Beim 1:1 gegen Union Berlin zeigen die Bielefelder erneut lediglich eine akzeptable Halbzeit
Bielefeld. Die Arminen müssen sich etwas einfallen lassen. Warum auch immer - den heimischen Fußball-Profis gelingt es nun schon seit einiger Zeit nicht mehr, zwei gleichwertig gute Halbzeiten auf den Platz zu bringen. Beständig ist nur ihre Unbeständigkeit, und die kostete die Bielefelder gestern einen Sieg gegen Union Berlin. Durch das 1:1 im letzten Heimspiel des Jahres rutschten die Arminen erstmals seit Ende September wieder aus den Aufstiegsrängen.
Muss Betreuer Rainer Schonz etwa den Pausentee schon vor dem Spiel reichen? Hilft es, die Pfiffe von enttäuschten Fans vor der Partie einzuspielen? Sollten die Arminen vielleicht in benutzte, schweißnasse Trikots steigen? Oder muss Trainer Thomas Gerstner sein Pausen-Donnerwetter schon 45 Minuten früher halten? Wenn die Mannschaft dann gleich mit dem Anpfiff die nötige Aggressivität und Laufbereitschaft an den Tag legt, sollte alles Recht sein.
Wie bereits in der Vorwoche in Düsseldorf ließen die Arminen oben genannte, für den Erfolg essentiellen Eigenschaften auch gegen Union Berlin in der ersten Halbzeit vermissen. Thomas Gerstner sprach von "fast 30 Minuten ideenlosem Fußball". Die Umstellungen in der Offensive - Chris Katongo auf der Halbposition neben Giovanni Federico, Michael Delura auf der rechten Seite - brachten nicht den erwünschten Erfolg. Eine einzige herausgespielte Chance gab es für die Platzherren im ersten Durchgang: Pavel Fort zielte nach 29 Minuten daneben. Immerhin erwähnenswert war noch eine Standardsituation vor dem Pausenpfiff, doch Andre Mijatovic köpfte vorbei.
Mut erst nach dem Pausentee
"Nach drei Niederlagen ist uns die Leichtigkeit abhanden gekommen", versuchte Rückkehrer Markus Bollmann die zag- und fehlerhafte Vorstellung in den ersten 45 Minuten zu erklären. Immerhin fanden die Arminen "den Schlüssel zu mehr Erfolg" (Geschäftsführer Detlev Dammeier) nach dem Seitenwechsel. Mut und Selbstvertrauen, den Gegner früher und vor allem vereint zu attackieren, was Dammeier im ersten Durchgang fehlte, führte plötzlich dazu, dass Union sich kaum noch befreien konnte und Radim Kucera (57.) nach Ecke von Federico zum 1:0 einköpfte.
Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn Chris Katongo nicht nach 66 Minuten wegen einer Gelb-Roten Karte vom Platz gemusst hätte. Die erste Verwarnung war unberechtigt. Anstatt auf Schwalbe zu erkennen, hätte es sogar Elfmeter geben können. Die zweite zeugte von wenig Cleverness, war Katongo doch Momente vorher nach einem Foul gerade noch verschont geblieben. In Überzahl agierten die Berliner wieder mutiger und nutzten ihre einzige gute Aktion zum Ausgleich durch Dominic Peitz (76.).
Diesen Rückschlag verkrafteten die Arminen erstaunlich schnell. Pavel Fort konterte zwei Minuten später mit dem 2:1, das Schiedsrichter Markus Schmidt wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannte - die zweite umstrittene Entscheidung zum Nachteil Arminias. "Das verfolgt uns in letzter Zeit", haderte Detlev Dammeier mit den Schiedsrichterleistungen, ohne den Anteil der Mannschaft an der aktuellen Misere zu schmälern: "Wir wollen jetzt nichts dramatisieren, aber natürlich haben wir uns gegen Union mehr erhofft." Gemessen an den eigenen Ansprüchen sei das 1:1 viel zu wenig, meinte Thomas Gerstner. Vom ausgegebenen Ziel Platz eins ist die Mannschaft derzeit weit entfernt - Arminia (Gerstner) muss sich etwas einfallen lassen.