Frankfurt. Die Partie erreichte ihren Höhepunkt in der 40. Minute: Dennis Eilhoff drosch den Ball in Bedrängnis über das Tribünendach. Ein wenig mehr Wucht im Spannstoß, dazu noch ein kräftiger Westwind - und es hätte zur Erwähnung im Verkehrsfunk reichen können: "Achtung, Autofahrer. Auf der A 661 zwischen den Ausfahrten Friedberger Landstraße und Frankfurt-Ost liegt ein Fußball auf der Fahrbahn." Zur Unterbrechung des Radioprogramms aufgrund eines sportlichen Vorkommnisses gab es keinen Anlass: Beim 0:0 zwischen FSV Frankfurt und Arminia Bielefeld passierte exakt so viel, wie es die Zahlen ahnen lassen.
Eine führende Frankfurter Tageszeitung muss es schon vorher geahnt haben. "Furchtbar langweilig" war der Aufmacher der samstäglichen Sportausgabe überschrieben. Es handelte sich allerdings um die Beschreibung des derzeit beim FC Bayern München unter Louis van Gaal dargebotenen Fußballs. In ihrer Sonntagszeitung hätte die FAZ die Zeile wiederholen können - für die Zweitligapartie am Bornheimer Hang, in der beide Mannschaften den vermeintlichen Leistungsunterschied zwischen Tabellenvorletztem (FSV) und -Erstem (DSC) auf niedrigstem Niveau anglichen.
"Wir hatten es nicht verdient, zu gewinnen", erklärte Kapitän Rüdiger Kauf nach dem Ende der bisher einmaligen Bielefelder Siegesserie von acht Dreiern hintereinander. Und Kauf, neben Andre Mijatovic und Arne Feick so etwas wie der in Weiß gekleidete schwarz-weiß-blaue Lichtblick im trübsten November-Grau, fügte berechtigt an: "Frankfurt allerdings auch nicht."
Wie hätte auch eine Mannschaft nach unendlich lang erscheinenden 90 Minuten den (schlechten) Platz als Sieger verlassen sollen, wenn hüben wie drüben nur äußerst fantasievolle Menschen echte Torchancen entdecken konnten?! Vor Eilhoff, bis auf erwähnten Hochweitschuss abermals die Torhüter-Souveränität in Person, spielten sich ein paar kleinere Freistoß- und Rückpass-Turbulenzen ab. Auf der Gegenseite erlöste Giovanni Federico drei Minuten vor dem Abpfiff (!) beim ersten gefährlichen Bielefelder Strafraumauftritt FSV-Keeper Patric Klandt von dessen Zustand der Beschäftigungslosigkeit.
Die Hoffnungen von DSC-Cheftrainer Thomas Gerstner, dass eine stabile Defensive abermals auch einen Dreipunktegewinn garantiert, erfüllten sich nicht, weil die sowohl vor der Partie als auch in der Halbzeitpause geforderten Spielelemente (durch Laufarbeit Räume schaffen, mehr Engagement, gegenseitiges Helfen) durchgängig fehlten. In den zuletzt letztendlich 1:0 oder 2:0 erfolgreich beendeten Spielen hatten meistens Christopher Katongo oder Giovanni Federico als Torschützen vom Dienst den ein oder anderen spielerischen Leerlauf übertünchen können. Diesmal verdribbelte sich Katongo mangels Unterstützung regelmäßig im engmaschigen Frankfurter Abwehrnetz. Und schien es bei Federico eher so, als würde er ein 90-minütiges Bewerbungsvideo für die Hauptrolle in einem cineastischen Werk mit dem Titel "Der Spaziergänger von Bornheim" von sich drehen lassen - mit einigen Teamkollegen als Bewegungs-Double.
Nun ja, bei allem spielerischen Elend: "Solche Spiele gibt es immer wieder", tröstete sich Coach Gerstner. Verwies auf die erfreulichen Fakten - 28 Punkte aus zwölf Spielen, weiter Spitzenreiter - und trat die Heimreise an. Über die von verirrten Fußbällen freie A 661.
FSV Frankfurt - Arminia Bielefeld 0:0
FSV Frankfurt: Klandt
- Hickl, Gledson (65. Simac), Husterer,Voigt - Mehic, Kujabi (88.
Bouhaddouz) - Ledesma, Orahovac - Taylor (75. Cenci), Cidimar
Arminia Bielefeld:
Eilhoff - Lamey, Mijatovic, Kucera, Feick - Kauf - Kirch (78. Delura),
Halfar (65. Risgård), Federico, Janjic (78. Kamper) - Katongo
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Zuschauer: 4.134
Gelbe Karten: Ledesma (1) / Feick (2), Lamey (2)