Arminia Bielefelds Kapitän Rüdiger Kauf fordert von seinen Kollegen eine Steigerung
Bielefeld. Mit dem heutigen Spiel bei Hansa Rostock beschließt Arminia Bielefeld den Rückrundenauftakt der Zweiten Liga. Bevor es um 20.15 Uhr (live im DSF) um Punkte für den angepeilten Aufstieg geht, sprachen Rainer Klusmeyer und Uwe Kleinschmidt mit Arminen-Kapitän Rüdiger Kauf, der nach achteinhalb Jahren in Bielefeld schon einiges erlebt hat. Seine turbulente Zeit könnte der 34-Jährige im Mai mit seinem dritten Aufstieg krönen. Doch er weiß, dass sich seine Mannschaft steigern muss.
Herr Kauf, Ihr Trainer Thomas Gerstner hat kurz nach seinem Amtsantritt den Alten Markt zu seinem Lieblingsplatz in Bielefeld erklärt. Kann es sein, dass Sie eher den Rathausbalkon genannt hätten?RÜDIGER KAUF: Bestimmt! Da habe ich bisher zwei Aufstiege feiern können. Das sind ganz besondere Momente, für jeden Fußballer. Man wird dort oben für die Arbeit eines ganzen Jahres belohnt. Von meinem ersten Aufstieg mit Arminia, 2002 war das, habe ich ein Poster zuhause hängen. Und 2004 war auch großartig. Das ist ein Super-Gefühl da oben.
Was muss passieren, dass Sie zum dritten Mal dort hinauf dürfen?KAUF: Ganz einfach: Wir müssen die Punkte holen, einfach die Spiele gewinnen. Im Ernst: Wir müssen zurückfinden zu unserem Spiel aus der Mitte der Hinrunde, uns Torchancen herausspielen und die dann auch nutzen. Das geht nur, wenn wir alle zusammen gut Fußball spielen.
Das hat ja zuletzt nicht mehr so geklappt.KAUF: Ganz klar. Wir müssen uns jetzt als Mannschaft wieder steigern, dazu muss sich jeder Einzelne steigern, muss seine Vorteile in die Waagschale werfen, damit wir als Mannschaft wieder besser funktionieren.
Auf Knopfdruck gelingt so etwas leider meist nicht. Wo ist die Mannschaft gefordert?KAUF: Jeder muss sich zu 100 Prozent auf Fußball konzentrieren, sich auch persönlich optimal vorbereiten und dann alles geben.
Ist das Drücken auf den ominösen Knopf in einer zweiwöchigen Trainingszeit mit einem Testspiel gegen Hannover – unter schlechten Bedingungen – möglich?KAUF: Natürlich ist so eine kurze Vorbereitung – zudem unter diesen Witterungsbedingungen – nicht optimal. Aber es haben praktisch alle Mannschaften die gleichen Voraussetzungen. Jetzt kommt es darauf an, umzuschalten. Klingt banal, aber Training und Spiel sind zwei Paar Stiefel. Da gibt es keine Entschuldigungen.
Der Negativ-Lauf begann mit dem 0:0 beim Abstiegskandidaten FSV Frankfurt. Da haben selbst einige Spieler gesagt, dass die Aggressivität gefehlt hat. Ist das der einzige Faktor gewesen?KAUF: Das sind immer mehrere kleinere Dinge, die da zusammenkommen. Wenn mehrere Spieler denken, ein paar Prozent weniger reichen auch, dann kommt man in einen Trott, bei dem es dann insgesamt nicht mehr reicht. Darum muss jeder an seine Grenze gehen.
Ist intern thematisiert worden, dass etwas fehlt?KAUF: Natürlich sprechen wir darüber. Auch, dass wir im Spiel noch konzentrierter sein müssen. Aber wir können darüber reden, so viel wir wollen. Wir müssen es auf dem Platz auch zeigen. Alles abrufen, damit wir uns nachher keine Vorwürfe machen können, eben nicht alles versucht zu haben.
In Ihren achteinhalb Jahren bei Arminia hat es ja mehrere Situationen bei Arminia gegeben, in den es Spitz auf Knopf stand. Mal um den Klassenerhalt, mal um den Aufstieg.KAUF: Jedes Jahr!
Was hat es jeweils entschieden, dass es zu einem guten Ende gekommen ist? Wenn es zu einem guten Ende gekommen ist.KAUF: Es muss alles passen. Entscheidend war immer, ob wir in den wichtigen Phasen diese paar Prozent mehr Willen gezeigt haben, mehr Bereitschaft. Das ist ein sehr schmaler Grat, von heute auf morgen kann vieles von rechts nach links kippen. Gegen St. Pauli zum Beispiel war es fußballerisch nicht gut, da sind wir nach der Pause gehörig unter Druck geraten. Aber wir haben gegen das bessere Team dagegen gehalten und 1:0 gewonnen. Das zeigt auch eine gewisse Qualität. Manchmal gewinnt nicht die bessere Mannschaft.
