Bielefeld. Die Hunderasse passt zum Herrchen. Die Erziehung eines Weimaraners erfordere "ein hohes Maß an Konsequenz und Durchsetzungsvermögen, aber keine harte Hand", behaupten Zuchtexperten – Levis dürfte im Schoß der Familie von Thomas Gerstner bestens aufgehoben sein. Mit den beschriebenen Eigenschaften hat der neue Chefcoach den DSC Arminia zur eindeutigen Nummer eins der Zweiten Liga geformt. Wenn das kein Grund ist, auf den heutigen 43. Geburtstag anzustoßen...
"Ach, mit Geburtstagen habe ich es nicht so", meint Gerstner, der "ganz spontan entscheiden" wollte, ob er zwischen zwei Trainingstagen eine Heimfahrt einlegt. Schließlich habe er "sogar den runden Vierzigsten allein gefeiert" hat, weil Ehefrau Heidi gerade wieder beruflich unterwegs war und nicht daheim in Düsseldorf-Wersten, wo Levis wacht.
Vor fast auf den Tag genau fünf Jahren waren die Gerstners erstmals in ihr Haus in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt eingezogen. Damals ließ wenig darauf schließen, dass Thomas eines Tages mit einem ambitionierten Zweitligisten ziemlich heftig an die Eingangstür zur Bundesliga klopfen würde. "Ich bin nur der Zweitverdiener", witzelt der DSC-Trainer noch heute – die erfolgreiche Karriere seiner Frau als Künstlerin mit weltweiten Kursen für die Robinson-Clubs und Ausstellungen in renommierten Galerien hat eher begonnen. Als Inhaber einer Indoor-Halle in Düsseldorf schien Thomas Gerstner 2004 vom großen Fußball weit entfernt.
Mentaltrainer und Life-Kinetik
Heute gehört der Mann, der Arminia zum bisher dominierenden Team der Zweiten Liga geformt hat, zu den "Jungen Wilden" der Trainergilde, über die sich Fußball-Deutschland wundert. Thomas Tuchel in Mainz, Gerstner bei Arminia, letzte Saison Michael Oenning in Nürnberg und Robin Dutt in Freiburg – lauter No-Name-Trainer haben den Etablierten der Branche die Erfolge und damit die Schlagzeilen geklaut. Für Gerstner, auch wenn er "nur für mich selber sprechen" kann, kein Zufall: "Leute in meinem Alter gehen öfter und leichter neue Wege, die andere Trainer vielleicht ablehnen. Dinge wie Mentaltraining oder Life-Kinetik sind erst im Laufe der letzten Jahre aufgekommen. Die Kunst ist es, die Spieler davon zu überzeugen."
Wenn "der verbindende Draht" vorhanden sei, den "alle respektieren", ließe sich so erfolgreich arbeiten "in einer Kumpelgemeinschaft, in der einer die Entscheidungen trifft und auch dazu steht". In der Branche unbekannt, dazu aus dem fußballerischen Dritte-Welt-Land Österreich in die deutsche Bundesliga geholt – Gerstner hatte gleich zwei Vorurteile zu bekämpfen. "Also, in Österreich wird die gleiche Arbeit geleistet wie hier", meint der von Sturm Graz zum DSC Arminia gewechselte Coach: "Nur hat die Alpenrepublik eben mal acht Millionen Einwohner, Deutschland aber über 80. Wir haben also das zehnfache an Potenzial – sportlich und auch in finanzieller Hinsicht."
Dass Österreich aktuell mit vier Teams in der Europa League vertreten ist, sei den "guten Trainern" wie Peter Pacult und Franco Foda zu verdanken, die erwähnte Innovationen in ihren Übungsbetrieb eingebaut haben. Foda, wie Gerstner ein ehemaliger DSC-Profi, war Chef des aktuellen Arminia-Trainers beim SK Sturm Graz, der sich auch mit dem Namen "Puntigamer" schmückt, einer örtlichen Brauerei, in deren Verwaltunggebäude die Sturm-Geschäftsstelle untergebracht ist.
Die Acht ist seine Leiblingszahl
Gerstner könnte den seit Jahrzehnten beliebten Werbeslogan "Lustig samma, Puntigamer" für sich in Bielefeld umwandeln in ein "Lustig samma, Punkte hamma". Und er legt Wert auf die Feststellung, dass daheim im Keller in Düssseldorf-Wersten kein steirisches Bier lagert, sondern "selbstverständlich Krombacher", die Marke des Arminia-Sponsors.
Samstagabend wird Gerstner vielleicht eine Flasche öffnen, wenn es Anlass gibt, die nächsten drei Punkte zu begießen. Auch wenn dann der "kleine Spleen" mit der Acht, die spätestens seit seinem 60-Meter-Tor für Carl Zeiss Jena im Ostderby gegen RW Erfurt Gerstners Lieblingszahl ist, ein wenig in Mitleidenschaft geriete. Denn es wäre Arminias neunter Sieg in Folge.
Wie würde Dittsche sagen: Ein reiner Vernunftmensch!