ins lange Eck Übersicht.
Den Faden verloren
Der 2:0-Vorsprung schien schon die Entscheidung gewesen zu sein. Doch als sich ein abgefälschter Schuss von Sahr Senesie in der 61. Minute zur Überraschung aller ins Netz senkte, begann das Spiel neu. Janjic ließ die Chance zur Beruhigung aus (65.), Arminia verlor zusehends den mühsam geknüpften Faden.
Und als Markus Schuler mit einem überflüssigen Rempler Senesie die Elfmeterchance zum 2:2 (76.) schenkte, war alles wieder offen. Mit einem Anfängerfehler ermöglichte Schuler in der 110. Minute Wilko Risser sogar noch die endgültige Wende. Sahr Senesi besiegelte das Bielefelder Pokalaus mit seinem dritten Treffer zum 4:2-Endstand und durfte sich nachher zu Recht als Arminen-Besieger feiern lassen. Der besiegte Trainer Thomas Gerstner meinte: "Wir hatten Trier am Boden. Nur das dritte Tor haben wir nicht gemacht."
Eintracht Trier - Arminia Bielefeld 4:2 (2:2, 0:0) n.V.
Trier: Kronholm - Schulz, Lacroix, Cinar, Rakic - Reinhard - Anfang (52. Pektürk), Kempny, Senesie, Wagner (52. Anicic/114. Ay) - Risser.
Bielefeld: Fernandez - Bollmann, Fischer (69. Lamey), Mijatovic, Schuler - Risgard - Janjic (77. Feick), Kirch (27. Halfar), Delura - Federico, Berisha
Tore: 0:1 Janjic (46.), 0:2 Janjic (50.), 1:2 Senesie (61.), 2: 2 Senesie (75., Foulelfmeter), 3:2 Risser (110.), 4:2 Senesie (120.+1)
Zuschauer: 6.630
Schiedsrichter: Christian Bandurski (Oberhausen)
Gelbe Karten: Risser, Reinhard, Anicic - Bollmann, Risgard, Schuler