INTERVIEW: FCK-Vorstandsvorsitzender Kuntz freut sich über den Aufschwung in Kaiserslautern
Bielefeld/Kaiserslautern. Als Spieler hat Stefan Kuntz enorm viel erreicht. 1996 war er Europameister. Zwei Mal sicherte er sich die Torjägerkanone in der Bundesliga (1985/86 und 1993/94). 1991 wurde er zum Fußballer des Jahres gekürt. Mit dem 1. FC Kaiserslautern, für den er 170 Spiele absolvierte und 75 Tore erzielte, holte er 1990 den DFB-Pokal und ein Jahr später den Meistertitel. Seit April 2008 ist Kuntz (47) Vorstandsvorsitzender und sportlicher Leiter bei den "Roten Teufeln". Mit Peter Burkamp sprach der frühere Arminen-Stürmer (65 Spiele von 1996 bis 1998) vor dem Spiel gegen die Bielefelder über den Höhenflug des FCK.
Herr Kuntz, seit vergangenen Montag ist Kaiserslautern Tabellenführer der 2. Liga. Haben Sie vor der Saison damit gerechnet, dass es so gut läuft? STEFAN KUNTZ: Wenn man berücksichtigt, dass wir einen Trainerwechsel hatten, zahlreiche neue Spieler integrieren mussten und über einen durchschnittlichen Zweitligaetat verfügen, ist das eine sensationelle Entwicklung. Da gibt es im Moment nichts zu mäkeln.
Sie sprechen den Etat an. Selbst für einen Traditionsklub wie Kaiserslautern dürfte es schwierig sein, die Mindereinnahmen aus der Ersten Liga über längere Zeit zu kompensieren? KUNTZ: Im Vergleich zu Bochum, einem Erstligisten aus dem unteren Drittel, fehlen uns pro Saison 12 bis 14 Millionen Euro. Damit müssen wir mittlerweile im vierten Jahr umgehen. Wir haben zwar keine Bankverbindlichkeiten, aber auch kein Vereinsvermögen. Da lebt man von der Hand in den Mund.
Immerhin stimmen die Zuschauerzahlen und in der Region spürt man so etwas wie Aufbruchstimmung nach den guten Ergebnissen. KUNTZ: Unser Zuschauerschnitt (32.375, Anm. d.Red.) sagt ja einiges aus. Das Vertrauen ist da, und unser Ziel ist es natürlich, auch am Ende der Saison die Chance auf einen der ersten drei Plätze zu haben. Aber ich bin zu lange im Fußballgeschäft um zu wissen, dass das kein Selbstläufer wird.
Mit den Neueinkäufen und der Verpflichtung von Marco Kurz als Trainer haben Sie offenbar ein gutes Händchen bewiesen. KUNTZ: Das war vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber wir haben uns bewusst Zeit bei der Trainerfrage genommen. Innerhalb des Vorstands haben wir zunächst eine Philosophie entwickelt und danach den Trainer ausgesucht. So etwas entscheidet man nicht in zehn Minuten. Übrigens hat auch Marco Kurz zunächst überlegen wollen, ob er zu uns passt.
Kaiserslautern und Bielefeld verfügen über die beste Abwehr der Liga. Ist das die Grundlage, um aufzusteigen? KUNTZ: Man sagt ja, die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften. Rein statistisch treffen am Montag die besten Abwehrreihen aufeinander. Deshalb muss das Spiel aber nicht 0:0 ausgehen.
Was halten Sie von der Bielefelder Mannschaft? KUNTZ: Für mich ist Arminia Aufstiegsfavorit Nummer eins. Wir freuen uns darauf, dass wir uns am Montag mit so einer Mannschaft messen können. Was die Defensive betrifft, so spielt ja fast die komplette Erstligaabwehr. Überhaupt hat Arminia die Mannschaft weitgehend zusammenhalten können. Da hat der Trainer zu Recht gesagt, dass er Erster werden will.
Wie haben Sie diese forsche Aussage eines jungen Trainers aufgenommen? KUNTZ: Daran muss er sich jetzt messen lassen.