Bielefeld. Mitleid wäre das falsche Wort. Aber immerhin Verständnis darf man für Giovanni Federico haben. Da präsentiert sich Arminia Bielefelds Nummer 8 seit Wochen in überragender Form, trifft und trifft und trifft – und spielt sich damit praktisch täglich in die Sportteile der deutschen Zeitungslandschaft. Das erfordert tägliche Termine mit der Presse. Und nun spielt die Arminia am Montag, 20.15 Uhr (live im DSF) auch noch bei seinem Ex-Klub, dem Karlsruher SC – einen Tag nach seinem 29. Geburtstag. Was in der Summe die Interview-Anfragen nicht eben mindert. "Ist schon in Ordnung", meint er dann.
Federico lässt alles mit der ihm gegebenen, italienischen Freundlichkeit über sich ergehen. Steht bereit, auch wenn er hier und da lieber seine Ruhe hätte. "Natürlich ist das gegen Karlsruhe ein besonders Spiel für mich", erklärt er. Zwei Mannschaften "auf Augenhöhe" würden sich treffen, zwei aus dem Kreis der Favoriten. "Das wird sicherlich ein gutes und schönes Spiel."
Von 2005 bis 2007 spielte Federico für den KSC, krönte seine dortige Zeit mit dem Aufstieg in die erste Liga. 19 Saisontore, 14 Vorlagen, Mehrfach-Auszeichnungen zum "Besten Spieler der Zweiten Liga" waren die Folge – und eben jenes Angebot von Borussia Dortmund. Federico, in Hagen geboren, wechselte zu den Schwarz-Gelben und war damit eine verhängnisvolle Affäre eingegangen. Es lief nie rund, selten schaffte er es in die Startelf, es war ein klarer Karriere-Rückschritt. Weil er das genauso sah, wurde der Mittelfeldmann in der vergangenen Winterpause ausgeliehen, ging zurück zum KSC – und stieg mit ihm ab.
"Wenn wir aufsteigen, bleibe ich auf jeden Fall hier"
Sein neuer Start in der Zweiten Liga mit Bielefeld läuft verheißungsvoll an. Wie damals in Karlsruhe. "Karlsruhe und Bielefeld lassen sich sehr gut miteinander vergleichen", meint er. "Zwei kleine, familiär geführte Vereine. Ich habe mich in Karlsruhe sehr wohl gefühlt, obwohl wir dann abgestiegen sind, und ich fühle mich jetzt in Bielefeld sehr wohl."
Der Wohlfühlfaktor ist derzeit an sieben Treffern in sieben Spielen, dazu zwei Torvorlagen, abzulesen. Und wenn es in Bielefeld wieder brillant läuft? So wie einst beim KSC und ein oder zwei "große" Vereine anklopfen? Federico: "Wenn wir aufsteigen, bleibe ich auf jeden Fall in Bielefeld. Das ist ganz klar." Sein Vertrag läuft bis 2011, aber die Mechanismen der Branche und die Möglichkeit des Ablöse erfordernden Wechsels lassen eine Alternative zur Arminia zu. Aber eben nicht für Federico.
Dass es am Saisonende mit dem Aufstieg etwas werden kann, ist für ihn klar: "Wir haben eine sehr hohe mannschaftliche Qualität. Eine Top-Elf, dazu sieben, acht Spieler, die sich nahtlos einfügen können. Ich denke, wir haben den stärksten Kader der Liga." Den nächsten Nachweis hat Federico gegen Karlsruhe zu erbringen. Ausgerechnet. Wenn es denn klappt mit dem Auswärtssieg, wird es wieder heißen: "Herr Federico zum Interview, bitte."