Arminias Anspruch darf in der Zweiten Liga aber auch sein, Situationen mit spielerischen Mitteln zu lösen. Das Personal ist ja da und hat es auch schon gezeigt.KAUF: Natürlich gibt es da einen Unterschied zwischen Erster und Zweiter Liga. Wir sind spielerisch jetzt unter den ersten Mannschaften anzusiedeln. Aber darauf dürfen wir uns nicht verlassen. Wir müssen wissen, worauf es ankommt. Und das ist eben auch das schon angesprochene Dagegenhalten.
Der Trainer hat in der Vierer-Mittelfeldachse schon viele Varianten ausprobiert. Ist das ein Grund für Verunsicherung?KAUF: Nein. Es ist doch ganz klar, dass man personell reagieren muss, sei es wegen Verletzungen wie bei Oliver Kirch oder Michael Delura oder wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Jeder Spieler in unserem Kader hat die Qualität und auch den Anspruch, von Beginn an zu spielen. Dann muss es auch jeder auf dem Platz zeigen. Auch wenn es nicht optimal ist, eingewechselt zu werden oder erst im Laufe der Saison eine Chance zu bekommen. So ist Fußball, das kann man nicht ändern.
Jetzt geht es gegen Rostock. Das 3:1 aus dem Hinspiel war ein Signal an die Konkurrenz, dass mit Arminia zu rechnen ist. Ist das ein kleiner Vorteil?KAUF: Das ist vergessen. Rostock will auch gewinnen. Und wenn wir oben dabei bleiben wollen, müssen wir dort drei Punkte holen.
Wer ist die Hauptkonkurrenz um den Aufstieg?KAUF: Das kann man jetzt nicht sagen. Duisburg ist im Kommen, Augsburg auch, Cottbus ist noch da. Es geht alles sehr schnell in der Liga. Vor ein paar Wochen waren wir mit drei, vier Punkten vorn, jetzt ist Kaiserslautern mit neun Punkten weg. Wenn man an den letzten fünf Spieltagen noch vorne dabei ist, entscheidet es sich.
Wie ist das Gefühl jetzt: Negativ, weil die Mannschaft – vor den Wochenend-Spielen – von Platz eins auf drei gefallen ist oder positiv, weil sie es weiter in der Hand hat?KAUF: Der dritte Platz ist auf jeden Fall gut, auch wenn wir natürlich direkt aufsteigen wollen. Ich glaube, vor der Saison hatte keiner erwartet, dass wir auf Platz eins stehen. Wir haben trotz der letzten fünf Spiele noch eine sehr, sehr gute Ausgangsposition.
Ihr Vertrag läuft zum Saisonende aus. Wie geht es mit Ihnen weiter?KAUF: Darüber haben wir noch nicht gesprochen, das ist aber kein Problem. Aber wenn ich aufhöre, will ich als Erstligist aufhören.
Sie haben Silvester mit Ihrem alten Arminen-Spezi Mathias Hain vom FC St. Pauli gefeiert. Gibt es schon einen neuen Termin für eine gemeinsame, private Feier im Mai? Wenn beide Mannschaften aufgestiegen sind?KAUF: Nein, darüber haben wir gar nicht gesprochen. Silvester, an Mathias’ Geburtstag, haben wir ganz andere Themen gehabt. Da war Winterpause.
Kirch eine Alternative bei Hansa
Mittelfeldspieler Oliver Kirch steht vor seinem Comeback. "Er hat gut trainiert und ist zu hundert Prozent fit", sagte Arminias Trainer Thomas Gerstner. Kirch könnte in Rostock wieder die rechte Außenbahn besetzen. Gerstner hofft auf einen positiven Rückrundenstart. "Wir wollen unbedingt gewinnen, denn wir brauchen einen Sieg, wenn wir auf Kurs bleiben wollen." Ein Erfolg ist um so wichtiger, da die Konkurrenz aufgeholt hat.
Arminias voraussichtliche Aufstellung: Eilhoff - Lamey, Bollmann, Mijatovic, Feick - Kauf - Kirch, Federico, Risgaard, Guela - Fort.
herzlichen glückwunsch zu deiner stabilen Größe Pavel Fort. Der Mann ist einfach eine Zumutung.
Fast jeder Stürmer in der 3. Liga ist schneller und beweglicher.